Es gibt es wohl kaum eine bessere Gelegenheit, die Welt des deutschen Rieslings von ihrem Gipfel aus zu betrachten, als bei den traditionellen Weinversteigerungen im Herbst eines jeden Jahres. Immer um das dritte Wochenende im September werden an der Mosel, dem Rhein und an der Nahe Weine unter den Hammer gebracht, die zur Spitze dieser Gebiete gehören. Jede der insgesamt vier stattfindenden Auktionen hat ihren eigenen Charakter. Gemeinsam ist dagegen an allen Tagen, dass "nass", also mit Probiermöglichkeit, versteigert wird, wobei die Weine sowohl bei der vormittäglichen Vorprobe beurteilt, als auch bei der Versteigerung ausgeschenkt werden. Versteigert wird außerdem nicht direkt durch die Interessenten, sondern durch mehrere Kommissionäre, die Gebote für die Weine annehmen, bündeln, und dann versuchen den Zuschlag des Auktionators zu bekommen.
Uff! Eine Trockenbeerenausleese für 2.500 €
Traditionell beginnt die Reihe der Auktionen mit dem "Bernkasteler Ring". Trafen sich die Winzer mit den Kommissionären und Kunden bislang im Kloster Machern, in Sichtweite berühmter Weinberge wie der Zeltinger Sonnenuhr, zog man dieses Jahr nach Trier in "Nells Park Hotel". Von allen vier Versteigerungen können hier die günstigsten Rieslinge erbeutet werden, denn es stellen auch international wenig bekannte Güter ihre kostbarsten Rieslinge an. Die opulenten und dennoch finessenreichen Eisweine von Markus Molitor wechseln dagegen häufig für mehrere hundert Euro pro Flasche den Besitzer. Höhepunkt war dieses Jahr eine 2007er Trockenbeerenauslese für 2.500 €.
Nach dem "Bernkasteler Ring" folgt freitags der "Grosse Ring", die traditionsreichste und international bedeutendste der Auktionen. Schon morgens um 9 stehen die ersten Neugierigen vor der Glastür der schmucklosen Trierer Europahalle. Einmal eingetreten, zeigt sich ein irritierender Kontrast zwischen dem Renommee der Veranstaltung und der etwas in die Jahre gekommenen Einrichtung. Ein niedriges holzvertäfeltes Foyer dient hier als Kulisse für die Vorstellung der 2010er Jahrgangsspitze der VDP-Güter von Mosel, Saar und Ruwer.
Der Jahrgang 90 scheint ähnlich zum 2010er
Ein Jahr, das durch seinen ungewöhnlichen Verlauf Rieslinge mit hohen Säurewerten und viel Süße ermöglichte. Einige der gezeigten edelsüßen Rieslinge besaßen dadurch eine Lebendigkeit und Komplexität, wie es sie in den letzten Jahren nicht gab. Lediglich der 1990er Jahrgang weise eine gewisse Ähnlichkeit mit dem 2010er auf, meinte Dr. Manfred Prüm vom Weingut J.J. Prüm, nach längerem Abwägen.
Geschäftig und konzentriert zeigen sich die Rieslingliebhaber bei der Vorprobe, um nur keinen Wein auszulassen und dann ihre Gebote bei den Kommissionäre abzugeben. Die Winzer standen hingegen meist entspannt hinter ihren Probeflaschen, der Wein war nun gefüllt, die Arbeit vorerst getan. Man gestattete sich allenfalls ein dezentes Taxieren der Konkurrenz. Solange etwas weniger Andrang herrschte, konnte aber auch der Eindruck eines legeren Klassentreffens entstehen, denn nicht nur die Winzer kennen sich untereinander gut, viele langjährige Kunden nutzen die Gelegenheit um Plausch mit "Ihrem" Winzer.
Versteigerungen bleiben oft stecken
Bei der Mittags beginnenden Versteigerung saß der Tross der Bieter an den langen Tischreihen während der Auktionator Leo Gros mit Egon Müller, dem Vorsitzenden des "Grossen Rings" auf der Bühne der Europahalle Platz nahm. Unmittelbar vor der Bühne hielten die Kommissionäre Blickkontakt mit Professor Gros. Einmal in Gang gekommen, gab es bei der Versteigerung auch immer wieder Phasen, in denen Gebote scheinbar minutenlang bei einem Wert verharrten, die Kommissionäre rechneten und der Blick immer wieder durch den Raum zu den internationalen Bietern aus Norwegen, den USA und Italien schweift.
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Drei, Zwo, Eins. Und weg! (Foto:VDP) 





Kloster Eberbach vergessen oder nicht der Rede wert?