Verzweifelt schweifen die Augen der Frau über das Etikett der Weinflasche. Sie suchen und suchen. Und finden nichts. Wir befinden uns in einem Supermarkt am Prenzlauer Berg in Berlin. Hier lebt die neue sensible Elite Deutschlands. Manche sagen: Hier leben die neuen Spießer. Ich weiß, dass ich hier lebe.
Die Frau sucht einen Hinweis. Einen Hinweis, ob dieser Wein biodynamisch hergestellt wurde. "Organic", wie es auf den meisten internationalen Etiketten heißt.
Bodynamischer Wein ist der neue Hit, mit den Nachfragen nach biologisch zertifiziertem Wein kann jeder Weinhändler sein Lager tapezieren. Biologisch, biologisch-organisch, biodynamisch: Das ist der eine Schuh. Autochthon, also lokal verankert und quasi eingeboren, spontanvergoren, in der Amphore gereift: Das ist der andere Schuh. Ein populäres Paar, das nicht zwingend passen muss.
Biodynamischer Anbau heißt nicht mehr gegen die Natur zu arbeiten
Ich begrüße jeden Winzer, der sich für biologisch-dynamischen Weinbau entscheidet. Das hat unbestreitbare Vorteile. Es ist gut für Boden, Traube und Mensch. Sowohl für den arbeitenden als auch für den konsumierenden Mensch. Ich habe enormen Respekt vor jenen Weinbauern, die sich die Umstellungsphase von normalem Weinbau auf biodynamischen Weinbau antun. Man kann wirklich von "antun" sprechen, denn in den ersten Jahren kommt es häufig zu Ernteeinbrüchen, Fehlentwicklungen und Krankheiten. Ein bestens bewährtes und den Pflanzen vertrautes System wird aufgegeben und durch ein naturnahes System ersetzt. Das birgt Risiken. Jede Menge Risiken.
Doch am Ende steht ein Wein, der sich praktisch selbst und ohne Zusatz von Zuchthefen zum Gärung führt; ein Wein, der auf einem gesunden Boden gewachsen ist und folglich kaum chemische Wirkstoffe transportiert. Ein Wein, der aus Trauben gepresst wurde, die nie einen Tropfen chemisch-industrieller Herbizide, Funghizide und Pestizide abbekommen haben.
So ein biologisch hergestellter Wein schmeckt automatisch besser.
Eben nicht. Bei vielen Blindverkostungen großer Händler schneiden biodynamische Weine oft schlechter ab als solche, die aus herkömmlichen Weinbau stammen. Sie haben öfters Fehltöne und wirken instabil. Dieser Generalisierung muss man gleich entgegensetzen, dass es eine Menge Biowinzer gibt, die extrem gut arbeiten und fantastische Weine keltern. Aber es sind noch zu wenige, um der Bewegung jenen Rückhalt zu geben, den sie benötigt.
Braucht man Vollmond und Amphore?
Biodynamischer Wein könnte besser schmecken, wenn sich Teile der Bewegung von den Gurus lossagen würde, von jenen Einsagern, die etwa zur Verwendung archaischer Amphoren statt Fässer raten; von jenen, die dem Winzer erklären, der Weg zur gesunden Traube führe über die abgewehrte Erkrankung; von jenen, die in der Natur eine zwingend Verbündete der Rebe sehen (was sie gewiss nicht ist). Und die brutale Fehltöne als Zeichen der Lebendigkeit und Diversifikation verklären. Aber jede Mode braucht offenbar Theater als Legitimation.
Das soll nicht heißen, dass alle Weine weiterhin nach dem gleichen Schema hergestellt werden, nur weil es ein paar Weinpäpste den Konsumenten vor Jahren so eingeredet haben. Dem allgemeinen Trend zu Fruchtkonfitüre und Alkohol wird ohnehin schon Einhalt geboten, regionale Rebsorten feiern ihre Wiederauferstehung, das Terroir wird zum Unterscheidungsmerkmal und nicht mehr weggebügelt. Eigentlich geht alles einen guten Weg.
Weg mit dem esoterischen Unsinn
Und trotzdem: Biodynamischer Wein hat, gesamt betrachtet, mehr Fehler, als herkömmlicher Wein, der von einem verantwortungsbewussten Winzer hergestellt wurde (wir reden nicht über industrielle Massenproduktion, die sich als "Chateau" verkauft). Und ja: Biodynamischer Wein könnte besser schmecken, wenn sich manche Winzer nicht esoterischem Unsinn ergeben wollten.
Die Wahrheit liegt in der Mitte. Das ist beim Weinbau eher selten. Biodynamischer Wein schmeckt, wenn die Pflanze die Krankheiten im Griff hat, der Winzer auf alles religiös Anmutende verzichtet und rational bleibt ohne seine Begeisterung zu verlieren. Ganz schön viele biodynamische Winzer können das schon. Doch die Mehrheit hat noch zu lernen.
Dieser Beitrag erscheint auch auf ZEIT-Online







Das hier hat noch lange nichts mit Esoterik zu tun... 





das es so manche eso-gurus gibt ist nicht von der hand zu weisen. das die überzüchtung der spezies "prenzlauer berg" bevor steht ist fakt.
fakt ist aber auch den rebschnitt nach mondphasen zu richten, und zwar dann wenn das "blut" im boden und nicht im grün (anteilig) ist, so wird die rebe nicht so gestresst.
wenn es uns schlecht geht trinken wir kamillenaufgussgetränke - geht es den reben schlecht reagieren sie ebenfalls positiv darauf.
ich möchte jetzt nicht von dem menschen in der rebe sprechen aber eine harmonie ist schon wichtig. und das mit dem mond ist ja schließlich auf physikalischen mist gewachsen.
JA, es gibt noch viele probleme in jenem bereich aber es wird besser und ich freu mich drauf.
und sch**ß auf das verquere "om mani padme hum - folk" am pb
Danke Captain