Warum regt es den Captain so auf, wenn er daran denkt, dass da in einer deutschen Weingegend eine Autobrücke gebaut wird - so what? Muss man nicht größer denken? Denkt der Captain nicht an die Anrainer, die da schneller von A nach B kommen, die eventuell dann zwanzig Minuten pro Strecke mehr Zeit erhalten, also insgesamt 40 Minuten mehr Lebenszeit, in welchen sie Sinnvolles tun oder lassen können.
Denkt der Captain nicht an die Wirtschaft? Nicht an die Bauwirtschaft, die Menschen in Arbeit und Brot stellt? Nicht an die Transportwirtschaft, die, viel schlechter zahlend, das Gleiche tut? Denkt der Captain nicht an jene, die von der Brücke profitieren? Also an die vielen kleinen Hoteliers, die der Captain für ihre kleinen und etwas abgewohnten Herbergen verachtet? Die aber auch von irgendwas leben müssen, die mit ihren einfachen Quartieren Menschen glücklich machen. Und leben diese Gastwirte nicht von jenen, die mit dem Auto kommen? Und kommen jene nicht zahlreicher und schneller über die Brücke? Mit dem Auto.
Wein ist nicht Natur, Wein ist Zivilisation
Ja, mag sein. Doch dann gibt es einen Grund, den der Captain immer aus seiner Satteltasche im Hinterkopf zieht. Und dieser Grund ist der Wein selbst. Wo Wein ist, ist Zivilisation. Und der Captain braucht Zivilisation wie einen Bissen Brot. Langsame Zivilisation, wie Wein sie verkörpert. Der Captain weiß, dass vielen Menschen Wein rein gar nichts bedeutet - eine Pflanze, die da aus dem Boden wächst und Früchte produziert, die man entweder essen oder pressen kann. Und deren vergorener Saft zum Rausch führt. Wenn man nur genug davon trinkt.
Die Menschen, die so denken, sind großer Zahl. Der Captain sitzt mit vielen Gleichgesinnten im Boot. Gleichgesinnte, die schmecken wie er, riechen wie er, trinken wie er, genießen wie er. Der Captain ist nicht alleine.
Und vielen andere halten den Captain und seine Leute vielleicht für Spinner, die sich ausgerechnet mit so etwas Banalem wie Wein ausführlich beschäftigen. Aber für sympathische Spinner. Denn Wein mag man eben, Wein ist sympathisch. Jeder war schon mal auf Wein betrunken. Und es war besser, als auf Bier oder Schnaps betrunken zu sein. Deswegen Wein.
Doch die Sympathie geht nicht so weit, wie in anderen Ländern, wo Wein auch zum Essen getrunken wird, wo Wein Teil der Alltagskultur ist. Dort ist Wein täglich im Bild. Was ihn gefährdet, wird zum Feind. Deswegen wäre der Bau der Moselbrücke in Frankreich mit Aufständen verbunden. So direkt über die Reben. Das ginge dort nicht.
Wein erzählt alles
Wozu Wein? Weil du alles bekommst, was dir ein Nahrungsmittel erzählen kann. Und nichts erzählt mehr, als Wein. Wein spricht vom Terroir, der Erde, der Tiefe, der Mineralien, der Stoffe des Bodens. Wein spricht von der Traube, der Frucht, der Vielfalt, dem Saft, dem Frühling, dem Leben. Wein spricht vom Wetter und von der Region. Bestenfalls auch vom Land. Und Wein erzählt von den Menschen, die Wein machen. Welches Lebensmittel sonst kann solches leisten? Und welches Lebensmittel sonst gibt uns Einblick in das, was uns umgibt? Was uns ausmacht. Boden, Erde, Pflanze, Frucht, Klima, Leben, Mensch. Wein ist komplett.
Wein kultiviert Landschaften. Dort, wo einst Wildwuchs herrschte, ziehen sich die Reihen über die Hügel und durch die Ebenen. Wein ist Geometrie. Und das ist auch der Grund, warum Wein bei manchem naturverbundenen Menschen unbeliebt ist. Der Captain will sich darüber nicht lustig machen, aber ihm selbst sind einige Personen bekannt, die Wein nur von unveredelten und wild wachsenden Trauben trinken, weil sie es nicht ertragen können, dass Weinbau einen derartigen Eingriff in die Landschaft tätigt. Weinbau ist also nicht friedlich und im Einklang mit der Natur. Da kann man reden, was man will: Weinbau ist zivilisierendes Kuturhandwerk. Wider die Natur, wie sie sich überlassen ist.
Wein ist sinnlich, Wein ist Sex
Doch alles am Weinmachen ist sinnlich. Das Ernten der Trauben, das Pressen. Erst recht, wenn man die Trauben mit den Füßen zerstampft. Dann der Prozess der Gärung, das Auf-der-Maische-liegen. Für jeden Önologen nur Handwerk. Und trotzdem stets ein Schöpfungsakt der besonderen Sorte. Das Füllen der Fässer, der Geruch des Kellers, wenn man Fassproben holen geht. Nur das Füllen der Flaschen ist der einzige kalte Akt der Herstellung.
So ist es auch kein Wunder, dass jene, die die ganze Bandbreite nicht erfassen, dass jene auch kein Problem haben, in eine Weingegend eine Brücke hineinzuschlagen. Ich denke Herr Beck und Frau Klöckner haben letztlich nicht genug Sinnlichkeit das zu verstehen. Politik mach offenbar unsinnlich. Und offenbar ist das auch das Problem der Politik, auch wenn Helmut Schmidt jetzt Widersprechen und den Captain einen Schwätzer nennen würde.
Am Ende seines Weges ist Wein auch noch Genussbringer, Berauscher und - machen wir uns nichts vor - Sexualstimulator. Warum Wein? Deswegen Wein. Und - das hören die Köche nicht gerne - Wein ist letztlich wichtiger als Essen. Denn im Wein ist alles Leben. Wenn auch Wein nicht alles im Leben ist.
Deswegen darf die Brücke nicht gebaut werden. Wenn Sie verstehen, was ich meine...







Super Hobby, super Beruf.. 





Über Käse? Quatsch..