19.11.11 WEINE 4 Einem Freund senden

Elite: Riesling unterm Hammer

Drei, Zwo, Eins. Und weg! (Foto:VDP)Drei, Zwo, Eins. Und weg! (Foto:VDP)

Es gibt es wohl kaum eine bessere Gelegenheit, die Welt des deutschen Rieslings von ihrem Gipfel aus zu betrachten, als bei den traditionellen Weinversteigerungen im Herbst eines jeden Jahres. Immer um das dritte Wochenende im September werden an der Mosel, dem Rhein und an der Nahe Weine unter den Hammer gebracht, die zur Spitze dieser Gebiete gehören. Jede der insgesamt vier stattfindenden Auktionen hat ihren eigenen Charakter. Gemeinsam ist dagegen an allen Tagen, dass "nass", also mit Probiermöglichkeit, versteigert wird, wobei die Weine sowohl bei der vormittäglichen Vorprobe beurteilt, als auch bei der Versteigerung ausgeschenkt werden. Versteigert wird außerdem nicht direkt durch die Interessenten, sondern durch mehrere Kommissionäre, die Gebote für die Weine annehmen, bündeln, und dann versuchen den Zuschlag des Auktionators zu bekommen.

Uff! Eine Trockenbeerenausleese für 2.500 €

Traditionell beginnt die Reihe der Auktionen mit dem "Bernkasteler Ring". Trafen sich die Winzer mit den Kommissionären und Kunden bislang im Kloster Machern, in Sichtweite berühmter Weinberge wie der Zeltinger Sonnenuhr, zog man dieses Jahr nach Trier in "Nells Park Hotel". Von allen vier Versteigerungen können hier die günstigsten Rieslinge erbeutet werden, denn es stellen auch international wenig bekannte Güter ihre kostbarsten Rieslinge an. Die opulenten und dennoch finessenreichen Eisweine von Markus Molitor wechseln dagegen häufig für mehrere hundert Euro pro Flasche den Besitzer. Höhepunkt war dieses Jahr eine 2007er Trockenbeerenauslese für 2.500 €.

Nach dem "Bernkasteler Ring" folgt freitags der "Grosse Ring", die traditionsreichste und international bedeutendste der Auktionen. Schon morgens um 9 stehen die ersten Neugierigen vor der Glastür der schmucklosen Trierer Europahalle. Einmal eingetreten, zeigt sich ein irritierender Kontrast zwischen dem Renommee der Veranstaltung und der etwas in die Jahre gekommenen Einrichtung. Ein niedriges holzvertäfeltes Foyer dient hier als Kulisse für die Vorstellung der 2010er Jahrgangsspitze der VDP-Güter von Mosel, Saar und Ruwer.

Der Jahrgang 90 scheint ähnlich zum 2010er

Ein Jahr, das durch seinen ungewöhnlichen Verlauf Rieslinge mit hohen Säurewerten und viel Süße ermöglichte. Einige der gezeigten edelsüßen Rieslinge besaßen dadurch eine Lebendigkeit und Komplexität, wie es sie in den letzten Jahren nicht gab. Lediglich der 1990er Jahrgang weise eine gewisse Ähnlichkeit mit dem 2010er auf, meinte Dr. Manfred Prüm vom Weingut J.J. Prüm, nach längerem Abwägen.

Geschäftig und konzentriert zeigen sich die Rieslingliebhaber bei der Vorprobe, um nur keinen Wein auszulassen und dann ihre Gebote bei den Kommissionäre abzugeben. Die Winzer standen hingegen meist entspannt hinter ihren Probeflaschen, der Wein war nun gefüllt, die Arbeit vorerst getan. Man gestattete sich allenfalls ein dezentes Taxieren der Konkurrenz. Solange etwas weniger Andrang herrschte, konnte aber auch der Eindruck eines legeren Klassentreffens entstehen, denn nicht nur die Winzer kennen sich untereinander gut, viele langjährige Kunden nutzen die Gelegenheit um Plausch mit "Ihrem" Winzer.

Versteigerungen bleiben oft stecken

Bei der Mittags beginnenden Versteigerung saß der Tross der Bieter an den langen Tischreihen während der Auktionator Leo Gros mit Egon Müller, dem Vorsitzenden des "Grossen Rings" auf der Bühne der Europahalle Platz nahm. Unmittelbar vor der Bühne hielten die Kommissionäre Blickkontakt mit Professor Gros. Einmal in Gang gekommen, gab es bei der Versteigerung auch immer wieder Phasen, in denen Gebote scheinbar minutenlang bei einem Wert verharrten, die Kommissionäre rechneten und der Blick immer wieder durch den Raum zu den internationalen Bietern aus Norwegen, den USA und Italien schweift.

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Kommentare 4

Kommentare

Charlie

Kloster Eberbach vergessen oder nicht der Rede wert?

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Marc Herold

Hallo Charlie,
wurde nicht vergessen, die 2002er "Reserve" Abfüllung von Weil hätte mich interessiert. Nach Aussage von Albert de Jong, der im Kloster Eberbach war, zeigt der Wein eine gewisse Ähnlichkeit zu trimbachs "Frederic Emile". Ich habe eine Flasche ersteigert und werde das in den nächsten Jahre nachprüfen. Einige edelsüße Spitzen sind sicher auch gut und gebietstypisch. Schönborn (Lothar Franz Abfüllungen) und Ress bringen oft Weine, die schön altern und durchaus gut sind. Mir gefielen auch einzelne ältere Jahrgänge des Domdechant Werner'schen Weinguts (z.B. 1985er BA. 2007 versteigert)
Die Auswahl der Raritäten und gereiften Weine ist in der Breite dagegen nur schwer verständlich. Wie man z.B. 2011 ohne "Jubiläumsdruck" einen einfachen 1972er versteigern konnte bleibt mir ein Rätsel.
Der Ort der Versteigerung - das Kloster selber - ist dagegen ein Baudenkmal, dass selbst weite Umwege lohnt.

Ich für meinen Teil würde immer die Abfolge: Trier, Traben - Trarbach, Bad Kreuznach vorziehen.

Viele Gcüße

Marc

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charlie

Bin selbst fast jedes jahr bei der Vorprobe der Versteigerung - aber nicht er Versteigerung selbst - im Kloster Eberbach und verstehe deine Relativierung sehr gut. Hier steht peinliches neben okigem und hin und wieder großartigem. Zu den von dir genannten wäre noch Schloss Johannisberg hinzuzufügen.
Im Kloster Eberbach werden auch fränkische Weine von VDP-Gütern versteigert.
Leider fehlen aber die meisten der guten Rheingauer VDP-Weingüter.

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Marc Herold

Hallo Charlie,

sitmmt, "Schloss Johannisberg" hab ich glatt vergessen, dabei wandern die "ex bibliotheca subterranea" Abfüllungen oft in meinen Keller, solang sie nicht zu teuer werden.
Ich finde es schade, dass z.B. Künstler nichts mehr anstellt. Ich kenne von dort einige wirlich feine Versteigerungsweine aus den 90ern.
Vielleicht schreib ich mal was zur Frühjahrsversteigerung im Kloster. Die ist noch unbekannter als die Veranstaltung im Herbst.

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