Es gibt Weine, die muss man einfachen lieb haben, ohne sie getrunken zu haben. Weil nämlich die Etiketten dieser Weine gnadenlos schön sind. Die Gestaltung von Etiketten sagt vielleicht nichts über den Wein aus - aber viel über seinen Produzenten. Modern, altbacken, traditionell, einfallslos, bieder, schrill, minimal. Mit all diesen Attributen der Flaschengestaltung kann man schon recht viel über Stil und Herangehensweise des Winzers herausfinden.
Und man ahnt ja nicht, was ich im Verkauf im Einzelhandel alles zum Thema Etiketten so erlebe. Ganz kompliziert wird es immer bei den Geschenke-Käufern. Die wollen sich nämlich beim Beschenken nicht blamieren. Also muss unbedingt äußerliche Reputation her. Besonders die Damenwelt hat da öfters die Neigung, den Wein dann nicht nach Inhalt zu beurteilen, sondern nach Äußerlichkeiten.
Da steht man dann im Laden, hat für den Kunden einen Wein gefunden, der ihm zusagt und erhält dennoch eine Abfuhr: "Nein, solche Etiketten kann ich nicht verschenken. Die sehen nicht wertig genug aus". Oft wird dann reflexhaft Bordeaux, Sancerre, Chablis gekauft. Die üblichen Verdächtigen eben im biederem Gewand. Denn dort auf der Flasche Bordeaux steht ja Chateau. Und sogar noch Grand Cru. Das muss gut sein. Zumindest wird es wertig sein, denkt die Kundschaft sich. Und der zu Beschenkende wird das sicher auch so sehen. Beide Seiten werden da sicher beruhigt schlafen können. Der Inhalt? Wohl eher sekundär.
Wenn man mich mit etwas beglücken kann, dann mit gut gemachtem Etikettendesign. Und wenn mir damit noch rotzfrech Modernität suggeriert wird - umso besser! So etwas bedeutet Aufbruch und Bruch mit dem Altem. So etwas macht der junge Phillip Heinz aus der südlichen Pfalz.
Gerade mal 22 Jahre und schon seinen eigenen kleinen 2 Hektar-Betrieb in Kapellen-Drusweiler. Gelegen an der südlichen Weinstraße, keine 12 Kilometer vor Wissembourg und der französischen Grenze. Phillip Heinz hat schon früh bei seinen Eltern mitgeholfen, die Wein als Nebenerwerbswinzer produzierten. Er hat das alles mit der Muttermilch aufgesogen, sodass in dem Alter, in dem man sich fragt "was mache ich?" schnell der Entschluss feststand, eine Winzerlehre zu machen. Handwerk hat eben goldenen Boden. Seit 2009 baut er seine eigenen Weine aus. Und das in einer überraschend minimalen Kollektion, die bis jetzt nur drei Weine umfasst. Der vierte, eine Rotwein-Cuvée, wird im Herbst 2011 folgen.
Ja, die Flaschen sind ein Hingucker. Minimal. Die Etiketten im schrillen Zweifarben-Siebdruck-Stil. Nichts für Traditionalisten. Phillip Heinz nennt seine Kinder dann "Einfach Traditionell" oder "Ganz Alte Reben" oder gar "Ladymischung". Da mögen ihm einige ganz Kritische unter uns dann kühl Zielgruppen-Orientierung vorwerfen. Oooch Gottchen! Vielleicht will der junge Mann einfach nur dem Muff vergangener Tage loswerden und auf seinen mickrigen 2 Hektar Spaß dabei haben. Der sei ihm von Herzen gegönnt.
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Einfach Traditionell. Ist klar. (Foto: Thomas Golenia) 





Ich finde es ok, wenn es mehr frische Etiketten gibt. Diese sind natürlich spätestens seit Markus Schneider Ausprägung eines Wein-Mainstreams.
Viele junge Winzer scheinen erkannt zu haben, dass sie mit modernen Etiketten ihre Weine am besten absetzen können. Ich bin ehrlich gesagt mittlerweile schon wieder leicht genervt von den ganzen "lustigen", "frischen", mit Slogans und Marken versehenen und möglichst minimalistisch gestalteten Etiketten. Wenn man mal durch Hamburg spaziert, sieht man im Schaufenster der Weinläden kaum noch etwas anderes. Erstens machen diese Etiketten den Wein beliebig - Herkunft egal, hauptsache lecker. Zweitens sind sie viel stärker Moden unterworfen.
Aber wie gesagt, ihre Daseinsberechtigt haben diese Etiketten und Weinnamen durchaus.