18.03.11 WEINWISSEN 16 Einem Freund senden

Ein Zungenbrecher gegen Oxidation

Präzise Weingartenarbeit kann man sich mit PVPP sparen...Präzise Weingartenarbeit kann man sich mit PVPP sparen...

Polyvinylpolypyrrolidon - kurz PVPP genannt - ist toll. Es kann einfach alles. Es kann noch viel mehr, als der natürliche Zusatzstoff Gummi arabicum, über den hier am Schiff bereits intensiv diskutiert wurde. PVPP ist so wirksam, dass man maximal 80 Gramm pro 100 Liter Wein zusetzen darf. Und Biowinzer dürfen nicht einen Hauch verwenden, sonst ist die Plakette weg. Mann kann sich also vorstellen wie effizient PVPP ist. Besonders dann, wenn für die Vorsorgebehandlung circa 15 g/ 100l vorgeschrieben sind. Vorsorge - wogegen?

Wie bei all diesen fragwürdigen Produkten hilft auch PVPP jenen, die es - warum auch immer - vergeigt haben. Wobei vergeigt nicht wirklich der richtige Ausdruck ist. Wenn man etwas vergeigt oder schlicht versagt hat, dann setzt das für mich die generelle Absicht voraus, ein Problem positiv zu lösen. PVPP aber sorgt für Abhilfe, wenn einfach nur gepfuscht wurde, wenn die Bemühungen oder das Bestreben Großartiges zu schaffen gar nicht vorhanden waren.

Ein „Behandlungsziel" von PVPP ist zum Beispiel die Anreicherung von Polyphenolen (Aromaverbindungen). Das alleine ist noch nicht so schlimm. Aber die Behandlung mit PVPP entfernt zum Beispiel auch gerbstoffverursachte Geschmacksstörungen. Noch dazu „schminkt" PVPP den Wein, das Mittel hellt tieffärbige (oxidative weiße) Weine auf.

Weg mit den oxidativen Noten

Und PVPP nimmt firnen Weinen ihre oxidativen Noten. Deswegen steht man in der Schaumweinindustrie auch so darauf. Egal, wie alt der Grundwein ist: ein bisschen E 1202 (PVPP) rein und alles wird gut. Das sollte man wissen, wenn man einen Schnäppchen-Sekt kippt.

80 Gramm pro 100 Liter sind erlaubt. Bei oxidierten oder gealterten Weinen empfehlen die Erzeuger ca. 30 - 70 Gramm, bei stark oxidierten Weinen dann die volle Dosis. Ist der Wein sehr kaputt, kann (darf) zudem noch ein bisschen Kasein verwenden. Aber das ist eine andere Geschichte, die ich demnächst erzählen werde.

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Kommentare 16

Kommentare

Holger Lutz (via facebook)

immer noch Rubrik "Weinwissen"? hmm...

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Marco Pusceddu (via facebook)

Ich bin ja kein Freund von Schönungsmitteln, aber meinst Du nicht, dass Du hier ein wenig übertreibst? Die Wirkung von PVPP ist nicht so wie sie hier beschrieben wird, sondern komplex zu betrachten. Die Anwendung als Rückversicherung gegen "ich kann im Weinberg machen was ich will" ist irrational, denn ein solches Allheilmittel gibt es nicht. Prinzipiell gilt: Gutes kann nur verbessert werden, aber aus schlechtem kann man nichts gutes machen!! Da hilft weder Gummi Arabicum, noch PVPP...

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Clemens Maria Mally (via facebook)

Aber es kann aus Verdorbenem trinkbares machen

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Holger Lutz (via facebook)

aus Verdorbenem Trinkbares? Ah, is klar *Klick, abgeschaltet*

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Gottfried Lamprecht (via facebook)

PVPP ist ein Erdölprodukt, deshalb nix für Bio

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Mutlu Aslan (via facebook)

plutonikum?

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Maat Mally

Und das ist gut so, Gottfried! @ Lutz, die Firma Erbsloeh hat PVPP - Produkte die oxidierte Aromen rausfiltern! Für mich ist oxidiertes verdorben, wie sehen Sie das?

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D

wenn verdorben die schlussfolgern von oxidiert ist, dann sind nach eurer Aussage der Großteil aller Champagner verdorben......

Verdorben = darf nicht mehr in Verkehr gebracht werden --> Lebenmittelrecht!!

Ich finde leider das Ihr zu Bildzeitungsmässig auf Eure Artikel Werbung macht Twitter: "Pöhse Mittelchen im Weinbau. Maat Mally diesmal über Polydinsbumsirgendwas, ein Stoff, der niemals schläft. Aber..."
und in einem nebensatz wird hier so beiläufig erwähnt das es keine Gefahr ist, nicht gesundheitsbedenklich usw.
Trotzdem bleibt dem Leser eher der Tweet im Kopf , als der nebensatz....und die Bildzeitung macht das GENAUSO!!!!!

Richtig ist das Schönungsmittel aller Art , dazu benutzt werden Fehler, die bei Gärung, unsachgemässen Handeln des Winzers, schlechtem Lesegut etc. eingesetzt werden , um diese "auszubügeln".

Diese Fehler sind vielfältiger und die Ursachen noch vielfältiger als das ihr das darstellt und sich das der normale Weintrinker vorstellen kann.
Für einiges trägt der Winzer/ Weinbereiter vielleicht Schuld, aber vieles liegt auch dermassen im Dunkeln, das es selbst mit den besten Analytischen Methoden schwer bis unmöglich ist, die Ursachen ausfindig zu machen und somit auszumerzen. Beispiel UTA!
Und wer jetzt gleich hier drunter schreibt der weiss woher UTA kommt und was man gegen die Ursachen macht der hat sich somit automatisch disqualifiziert, den eine genau Erkenntnis über Ursachen/Ursprung über UTA gibts nicht!

Und wenn ich jetzt hier schon wieder was von Bioweinbau lese, da gibts auch Probleme und zwar nicht zu knapp, und da sprech ich als 8 jähriger Anwender aus Erfahrung! PVPP setzen wir nicht ein, richtig , dafür aber andere erlaubte Mittel.....

Auch und /oder gerade die bei vielen heißgeliebte Spontangärung bereitet auch mal hin und wieder Probleme, so ist das eben in der Natur, nicht jedes ist wie das andere....
Warum ich das jetzt so schreibe...weil der Kunde das oftmals nicht versteht, verstehen will. Der Kunde will Wein trinken der ihm schmeckt und wenn dann z.B. Weinstein drin ist wirds schon problematisch....und wer jetzt sagt das ist quatsch der möge bitte die Kommentare beim Artikel über Gummi A. lesen ....ich zitiere hier nur "Weißes Pulver auf dem Flaschenboden wies mir den Weg..."

Mein Opa hat mal gesagt die Weinwelt wird alle 30 Jahre neu erfunden, lustigerweise hat er damit recht behalten.....

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Der Captain (auswärts)

Wie immer bei Maat Mallys Artikel über Schönungsmittel kommt es zu einem lebhaften Austausch. Das hatten wie ja schon bei Gummi arabicum. Maat Mally hat - im Gegensatz zu mir - ein Problem mit Schönungen alles Art. Das Schiff hat viele Meinungen und ich halte jedem Gegenkommentar (wie zuletzt Dirk Würtz) jeden Platz frei, sich zu äußern. Und nicht nur im Forum unter dem Artikel. Sie sind ebenfalls eingeladen, Gegenrede zu halten und Ergänzung einzustellen.

Die Tweets und Facebook Ankündigungen hingegen mache ich alle selber. Und finde sie gut, wie sie sind. Ihr Einwand ist nicht von der Hand zu weisen und es kann gut sein, dass Sie da Recht haben. Nun, dann vielleicht bei diesen Thema das nächste Mal nicht so salopp.

Auf die Probleme mir Spontanvergärung und Bioweinbau (auch hier bin ich kein unbedingter Anhänger, mein Önologe in der Toskana schon) haben wir auch schon mehrmals hingewiesen.

Ich, als Weinmacher, nicht als Journalist, würde PVPP niemals in meinen Wein pulvern. Das tun Sie ja auch nicht..

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Kapitano *gähn*

Ach ja, selten so gelangweilt!!!

*gähn*

*müde werd*

*zwinker zwinker bussibissi*

*schlaf ein die letzten beiträge vom provo*

*lol*

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Christof Winkler-Hermaden

Ich möchte mich zu einigen Punkten ganz wertfrei zu Wort melden.

Im Gegensatz zu Gummi arabicum ist PVPP kein additives oenologisches Mittel. Das bedeutet, dass PVPP nicht permanent im Wein vorhanden bleibt. Das langkettige Molekül von PVPP reagiert vor allem mit Gerbstoffen, die dann gemeinsam große Moleküle bilden und dann das Löslichkeitsprodukt überschreiten und meist als weißer, flockiger Niederschlag auf den Grund des Tankes sinken.

Da Anthocyane (Farbstoffe) eine ähnliche Struktur haben wie Phenole kann man mit diesem Mittel natürlich auch eine gewisse Hochfärbigkeit, die durch Oxidation entstanden sein kann, entfernen.

Was PVPP nicht macht ist, dass es Polyphenole anreichert. Wie zuvor erläutert reagieren die langekettigen Moleküle mit den Phenolen und fallen dann als grobflockiger, weißer Niederschlag aus. Was jedoch schon sein kann, ist das manche Aromastoffe, die eine Bindung mit Phenolen eingehen können und dann geruchlich nicht wahrnehmbar sind, danach besser zum Vorschein kommen.

Jedoch ist es in den meisten Fällen so, dass man mit einer PVPP Behandlung dem Wein sehr viel weg nimmt. Und damit meine ich vor allem Körper und die Aromatik. Das ist der Hauptgrund wieso nicht jeder Weinbauer PVPP in den Wein gibt. Wenn man von Anfang an alles richtig macht und nicht um den Wein abzurunden PVPP hinzufügen muss, verliert man im Nachhinein nicht noch mehr.

Ein wichtiger Grund für PVPP in der Schaumweinindustrie ist zudem die Verhinderung der Maskenbildung. Bei Maskenbildung kommt es im Sekt zu einer Reaktion von Gerbstoff und Proteinen (vor allem aus Hefezellwänden) die dann an der Flaschenwand kleben bleiben und sich nur sehr schwer lösen. Das sieht nicht besonder gut aus und führt zu viel Erklärungsbedarf. Aber auch das lässt sich vermeiden, wenn man etwas auf den Wein achtet.

Das PVPP eine konservierende Eigenschaft hat, würde ich auch nicht so stehen lassen. Es hat weder einen antimikrobiologischen noch einen antioxidativen Effekt, jedoch kann es oxidierte phenolische Aromakomponenten entfernen, wobei es nicht nur oxidierte Phenole entfernt, sondern eben auch jene, die man unter Umständen haben will.
Nachdem einige Stoffe dann weg sind die oxidieren können, sind natürlich weniger da und die oxidieren, wenn der Sauerstoffgehalt und Schwefeldioxid gehalt genauso hoch wie zu vor sind logischerweiße schneller. Ich würde also eher sagen, PVPP reduziert den Oxidationslevel, aber erhöht die Fähigkeit zu Oxidation.

Das mit der grünen Ernte und dem nachfolgenden Entfernen der Gerbstoffe ist prinzipiell möglich, jedoch nimmt man natürlich auch wieder einige Aromastoffe und einiges am Körper des Weines weg, so das der ohnehin schon etwas leere Wein noch etwas leerer wirkt.

Deklariert muss es im Prinzip nicht werden, da es wieder entfernt wird. Der Grenzwert von 80g/ 100L soll dazu dienen nicht mehr PVPP dem Wein zuzusetzen, als er Gerbstoffe hätte die mit ihm reagieren können. So sollte jegliches PVPP mit den vorhandenen Gerbstoffen reagieren und alles davon ausfallen.

Es erweckt vielleicht schon manche Wein zum Leben, aber wie im Falle von Frankenstein, wird es nicht zwangsläufig ein schönes Leben.

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Martin Diwald

PVPP ist und bleibt halt noch immer einer der Keulen, wenns einer verbockt hat.
Ein bisschen PVPP, Gummi arabicum und wenns hilft noch ein wenig Sensovin, wie das ganze Zeugs dann auch immer heißt, wird´s schon richten. Hinten nach noch von großartigem Terroir sprechen und dann sind wir ja auch schon dort wo wir hin wollen.
Kopf oder Chemie, eines von beiden muss der Winzer einsetzen. Wobei es jedem frei steht wie er sich entscheidet. Er sollte dann nur auch dazu stehen...

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Gast ...gelangweilt

mallys provokation ist so billig...und fachlich falsch!

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Der Captain

1.) ist es keine Provokation, wenn Sie sich provoziert fühlen, dann möchte ich die Gründe wissen..

2.) Bitte um eine Aufzählung der fachlichen Fehler..

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Gast ...nachdenklich u. verunsichert

Vielleicht liegt der Kern des Problems auch beim Verbraucher. Heute erwartet ja jeder ein perfektes Produkt. Wie im Supermarkt. Alles normiert, geschmacklich immer gleich. Warum sollte der Verbraucher beim Wein anders reagieren. Somit bekommt er ein Produkt das er verdient. Das mit einem solch zurechtgemachten Produkt natürlich auch die Höhen u. Tiefen verschwinden liegt auf der Hand. Beim Brot u. Käse ist es ebenso.

Da beim Wein u. anderen Produkten die Zusatzstoffe nicht komplett angegeben werden müssen, bekommt der Verbraucher auch nicht mehr mit, wie sich seine Geschmacksmuster verändern. Ein schleichender Prozess und somit eine perfide Angelegenheit der Hersteller.

Somit reicht die Diskussion hier auch wesentlich über das Thema Wein hinaus. Es ist gut, dass man über diese Dinge spricht. Es trägt zu mehr Bewußtheit über das Thema Lebensmittel bei. Es ist doch heute kaum noch jemanden bekannt wie unsere Produkte hergestellt werden. Das ist zum großen Teil nur noch den jeweiligen Spezialisten vorbehalten.
Für den Verbraucher reichen dann niedliche Bilder von schönen Weinbergen u. Landschaften oder anderem Zeugs.

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Gast

'Mit PVPP kann der Winzer machen was er will'.

Und mit dem eingebildeten Halbwissen der 'Journalist' ebenso. Polemisieren bringt aber leider Öffentlichkeit. Volldampf Richtung Bild Zeitungs Niveau.

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