17.07.10 WEINWISSEN 17 Einem Freund senden

Vergäre ganze Beere: Spontiprojekt "IZ"

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Selten hat ein Thema so aufgeregt, wie jene Diskussion über die Spontanvergärung, die beim Captain vor einer Woche begann, als er eine Untersuchung veröffentlichte, die der Spontanvergärung ein schlechtes Zeugnis ausstellte. Ein Kommentar des Winzers Bernhard Fiedler ergänzte den Artikel. Als Folge kam es zu einer teils erbitterten Diskussion im Kommentar-Bereich unter den Artikeln. Die Reaktionen prominenter spontan vergärender Winzer, wie etwa Roman Niewodniczanski vom berühmten Saar-Weingut Van Volxem oder von Franz Weninger aus dem österreichischen Burgenland ließ nicht lange auf sich warten. Vor allem Niewodniczanski glänzt in zwei Leserbriefen (in beiden Foren nachzulesen) mit unverhohlener Emotion.

Der Captain will hier noch einmal seinen Standpunkt festmachen und betonen, dass er sicher ist, dass spontan vergorene Weine oft die vielfältigeren und interessanteren Weine sind. Er glaubt aber auch, dass sowohl Spontanvergärung, wie auch biodynamischer Weinbau, vom Winzer exzellente Kenntnisse und Instinkt verlangen. Und der Captain meint, dass Winzer, die beides nicht besitzen, lieber bei den herkömmlichen und gut erprobten Techniken bleiben, und in diesem Verfahren Reinzuchthefen und Chemie nur in notwendigen Maßen anwenden sollten.

In der dritten Runde dieser Diskussion will der Captain ein Projekt vorstellen, dass ihm Maat Gerhard Retter gestern Abend in Lütjensee vorgestellt hat, ein hochinteressantes Gärverfahren, das fast zur Gänze auf Weinbergshefen setzt und die Aromen im Wein mehren soll. Dieses bislang noch kaum bekannte Projekt des steirischen Starwinzers Tement heißt "IZ" (steht für den Begriff "interzellular") und scheint ein neuer Hype im Weinbau zu werden. Der Captain wird beobachten und berichten.



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Kommentare 17

Kommentare

Juppi durstig

intrazelluläre gärung findet schon immer beim primeur statt. ob man die nun wie im falle tement ( auch gross macht das meines wissens) entrappt oder wie bei roten sorten teilweise als ganze trauben belässt ist dann der einzige unterschied.
beim weißwein macht das entrappen natürlich sinn, um unerwünschte phenole nicht in den wein zu bekommen.
ergebnis ist bei den beerenvergorenen weißen die ich bis jetzt probiert habe ein intensiverer dichterer geschmack, der natürlich auch auf den höheren phenolgehalt zurückgeht. mehr frucht und mehr körper durch die auslaugung der wichtigsten inhaltsstoffe aus der beerenhaut gehen ebenso mit einher. nichts destotrotz sehr interessant und ein weg um einen tiefgründigeren wein zu erzeugen. ich werde diesen harbst selbst einen versuch mit weißburgunder unternehmen.

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mendez

Beim Primeur aber mit Druck oder? Bei Tement offenbar ohne.

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höllenreiter immer noch krank

mich würde mal interessieren ob das mit dem entrappen geklappt hat und mit welchem model entrappt worde?

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Oscar Szemes nice

Ich hab den Wein schon probieren dürfen! Der erste der jetzt "verkauft" wurde war glaub ich Jahrgang 2006. Keine ahnung wie sich sowas in der Flasche entwickeln wird. Unglaublich Wein und eine echte Aromenexplosion im Mund.

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Reblaus Nord

Stimmt ohne Druck, das ist der Unterschied zur klassischen maceration carbonic!

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Florian Holzer (via facebook)

was ist da geheim dran?

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Peter Moser (via facebook)

nix geheim.

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armin tement

>>iz zieregg<<.

die idee entstand im herbst 2005.(erster iz zieregg 2005, dieser wein liegt in unserer vinothek).
wir entrappen die trauben händisch im weingarten. nach der entrappung kommen die ganzen beeren in 200-500lt tanks und werden für die ersten tage bis die gärung von selbst beginnt mit co2 überlagert dadurch kommt kein sauerstoff in die hohlräumen.
die vergärung in der beere ist eine enzymatische. da die hefe es nicht schafft den zucker aus der schale zu lösen werden nur 7-9 vol% alk erreicht. nach 30-60 tagen öffnen wir die behälter( die beeren schauen total frisch aus und der geschmackt zeigt ein leicht prickelndes, süßes als auch herbes kosterlebnis) und pressen ab. der leicht gärende wein kommt dann direkt ins fass und bleibt 14-16 monate ohne abzug und so2 auf der vollhefe.

die art "iz" ist für uns ein botschafter in allen extremen der aromen im wein für boden, klima und sorte.

eines darf man trotzdem nicht vergessen... ob spontan vergoren oder mit reinzuchthefen, maischestandzeit oder nicht, iz-vergärung oder normal das wichtigste ist eine vollreife und gesunde TRAUBE!!

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el hottino ...ärgerlich...

klingt hervorragend! leider, leider nirgends zum kaufen oder gar zum trinken...

als anwalt fällt mir doch da glatt das wort "Lockvogelangebot" ein... hmmm warum wohl...

bei näherem nachdenken drängt sich mir doch glatt der verdacht des marketinggags auf...

nö, is sicher unsinn.

lg

el hottino

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winery Ernst zufrieden

holy berries

Nichts Neues!? Habe ähnliche Verfahren bei La Mondotte, Chateau Canon La Gaffeliere und Chateau Valandraud miterlebt.
Am Weingut Ernst wird ein ähnlicher Ausbau (Vergärung der Beeren) betrieben. Wenn auch nicht so aufwendig und risikoreich wie es Armin hier beschreibt.
Kurz erklärt beim Blaufränkisch Hochberg (der Captain hats gesehen)
Die Trauben werden in Kleinkisten zu 10kg gelesen. Das gesamte Risikomaterial (unreife, faule Beeren usw.) bleibt im Weingarten. Gerebelt wird mit einer Armbruster Prezisionsmaschine. Dann kommt das Ganze (beeren + ca. 10%Saft) in kleine Edelstahltanks und Holzbottichen- Gärständern. Die Trauben kommen mit ca 20 °C (je nach Jahrgang – so hätten wir es gerne) aufs Weingut und beginnen im Normalfall in 1-2 Tagen spontan zu gären. Die Gärdauer beträgt ca 3-4 Wochen (je nach Jahrgang). In der 3. und 4. Woche werden die Beeren 2 – 3-mal täglich durchgerührt. In den ersten 4-5 Tagen arbeiten wir auch mit Co2 Überlagerung und etwas Schwefel. Nach dem Abpressen bleibt der Wein im ersten Jahr auf der Feinhefe (der grobe Dreck kommt weg) im 500 l Fass. Das wichtigste ist (wie Armin schon sagte) sauberstes Lesegut und sauberste Kellerarbeit.
Diese Art von Vergärung ist extrem Risikoreich aber dafür ist das Ergebnis viel spannender in Bezug auf das „Terroir“. Also dann….

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Reblaus Nord

Möglicherweise nicht geheim aber offiziell zu kaufen hab ich das noch nirgendwo gesehen oder?
Wen doch bitte kommunizieren!
Danke

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Gast

Bei www.weinshop24.at hab ich ihn schon gesehen (EUR 95,00)

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el hottino ...mömpfelig...

weinshop24.de ist offline.

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Gast

AT nicht DE!!!

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el hottino

...nehme alles zurück, entschuldige mich, biete einen vollständigen widerruf an und behaupte das Gegenteil!!!!

lg

wh

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el hottino ...ahaig...

maW: der winzer erspart sich schlicht und ergreifend das pressen (kettenpress oder was auch immer) und wirft einfach das ganze lesegut in den gärbehälter.

interessant.

back to the roots sozusagen.

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Rudi

Das Thema: Maceration Carbonique (oder hier intrazellulare Beerengärung) ist hoch interessant aber leider keine Weltneuheut, wie Juppi bereits im ersten Beitrag richtig feststellt. Noch korrekter handelt es sich primär nicht mal um eine Gärung.
Ein richtiger interzellurarer, enymatischer Umbau von Zucker in alkohol und andere Nebenprodukte, kann nur in intakten unverletzten (d.h. ungerebelten) Beeren erfolgen. Wie Armin richtig erwähnt liegt die möglich Alkoholausbeute dabei bei ca. 5% Vol. - anschließend folgt die alkoholische Gärung.
Alle anderen Abwandlungen (wie z.B. von winery Ernst beschrieben) sind bestenfalls als teilweise interzellurare Beerengärung, sicherlich aber als eine rechtaufwendig und risikoreiche Pre-Maceration (ob kalt oder nicht sei dahingestellt) zu bezeichnen. Und diese Formen werden weltweit (zum Teil sogar im großen Stil) abgewendet. Der Erfolg oder der Mehrgewinn ist richtiger Weise vom Traubenmaterial abhängig.

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