Wenn es um deutsche Rotweine geht, ist meistens von Spätburgundern die Rede. Und das ist auch gut so, denn diese Rebsorte findet in einigen hiesigen Anbauregionen gute bis optimale Bedingungen vor. Ihm folgt in der Anbaustatistik der Dornfelder, über den man - meiner Meinung nach - als Weinfreund lieber den Mantel des Schweigens ausbreiten muss. Ohnehin war er ursprünglich nur als Farbstoff für „blasse" deutsche Rotweine gezüchtet worden.
Eine gewisse Bedeutung im gehobenen Qualitätssegment haben der (hauptsächlich in Schwaben angebaute) Lemberger und mittlerweile auch die deutschen Varianten von Weltsorten wie Cabernet Sauvignon, Merlot & Co. Dazu kommen in letzter Zeit Neuzüchtungen wie diverse Cabernet-Kreuzungen, Regent und Acalon. Meist stiefmütterlich behandelt wird Portugieser. Und bei Trollinger fragt man sich ohnehin meistens, ob sich diese hervorragende Tafeltraube - in dieser Sparte auch unter dem Namen „Black Hamburg" bekannt - überhaupt zur Weinherstellung eignet.
War's das? Keineswegs. Abseits des Mainstreams gibt es noch Rotweinsorten mit langer deutscher Tradition. Wie zum Beispiel den Schwarzriesling. Der ist zwar weder schwarz noch Riesling, bildet aber nach neuen gentechnischen Untersuchungen zusammen mit dem Traminer das "Stammelternpaar" der Burgunderfamilie. Sein bekanntestes Synonym ist Pinot Meunier (Müllerrebe). Unter diesem Namen gehört er zu den wichtigsten Grundweinen für Champagner.
In Deutschland nimmt er karge 2,3 Prozent der Rebfläche ein, den Löwenanteil davon in Württemberg. Dort fristete er lange ein Schattendasein und erschien meistens in Form inferiorer Literabfüllungen.
Doch mittlerweile haben viele Winzer erkannt, welches Potenzial für großartige Weine in dieser hocharomatischen Sorte steckt. Wie zum Beispiel das Weingut des Grafen Neipperg in Schwaigern/ Württemberg.
In der Weinszene ist der Name Neipperg wohlbekannt. Das Weingut, von dem heute die Rede ist, gehört Karl Eugen Erbgraf zu Neipperg. Über seinen jüngeren Bruder Stephan-Christoph Graf Neipperg, der im Bordeaux mehrere Weingüter betreibt, aber auch in Bulgarien in Sachen Wein investiert hat, war hier schon mal die Rede:
- Winzer des Monats
- Video: zu Besuch im Chateau d'Aiguilhe
- Video: Enira, der Bulgarien-Wein des Grafen
Sein Bruder Karl Eugen, Stammhalter des Hauses Neipperg und VDP-Winzer (der mit einer Tochter des österreichischen Kaiserhauses Habsburg-Lothringen verheiratet ist) setzt die Qualitätspyramide des Verbandes konsequent um. Es gibt Guts- und Lagenweine und an der Spitze einige große Gewächse. Für diese Klassifizierung ist Schwarzriesling nicht zugelassen. Das hält den Grafen und seine Crew aber nicht davon ab, das Beste aus der Sorte herauszuholen.
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Wilhelm Reinhard von Neipperg hat schon im 18. Jahrhundert Neipperg-Wein gepichelt. 






...meine rede, der schwarzriesling wird unterschätzt bzw. wird daraus meist nur süßliche plörre erzeugt. den vorgestellten wein habe ich leider noch nicht probiert, werde dieses aber sicher nachholen...