Das Schiff liegt auf Reede und der Captain ist wieder für ein paar Tage nicht an Bord. Eine solche Gelegenheit wollen sich die Maate natürlich nicht entgehen lassen und an Land übersetzen, um in einer zwielichtigen Hafenkneipe an einem anspruchsvollen Winetasting teilzunehmen.
Eine Wache bleibt an Bord. Kein Freiwilliger findet sich - also wurde ausgelost. Durch Streichhölzer ziehen. Und so wie jedes Mal habe ich auch diesmal den Kürzesten gezogen. Jetzt darf ich mich unter Deck langweilen und Wache schieben.
Also was tun so allein? Vielleicht sollte ich mir ein paar Videoblogs ansehen. Das habe ich schon seit Jahren nicht mehr getan. Warum, wird sofort klar: Es ist sehr ruhig um das Format geworden.
Elsa Seefahrt, Toni Mahoni, Ehrensenf. Entweder tote Hose oder nur noch der Schatten ihrer selbst. Wo ist nur die Goldgräberstimmung hin? Ich bekomme Angst. Angst vor den Seiten mit Weinvideos.
Gary Vaynerchuck, die Revolution frisst ihre Kinder
Gut, wo fange ich an? Mit Gary Vaynerchuck vielleicht. Der ist praktisch das Urmeter aller Weinvideo-Blogger... gewesen. Gewesen, denn sein „Wine Library TV" hat nach Folge 1000 einfach dicht gemacht. Ok, er muss ja nicht mehr. So um die 25 Millionen Dollar soll er mit seiner Sendung gemacht haben. Überprüfen wollte das allerdings auch niemand. Trotz oder gerade wegen seiner extrovertierten Art hat er es hin und wieder sogar ins echte amerikanische Fernsehen geschafft. Kein schlechter Erfolg für einen Weinhändler, der er ja eigentlich war.
Klar, dass solch ein Erfolg, sagen wir mal, inspirierend auf andere wirkt. Zum Beispiel auf Hendrik Thoma. Der Sommelier aus Hamburg war in Folge 605 Gast bei Gary Vee und vom Format sehr angetan. So sehr, dass er einige Zeit danach das Aushängeschild von TVINO wurde. Mit den nötigen Mitteln von Hawesko wurde es das bekannteste deutsche Weinvideo-Blog oder besser, Weinvideo-Portal.
Bis vor ein paar Tagen. Abgezeichnet hat es sich schon eine ganze Weile, aber nun ist es raus. Hendrik Thoma ist weg von TVINO. Der Abgang kam trotzdem plötzlich. Was offiziell eine geplante Neuorientierung des Formates durch Hawesko sein soll, sieht im Moment eher so aus: „Guten Morgen Mädels, hier ist Charlie. Der Hendrik macht ab sofort eine Kreativpause für immer. Ab jetzt dürft ihr ran. Lasst euch was einfallen. Es geht alles, außer Pornos."
Frauenpower: Schweigen ist Silber, viel Reden ist Gold
Apropos, Mädels on Video. Da gibt es Marlene Duffy. Auch wenn die Community sie praktisch schon vergessen hat, „bottleplot" ist nicht tot zu kriegen. Es ist immerhin das erste deutsche Videoblog zum Wein überhaupt. Inzwischen in Australien angelangt, scheint ihr aber doch langsam die Luft auszugehen.
Dieser Atem geht der Kanadierin Aurélia Filion mit „Bu sur le web" offensichtlich noch lange nicht aus. Sie schnattert auch ohne Pause vor sich hin, ist aber nett anzusehen und hat in der französischen Version unbestritten einen gewissen Charme.
Hendrik Thoma geht ans eigene Limit
Aber wieder zurück über den Teich. Hendrik Thoma hat sich aufs Ufer geflüchtet und ist jetzt am Limit. "Wein am Limit" heißt sein neues Videoblog. Back to the roots. Etwas improvisiert noch, aber das kann ja werden. Die Fangemeinde ist sicher groß genug um Erfolg zu haben. Schauen wir mal, schauen wir mal weiter.
Nicht erst seit der Boomphase des Mediums konnte jeder, der halbwegs eine Videokamera zu halten imstande war, ein Weinvideo-Blog ins Internet stellen. Und leider haben das auch viele gemacht. Amateure, Journalisten und einige Weinhändler waren sich manchmal für nichts zu schade.
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Um Marlene Duffy ist es leider sehr ruhig geworden. 





...na da habt Ihr glatt piero sini vergessen. habe länger nicht mehr hin geschaut, werde ich aber gleich mal machen.