01.03.11 MEINUNG 18 Einem Freund senden

2010: "Arschjahr" reloaded

Der Captain will sicher nicht, dass die Winzer auf ihren Fässern sitzenbleibenDer Captain will sicher nicht, dass die Winzer auf ihren Fässern sitzenbleiben

2010 = Arschjahr. Selten hat der Captain so viele Ohrfeigen für einen Artikel bekommen. Selbst von der eigenen Mannschaft, die es gerne gesehen hätte, dass sich der Captain nicht so vorschnell äußert. "Was kann man jetzt schon wissen?", rief der Erste Offizier. Grün vor Wut. Nun, damals konnte man noch wenig wissen. Eigentlich nichts. Des Captains Urteil fußte bloß auf seinen Beobachtungen. 2010 war noch schlechter als 2008. Ein kaltes Frühjahr, ein regnerischer Herbst, Fäulnis und andere Krankheiten. Nur die letzten paar Tage Sonne im Oktober haben den meisten deutschen Winzern die Ernte gerettet. Die zudem sehr niedrig ausfiel. Das kann man schon ein "Arschjahr" nennen.

Jahr des Handwerks

2010, so meint der Captain, wird das Jahr des Handwerks. Und das Jahr der Kellertechnik. Da soll man sich nichts vormachen. Und 2010 wird, wie 2008, das Jahr der schnell zu trinkenden und einigermaßen vergnüglichen kleinen Weine. Und es wird ein paar sehr gute, nahezu brillante Spätlesen und Auslesen geben. Und auch ein paar Überraschungen, was die Rotweine betrifft. Die deutschen Rotweine wohlgemerkt.

Denn 2010 war nur in wenigen Weltweingegenden ein richtig gutes Jahr. Leider in keiner deutschen. Ganz sicher im Bordelais und in Südwestfrankreich. Auch an der Rhône und in Teilen der Burgund. Sonst sieht es düster aus.

2010 sollte deshalb meistens recht schnell geleert werden. So wie die einfachen Gutsrieslinge und Silvaner aus 2008, die der Captain jetzt aus dem Schiffsbauch holt und schnell wegtrinkt. Am Samstag beispielsweise einen Saarriesling von Van Volxem. Sehr fein. Aber eben schon am Punkt. Da kommt nicht mehr viel. Austrinken, fertig. Das gilt nicht für die Großen Gewächse aus 2008. Die haben noch ein paar Jahre Zeit. Aber auch nicht allzu lange.

Wut auf den Captain

Die Wut auf den Captain war groß. 2010 derart in den Keller zu schreiben, ist eigentlich ein Unding. Will der Captain den Winzern in den Rücken fallen? Warum macht er das, wo er sich doch sonst so oft nur positiv über die Leistungen deutscher Winzer äußert? So positiv, dass man ihn sogar einen Nationalisten heißt.

Nun, er tut das, weil er nicht nur der Captain der Winzer, sondern vor allem der Captain der Konsumenten ist. Ganz anders, als viele andere professionelle Weinblogger, die ihren Lebensunterhalt mit Verkostungen und den daraus resultierenden Verkostungsgeldern verdienen. Diese "Experten" müssen selbstredend befangen sein, sie sind ja von den Geldern der Winzer abhängig. Deswegen müssen sie vorbehaltslos über das "Arschjahr" 2010 jubeln, müssen von einen "dann doch noch fantastischen Jahrgang" sprechen, der 2010 sicher nicht war.

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Kommentare 18

Kommentare

charlie unaufgeklärt

"weil er unabhängig ist und sein Portal ausschließlich über Werbung finanziert"
Das wäre dann kein Widerspruch wenn es keine Weinwerbung wäre, oder?

Mein erster 2010er war übrigens untrinkbar. Säure von der bösen Sorte, wie Reflux. Da ich aber in dem Punkt abhängig bleiben will, sag ich nicht, wem seiner (der Wein).

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Der Captain

Wir nehmen keine Verkostungsgelder, das halte ich für wesentlich. Wer bei uns wirbt weiß, dass es sich hier um kein Propagandamedium handelt, sondern um eine vielgelesene, ja sogar meistgelesene Plattform mit eine großen Anzahl verschiedener Stimmen. Das ist meine Meinung zu 2010, andere haben eine andere Meinung. Wer das Jahr aber bejubelt, der lügt mit Vorsatz..

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Der Doc

Warum muss man diese Diskussion schon wieder herbeischreiben solang die 2010er noch nicht im Glas sind? Ich denke jeder hat seine Meinung lang und breit gesagt, und jeder hat seine Subjektivität. Und wenn man extra noch betonen muss, wie unabhängig man ist, macht das selten einen seriösen Eindruck...

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Der Captain

Ich habe - wie viele andere auch - inzwischen repräsentativ verkostet und weiß im Ungefähren, wie der Jahrgang ausfallen wird. Anfang März 2011 ist nicht Ende November 2010. Jetzt ist vieles schon klar vorhersehbar..

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Der Captain

Und zum unseriösen Eindruck: Unseriös ist es, wenn man die Bedingungen des Jahres 2011 als geringfügig ärgerlich abtut, wie einige mehr oder minder bekannte Weinblogger das tun. Und ich weise lediglich darauf hin, dass man niemandem glauben sollte, der auf die Groschenbeträge von Verkostungsgeldern angewiesen ist..

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Der Doc

Ich weiss nicht wer Geld von wem bekommt. Ich weiss nur, dass hier jemand (mal wieder) einen Zeigefinger erhebt. Und das mag ich nicht, wenn ich es nicht nachvollziehen kann. Das wäre andersrum genauso. Wenn jemand sagen würde "2010 ist super, und überhaupt, glaubt dem Captain nix, der will nur Krawall und Klicks", dann fänd ich das genauso unseriös. Ich habe 2010 nicht im Glas, ich kann es (noch) nicht nachprüfen. Eine erneute Diskussion wäre sinnvoll gewesen, wenn ein derartiges Urteil für den normalen Haushaltstrinker nachvollziehbar gewesen wäre. So - nicht.

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Der Captain

Dann anders: Der Konsument hört über 2010 derart viel unterschiedliche Dinge, dass eine weitere Klarstellung meiner Seite notwendig erschien, wiewohl ich ja immer noch in diversen Foren als böser Bube gelte, der die schöne Weinparty kaputtmacht. Ich sage klar: 2010 werden viele einfache Weine entweder sauer oder entsäuert (und damit auch ein klein wenig charakterlos) sein. Und es wird Spitzenweine geben, die jedoch in kleinen Mengen. Und um die wird man sich prügeln müssen. Noch dazu wird alles teuerer, auch das Mittelmäßige. Und folglich sage ich: Kauft jetzt noch 2009 und lagert ein..

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Mister Spuck ... amüsiert

Wuahahaha! Volle Breitseite...

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Der Doc

@ Captain: Über Menge und Charakter lese ich genau das, was du jetzt in deinem Comment sagst, auch in Zeitschriften und Blogs. Das ist ja auch nachvollziehbar, und mein Keller ist voll mit genug feinen Weinen aus 2009. Aber das ist doch alles gesagt? Dass das DWI nicht den Winzern in den Rücken fällt, und in einem Jahrgang, bei dem es aufgrund der Menge schon für manche schwierig wird, auch noch schreibt "Achtung, Mittelmaß, lieber nicht kaufen", ist auch nachvollziehbar, oder?

Es ist doch genug Porzellan zerbrochen - lasst doch die 2010 beurteilen, wenn sie trinkbar sind. Schönen Abend, mein 2007er Riesling wartet.

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Der Captain

Ich werde mich in Luzern einem Pinot widmen. Oder einem Merlot aus Ticino. Prost..

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D

wer jetzt schon 2010 er trinkt, hat es nicht anders verdient als plörre zu bekommen!

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Der Captain

Ein einfacher Gutsriesling 2010 wird 2013 nicht viel besser schmecken..

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Gottfried Lamprecht (via facebook)

Es war wirklich ein scheiss jahr, aber es wird top weine geben, die gilt es herauszufiltern!

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Gast amüsiert

Der Captain hat recht. Erstens ist er der Captain und zweitens war 2010 ein Arschjahr.
Ich habe nichts gegen Arschjahre. Sie sind viel interessanter als Wohlfühljahre.
Und ich vermute auch der Captain ist froh damit. Er hat viel zu berichten. Es gilt die Spreu vom Weizen zu trennen. Hoffentlich ist er auch in der Lage zu erkennen, daß es so ungewöhnlich gute Weine noch nie gegeben hat. Wenn auch nur, wie er richtig sagt, in geringen Mengen.
Also ich stelle mir einen wohlgeformten schönen Hintern vor. Wir sprechen ja zum Glück nur über das Gesäß und nicht über das, was zwangsläufig herauskommt.
Herzliche Grüße
Ingmar

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Der Captain (auswärts)

Ich denke auch, dass es ein paar der ungewöhnlichsten deutschen Weine geben wir. Ganz große Weine. Aber die Mehrzahl wird die Matrosen eher enttäuschen..

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Biovinum ...immer gut

Na und? So ist's eben. Mal gut, mal schlecht, mal top, mal Arschjahr. Lieber so als duch Kellertechnik hervorgebrachte Einheitsweine. Wie Gottfried schon sagt: Man muss die richtigen herausfiltern (seine gehören dazu!)

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Rutbo großartig

von wegen arschjahr! mein erster 2010er kommt schon mal bärenstark daher: keller, grüner silvaner trocken - also die basis. ein sensationeller essensbegleiter ... total runde sache mit sehr sehr gutem plv! überhaupt soll 2010 ein starkes silvaner-jahr in rheinhessen sein. also obacht, z.b. auf den feuervogel oder den siefersheimer silvaner von wagner-stempel ... oder auf den hier schon mal angesprochenen silvaner hildegard von hauck ... nochmals danke für den tipp ... prost!

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Fischmann Stolz

Hi Chef, du hast es in die NYT geschafft!

Zitat: "Some German journalists initially labeled 2010 an “Arschjahr,” which translates loosely as a bad year. That assessment was premature."

http://www.nytimes.com/2011/10/15/dining/15iht-WINE15.html?ref=dining

Thumbs up! Willkommen im Olymp!

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