05.08.11 WEINLEUTE 7 Einem Freund senden

Südpfalz: Heinz bleibt Heinz

Einfach Traditionell. Ist klar. (Foto: Thomas Golenia)Einfach Traditionell. Ist klar. (Foto: Thomas Golenia)

Es gibt Weine, die muss man einfachen lieb haben, ohne sie getrunken zu haben. Weil nämlich die Etiketten dieser Weine gnadenlos schön sind. Die Gestaltung von Etiketten sagt vielleicht nichts über den Wein aus - aber viel über seinen Produzenten. Modern, altbacken, traditionell, einfallslos, bieder, schrill, minimal. Mit all diesen Attributen der Flaschengestaltung kann man schon recht viel über Stil und Herangehensweise des Winzers herausfinden.

Und man ahnt ja nicht, was ich im Verkauf im Einzelhandel alles zum Thema Etiketten so erlebe. Ganz kompliziert wird es immer bei den Geschenke-Käufern. Die wollen sich nämlich beim Beschenken nicht blamieren. Also muss unbedingt äußerliche Reputation her. Besonders die Damenwelt hat da öfters die Neigung, den Wein dann nicht nach Inhalt zu beurteilen, sondern nach Äußerlichkeiten.

Da steht man dann im Laden, hat für den Kunden einen Wein gefunden, der ihm zusagt und erhält dennoch eine Abfuhr: "Nein, solche Etiketten kann ich nicht verschenken. Die sehen nicht wertig genug aus". Oft wird dann reflexhaft Bordeaux, Sancerre, Chablis gekauft. Die üblichen Verdächtigen eben im biederem Gewand. Denn dort auf der Flasche Bordeaux steht ja Chateau. Und sogar noch Grand Cru. Das muss gut sein. Zumindest wird es wertig sein, denkt die Kundschaft sich. Und der zu Beschenkende wird das sicher auch so sehen. Beide Seiten werden da sicher beruhigt schlafen können. Der Inhalt? Wohl eher sekundär.

Wenn man mich mit etwas beglücken kann, dann mit gut gemachtem Etikettendesign. Und wenn mir damit noch rotzfrech Modernität suggeriert wird - umso besser! So etwas bedeutet Aufbruch und Bruch mit dem Altem. So etwas macht der junge Phillip Heinz aus der südlichen Pfalz.

Gerade mal 22 Jahre und schon seinen eigenen kleinen 2 Hektar-Betrieb in Kapellen-Drusweiler. Gelegen an der südlichen Weinstraße, keine 12 Kilometer vor Wissembourg und der französischen Grenze. Phillip Heinz hat schon früh bei seinen Eltern mitgeholfen, die Wein als Nebenerwerbswinzer produzierten. Er hat das alles mit der Muttermilch aufgesogen, sodass in dem Alter, in dem man sich fragt "was mache ich?" schnell der Entschluss feststand, eine Winzerlehre zu machen. Handwerk hat eben goldenen Boden. Seit 2009 baut er seine eigenen Weine aus. Und das in einer überraschend minimalen Kollektion, die bis jetzt nur drei Weine umfasst. Der vierte, eine Rotwein-Cuvée, wird im Herbst 2011 folgen.

Ja, die Flaschen sind ein Hingucker. Minimal. Die Etiketten im schrillen Zweifarben-Siebdruck-Stil. Nichts für Traditionalisten. Phillip Heinz nennt seine Kinder dann "Einfach Traditionell" oder "Ganz Alte Reben" oder gar "Ladymischung". Da mögen ihm einige ganz Kritische unter uns dann kühl Zielgruppen-Orientierung vorwerfen. Oooch Gottchen! Vielleicht will der junge Mann einfach nur dem Muff vergangener Tage loswerden und auf seinen mickrigen 2 Hektar Spaß dabei haben. Der sei ihm von Herzen gegönnt.

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Kommentare 7

Kommentare

Blattgold

Ich finde es ok, wenn es mehr frische Etiketten gibt. Diese sind natürlich spätestens seit Markus Schneider Ausprägung eines Wein-Mainstreams.

Viele junge Winzer scheinen erkannt zu haben, dass sie mit modernen Etiketten ihre Weine am besten absetzen können. Ich bin ehrlich gesagt mittlerweile schon wieder leicht genervt von den ganzen "lustigen", "frischen", mit Slogans und Marken versehenen und möglichst minimalistisch gestalteten Etiketten. Wenn man mal durch Hamburg spaziert, sieht man im Schaufenster der Weinläden kaum noch etwas anderes. Erstens machen diese Etiketten den Wein beliebig - Herkunft egal, hauptsache lecker. Zweitens sind sie viel stärker Moden unterworfen.

Aber wie gesagt, ihre Daseinsberechtigt haben diese Etiketten und Weinnamen durchaus.

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gast fragend

Gibt es in Hamburg wirklich so viele Läden, wo die Weine in der Auslage stehen?

Würde den Weinen nicht gerade gut tun - oder sind es leere Flaschen, die dort stehen?

In Wien ist dies selten zu beobachten:

Kaum eine Vinothek wirbt mit vollen Flaschen, die dem Licht ausgesetzt sind - mag das Etikett noch so toll sein.

Gerne erinnere ich an das Weingut Knoll: Kult sind nicht nur deren Weine, sondern auch die "altmodischen Aufkleber".

Ein Markenzeichen für sich. Und ich hoffe, dass sie so bleiben.

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Mittelflinger

Knoll, Maximin Grünhaus, Bassermann-Jordan, Koehler-Rupprecht, Reichsrat von Buhl... ich finde diese traditionsreichen Etiketten von Traditionsgütern auch toll, weil sie über eine Identität und eine Unverwechselbarkeit verfügen (je klassischer übrigens, desto besser. Die meisten noch so vorsichtigen Modernisierungsversuche gehen eher nach hinten los).

Diese Betriebe verfügen allerdings über eine große Tradition, für die diese sich nicht zu schämen brauchen. Genau diese hat der Heinz aber nicht (an die des Traubenanliefern und Fassweinverkaufs möchte er ja gerade nicht anknüpfen). Also sollte er, um authentisch zu sein, etwas Neues und Eigenes machen. Und das kann entweder neoklassisch sein (wie bei A.J.Adam oder Van Volxem), was aber schwierig ist, weil es dann wirklich sehr gut sein muss (ansonsten wirkt es aufgesetzt und altbacken). Oder aber komplett modern. Ich finde, er hat da einen guten Weg gefunden. Der sachliche Stil ist typisch für viele Pfälzer Betriebe (man denke an Markus Schneider oder Christmann), die Farben sind neu. Dann braucht er nur noch guten Wein zu machen. ;-)

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Anfänger

Wie immer liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen, denke ich. Ein Etikett hat meines Erachtens nach eine schwierige Aufgabe. Es muss zum einen den Wein verkörpern aber auch dem Unternehmen gerecht werden. Gerade deshalb denke ich, dass Phillip Heinz hier den richtigen Weg gegangen ist. Wenn ein Unternehmen mit Tradition und Herkunft so etwas machen würde, könnte man ihm das freilich schwer abkaufen. Ich denke dass alles ein stimmiges Gesamtbild abliefern muss.

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Markus

nach dem Lesen dieses Artikels bin ich gestern abend gleich mal hingefahren und hab mir je zwei Flaschen von jeder Sorte gekauft. Der Winzer selbst war in Urlaub, aber mit den Eltern habe ich mich nett unterhalten. Sie haben sich gewundert, woher ich das Weingut kenne, scheint sich also noch nicht soo rumgesprochen zu haben. Heut abend teste ich dann mal die alten Reben

Markus

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Maat Golenia

Und?

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Phillip Heinz

Ein bisschen Erholung muss auch mal sein :-)
Hat der Wein denn geschmeckt?

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