Eine schöne schwarze Kiste. In ihr drei kleine Flaschen, Fassproben mit Schraubverschluss. Alle aus dem Barrique. Ein Zweigelt. Ein Blaufränkisch. Ein Merlot. Jahrgang 2009. Dazu ein langer Messbecher, vier stiellose Riedel-Rotweingläser (die Serie O) und eine Schürze. Perfekt.
Dieses Set, das es bislang nur für Vielflieger der österreichisch-deutschen Fluggesellschaft AUA gab, ist nun auch im Handel erhältlich. Und es macht Spaß, sich als Weinmacher auszuprobieren. Des Captains persönliche Cuvée: 60% Merlot, 30% Blaufränkisch, 10% Zweigelt. Er bittet, diese Cuvée sofort umzusetzen und auf den Markt zu werfen. Das Geld soll auf sein Lichtensteiner Konto überwiesen werden, das auf den Namen "Robert Parker" lautet.
Spaß nicht beiseite: Diese großartige Idee von Esterházy schlägt mehrere Fliegen mit einer Klappe. Und trägt zudem eine Art Demokratisierung in den Weinbau, die keiner zuvor verlangt hat. Mach Dir Deine eigene Cuvée, das bietet viele Möglichkeiten.
Denn selbstredend ist es möglich, sich aus dafür zur Seite gelegten Fässern eine eigene Cuvée füllen zu lassen, eine eigene Kreation, die man höchstwahrscheinlich auch mit anderen teilt, denn die Anzahl der Verschnittmöglichkeiten ist begrenzt. Der Captain glaubt, dass Esterházy gar nicht ahnt, welche Tür das Weingut da aufgemacht hat. Denn es heißt schlicht, die Verantwortung der Cuvéetierung vom Weinmacher zum Konsumenten zu delegieren. Und der Captain findet das nicht schlecht.
Wer bastelt mit?
Ob die Konsumenten mitmachen, ist eine andere Frage. Ohnehin ist das Angebot nur an Weinenthusiasten gerichtet, die das auch spaßig finden. Aber man stelle sich vor, man könne mit dem Kauf dieses Sets auch das Recht erwerben, 24-120 Flaschen einer eigenen Cuvée füllen zu lassen. Für die man dann extra bezahlt. Der Captain denkt, das würde viele seiner Matrosen interessieren. Und seine Matrosen würden nicht nur mit Grundweinen von Esterházy experimentieren wollen. Nein, ganz sicher nicht.
Doch der Captain ist sicher, dass dieses Spiel nicht viele Winzer mitmachen. Zu kompliziert, auch wenn es monetär mehr bringen kann. Und zudem ein Ansehensverlust, eine Konkurrenz zur eigenen Entscheidung. Man stelle sich vor, ein stinknormaler Kunde mischt die bessere Cuvée, als der mehrfach ausgezeichnete Winzer. Total inakzeptabel, die Reputation wäre im Keller.
Doch da gibt es noch einen anderen Aspekt, den der Captain gerne servieren würde. Als Hauptgang. Was, wenn man mit diesem Set beginnt, mehrere andere Cuvées zu mischen? Etwa einen fetten Merlot mit einem säurebetonten Blaufränkischen? Womöglich aus verschiedenen Jahren. Und aus verschiedenen europäischen Anbaugebieten. Damit das auch gleich klar ist: Auch solche Weine darf man in Europa auf den Markt bringen. Wenn die Weine einwandfrei und geprüft sind, warum nicht?
Happy Misch-Masch
Ha, da fällt dem Captain noch viel ein. Einen überholzten spanischen Chardonnay mit einem Weißburgunder aus Württemberg. Einen sauren Pinot aus Slowenien mit einem warmen Nero di Avola aus Kalabrien (na ja). Einen deutschen Riesling mit einem österreichischen Riesling. Ist das dann Inzest?
Welch tolle Welt sich da auftut, dank Esterházy. Gerade ist der Erste Offizier an Bord gekommen und hat ein paar Flaschen raufgeholt, an welchen sich der Captain nun ausprobieren kann. Genial.
Und weil das alleine keinen Spaß macht, wird der Captain die Journalistin einer Qualitätszeitung anrufen. Und mit ihr - wenn sie mitmacht - gemeinsam zum Pantschen aufrufen. Und dann will der Captain die Proben der Matrosen kosten. Und den besten gepantschten Wein wählen. Deutschland (ja, Österreich auch) sucht den Pantscherstar. Mehr demnächst. Beim Captain.
- Das Esterházy-Set gibt es für 69,00 Euro direkt ab Weingut
Hier noch ein Link zu einem ähnlichen Experiment
Noch mehr Weine aus Österreich gibt es hier.







Dieser Franzose macht sich einen lecker Rosé. So weit wollen wir hier nicht gehen (Foto: AFP) 





Nein, ich weil keine Cuvee selber machen. Ich will auch keine Autos oder Waschmaschinen selber bauen. Oder bei Subway Sandwichbastelkasten spielen.
Es ist Aufgabe des Winzers einen tollen Wein zu kreieren. Und nicht mir vermeintliche Freiheit und Flexibilität teuer zu verkaufen.