Jetzt geht das schon seit Tagen so. Ein österreichischer Bio-Winzer mittlerer Bekanntheit beschallt seinen Wein mit Musik von Mozart. Das verdankt er der Erfindung eines Wiener Wirtes, der einen Hornisten gebeten hatte, den Weinen einen zu blasen.
Auf jeden Fall zeigte das Geblase ordentlich Wirkung. In der Presse. Fast jeden Tag greift ein neues Medium die skurrile Meldung auf. So können Wirt, Winzer und Hornist auf eine ordentlich dicke Pressemappe verschiedener Veröffentlichungen zurückgreifen. Es hat sich also gelohnt, etwas zu behaupten, das keiner nachprüfen kann. Und irgendwie klingt es ja logisch. So wie es logisch klingt, die alte Amphore voll Wein in der Erde einzugraben.
Die Beschallung mit Mozart, inzwischen patentiert (was man alles patentieren kann?), erfolgt vom Tankboden aus. So sollen - so der Patentinhaber - die Schallwellen als sanfter Mixer fungieren. Die Hefe bekommt fremde Energie zugeführt und bildet dadurch keine Methylalkohole, sondern Glyzerine aus, die für den Geschmack des edlen Tropfens entscheidend sind. Arghh.
Auf diesem Ohr ist der Captain esoterisch
Esoterik? Mitnichten, sagt der Patentträger. Aber nahe dran auf jeden Fall, sagt der Captain. Die Musik, so der Patentträger, soll gutes Futter für die Hefe sein, die sich rhythmisch animiert dazu entschließt, weniger Zucker, mehr Geschmack und eine bessere Bekömmlichkeit auszubilden. Also alles, was Captains Hassmaat Mally in jedem seiner Artikel von den Winzern verlangt. Will man Maat Mally gefallen, dann heißt es nun, die alte Stereoanlage in den Keller zu tragen. Oder dem Wein selber einen zu blasen.
Denn ohne Schall, so der Bläser, Winzer und Wirt, würde der Wein Hefedepots bilden. Doch mit Mozart verteilt sich die Hefe im Tank. Oder im Fass. Und dann herrscht seltene Harmonie in der Dunkelheit. Selbst längst abgefüllte Weine können mit Hilfe der Musik zu einer zweiten Gärung bewegt werden. Und das nicht nur mit Hefe aus Salzburg, Wien, oder Prag.
Was ist mit Phil Collins? Oder Sepultura?
Noch gibt es keine Erfahrung, wie sich andere Komponisten auf den Wein des burgenländischen Biowinzers auswirken. Und auch Phil Collins durfte nicht antreten: der Wein kam bislang nicht in den Genuss der größten Hits der Siebziger-, Achtziger-, und Neunziger Jahre.
Der Captain empfiehlt Sepultura aufzulegen. Oder eine andere Death Metal-Gruppe. Wenn nichts anderes zur Hand ist, reicht auch Marilyn Manson. Oder ein alter Led Zeppelin Song. Aber mit sechsunddreißigminütigem Gitarrensolo.
Aber der Önologe?
Halt, sagt des Captains Önologe, der gerade aus Italien zu Besuch ist, das kann durchaus stimmen. Auch er habe schon bemerkt, dass sich die Hefe zu Antonello Venditi bewegt. Und zwar unter die Kuscheldecke. Um sich dort die Ohren zuzuhalten.
Und dann trägt Captains Önologe sein eigentliches Begehren vor. Er will, dass der Captain den Traktor vom gemeinsamen Weingut verbannt. Und stattdessen ein Pferd kauft. Und weil ein Pferd ja einsam ist, soll bitte auch ein zweites Pferd angeschafft werden, eine Familie Pferd.
Und dann sagt der Önologe noch, dass er auch zwei Ziegen angeschafft hat. Und fünf Hühner inklusive Hahn. Die laufen jetzt zwischen den Reben rum. Der Captain rät, den Streichelzoo mit zwei Pudeln zu beglücken, ein Zelt aufzustellen und Eintritt zu verlangen.
Alles Eso - oder was?
Ungerührt berichtet der Önologe von seinen Anstrengungen, bei der bevorstehenden Neuauspflanzung jeden Trieb freistehend zu pflanzen. Und dann rückt er noch mit der Amphore raus, die er sich mit seinem eigenen Geld gekauft hat, um darin Wein auszubauen, der in die 2010er Cuvée kommt. Und dieser Wein entwickle sich F.A.N.T.A.S.T.I.S.C.H.!
Resigniert blickt der Captain zur Seite. Das muss ein Virus sein. Wein hat eben nichts mit Vernunft zu tun. Scheint so. Von mir aus: Dann gießt das Zeug aus der Amphore in die Cuvée. Hauptsache sie schmeckt. Und wenn er das nächste mal nach Bolgheri fährt, würde es den Captain nicht wundern, wenn sein Önologe Lautsprecher an die Fässer gebunden hat. Und die Hefen tanzen.
Der Captain empfiehlt Teeniepop von Mia: Tanz der Moleküle







Das ist Captains Önologe. Er hat jetzt eine Amphore, zwei Ziegen, Hühner und die Familie Pferd... 





...die gleiche idee hatte ich auch schon, mein ansatz war aber ein anderer und die technische umsetzung stell ich mir auch anders vor. für mich war das eine idee etwas zu experimentieren, leider scheiterte es an der technischen umsetzung, und da der oesterreicher sich das hat patentieren lassen ist es eh rum. schade. es gibt angeblich bereits französosche stundien, die angeblich eine höhere vitalität der hefen bestätigen, und genau da liegt für mich der ansatz, eine stabile spontane kaltgärung ohne "Hefenährstoffe" wie dap oder son dreck zu forcieren.