Natürlich glaubt es keiner. Doch spürt es jeder. Einige Eliten Europas haben den Euro bereits aufgegeben, vor allem in Deutschland wächst die Sehnsucht nach der starken Mark. Und in Österreich wächst die Sehnsucht nach einem an die starke Mark gebundenen Schilling. Was vor wenigen Tagen noch nicht vorstellbar war, ist heute durchaus Gedankenmodell.
Und es ist nicht etwa so, dass Griechenland aus der Euro-Zone ausscheiden wollte (die Schulden werden dadurch eher höher, als geringer). Nein, Deutschland könnte der ausstiegswilligste Kandidat werden. Denn die Deutschen sehen nicht ein, dass sie für die Schulden anderer Länder blechen müssen.
Nun will der Captain hier keinen Kurs in Geld- und Volkswirtschaft geben, dazu kennt er sich als Bassena-Ökonom (© Erster Offizier) auch gar nicht gut genug aus. Er erlaubt sich aber zu erwähnen, dass die Schulden der einen anderswo Guthaben der anderen sind. Deutschland und Österreich haben an der Verschuldung der aufstrebenden Länder gut verdient, die ganze obszöne Sattheit Wiens ist über Osteuropa erwirtschaftet. Es ist also bigott, jetzt wie ein Rohrspatz zu schimpfen.
Der Euro: Ein Auslaufmodell?
Heute sitzen die Staatschefs Europas den zweiten Tag zusammen und bemühen sich, das Friedensprojekt Europa ökonomisch zu stabilisieren. Doch morgen werden die Märkte mit einer weiteren Attacke auf den Euro und die schwachen Länder der Währungsunion reagieren. Schnell, viel zu schnell, geht es um alles.
Wir hingegen gehen unserem Tagwerk nach, als geschähe nichts. Und wäre nichts geschehen. Dennoch ändert sich die Welt gerade rigide. Und zwar mehr noch, als nach der Lehmann-Pleite.
Angenommen, der Euro geht flöten. Und die alten Währungen kommen zurück. Für manche Länder - trotz all der Umstellungskosten - eventuell ein Segen. Für Italien zum Beispiel. Für Deutschland und Österreich auf jeden Fall. Für die Niederlande sicher. Und für Frankreich und Belgien würde sich nicht viel ändern.
Angenommen (so sagt es auch ein dem Captain bekannter Ökonom, der bei Morgan-Stanley arbeitet), die produktionskräftigen Länder würden ihre Währungen aneinander binden (die Freihandelsräume der Union werden ja mit der Wiedereinführung der Landeswährung nicht aufgehoben). Das würde eine gewisse Stabilität der Starken bedeuten. Viele in der Europäischen Union sehen heute eine solche Lösung als möglich an. Also Mark, Gulden, Schilling, Belgischer Franc, Französischer Franc (nicht gerecht, aber unumgänglich), Dänische Krone unter einem Dach (gut möglich, dass dann auch die Schweden mitmachen). Als Einzelwährungen mit festen, kaum schwankenden Kursen. Oder ein neuer Elite-Euro.
Derartiges würde für den Weinbau und den Weinhandel ausser eines höheren bürokratischen Aufwand nicht viel bedeuten. Und dennoch: Alles würde sich ändern.
Italienkrise reloaded?
Der Captain erinnert an die kurze Italienkrise der Jahre 1995 bis 1997. Als die Lira 50 % ihres Werts verlor. Der Captain erinnert an die vielen Flaschen Sassicaia und Ornellaia, die dann vor Ort für unglaublich geringes Geld erstanden wurden. Tausende österreichische (und auch deutsche) Weinfreunde fuhren damals gen Süden und deckten sich mit toskanischen, piemontesischen und auch friulanischen Flaschen ein. Der Captain erinnert sich, dass der 93er Fontalloro umgerechnet 11 Euro (22 Mark) in der Vinothek in Siena gekostet hat (mit all den Aufschlägen und Inflationsraten käme man heute auf 18 Euro - auch noch ein Schnäppchen).
Mancher Weinhändler erinnert sich mit Gruseln an diese Jahre. Denn der zuvor teuer eingekaufte Wein war vor Ort plötzlich dramatisch billiger geworden. Also blieb nichts anderes über, als die Weine um gleiches Geld abzugeben. Mit Verlust. Was für ein Segen, dass Italien seine Finanzen mit der Abwertung der Lire in den Griff bekam. Der Export boomte, Devisen flossen in das Land, ein Aufschwung, der die Lira aufrecht stehend in den Euro führte.
Warum soll Italien das nun nicht noch einmal so machen? Und Spanien? Portugal? Griechenland?
Viele südeuropäische Wirtschaftstreibende, vor allem jene in der Landwirtschaft, begrüßen eine Abkehr vom Euro. Unter italienischen Winzern (der Captain hat so manches Gespräch belauscht) wird offen eine Rückkehr zur Lira begrüßt. Gerade die letzten Jahre der Lire sind den Italienern als gute Jahre in Erinnerung. Gleiches gilt für die Spanier und Portugiesen. All die Mühe der Umstellung, so denkt man, ist von höheren Exporterfolgen gekrönt. Diese Meinung teilt sogar der Aufsichtsrat von FIAT.
Goodbye Euro. Hello Escudo
Während heute in Brüssel noch von einem "Euro ohne Alternative" gesprochen wird, nimmt man in den südeuropäischen Ländern schon Anlauf, für nationale Währungen Stimmung zu machen. Und auch wenn diese nationalen Währungen sofort abwerten und derart die Euro-Schulden der südeuropäischen Länder vervielfachen würden, so denken viele Nationalökonomen (hier die Italiener erneut federführend), dass die nachfolgende wirtschaftliche Belebung genug Geld in die Kasse spülen würde. Die Währungen würden nach Defizitabbau wieder steigen. Ein Befreiungsschlag aus dem ungeliebten Korsett.
Was würde das für die österreichischen und deutschen Winzer bedeuten? 1995-97 waren vor allem nur die Händler betroffen. Und nicht die Winzer. Warum sollte es diesmal anders sein?
Ganz einfach. 1995 kostete eine einfache und schon damals gute Flasche Blaufränkisch (von einem angesehen Weinbauern freilich) zwischen 15 und 22 Schilling. Also 1,20 Euro bis 1,80 Euro. Heute beginnt der Verkauf bei fünf Euro, in der Vinothek dann zwischen 9 und 12 Euro. Mal ehrlich: Wer kauft, trotz allem Nationalstolz, noch eine Flasche burgenländischer Cuvée für 26 Euro, wenn er für das gleiche Geld einen toskanischen Spitzenwein kaufen kann? Oder einen Spanier, der noch billiger sein wird, wenn sie die Peseta wieder einführen. Der einst so teure Rioja mit 95 Parker Punkten um 20 Euro? Wer kauft dann noch einen "eleganten" Blaufränkischen, so gut, so autochthon er auch sein mag?
Der italienische, spanische, portugiesische und auch der griechische Weinbau würden von einem Ende des Euro und einer folglich logischen Abwertung der Nationalwährungen ungeheuer profitieren (vor allem in Amerika und Asien). Die deutschen und österreichischen Winzer (vor allem jene, die hauptsächlich Rotwein keltern) müssen dieses Szenario fürchten. Alles, was lange sicher schien wird nun instabil. Vor allem im Weinbau.
PS: Nach dem heutigen Stützungsprogramm ist das Hinscheiden der Gemeinschaftswährung wohl auf längere Zeit aufgeschoben, bzw. einstweilig verhindert. Jetzt ist alles eine Frage der Konjunktur.







Der volle südeuropäische Fasskeller. Eine natioale Währung macht ihn schnell leer 



...wir rechnen ja eh no in schilling.....