Schauen Sie sich das an. Besonders die ersten 2 Minuten. Dieser klinkenputzende Vertreter der alten Schule. "Abgezapft und originalverkorkst von Pallhuber & Söhne." Ist das nicht herrlich? Die Weine stammen aus den 70ern. Da hat Mutti noch pappsüßen Wein aus dem Römerkelch getrunken. Die Etiketten waren undurchschaubar und vollgestopft mit unaussprechlichen Lagennamen - etwas, das erst in den letzten Jahren durch wohltuenden Minimalismus auf den Etiketten abgelöst wurde.
Die 70er, das war in der Weinzeitrechnung das letzte Jahrzehnt ohne Moderne. Ohne Glykolskandal. Ohne Trockentrinker. Ohne Weinforen im Internet. Da war es hip, deutschen Wein süß zu trinken und ihn gleichzeitig scheußlich zu finden (was er in der Masse auch oftmals war). Wer was ordentliches wollte, kaufte französisch.
In den 70ern fing das verkorkste deutsche Weingesetz von 1971 an zu greifen - im negativen Sinn. Das es ziemlicher Mumpitz ist, Weinqualität abhängig von den süßen Öchslegraden zu machen, fiel erst eine lange Zeit später auf.
Die 70er, das Jahrzehnt, als modern gemachte Überseeweine in Deutschland noch gänzlich unbekannt waren. Als Vati sein Feierabendbierchen in der (heute fast ausgestorbenen) muffigen Eckkneipe trank. Damals wurde der Kunde (wie hier im Sketch) noch nach Strich und Faden bevormundet. Ihm wurde gesagt, wie Wein zu schmecken hat. Das mag in der Breite zwar grundsätzlich noch heute so sein, dennoch ist der Weinkäufer inzwischen deutlich informierter und aufgeklärter als vor 30 Jahren. Wein ist in der breiten Masse angekommen. Wein ist nicht mehr was für die Oma (billig) und die oberen Schichten (teuer).
Einer schmeckt wie der andere!
Wie vieles im Werk von Loriot sind diese 2 Minuten von einer brillanten Analytik, dass einem das Lachen im Hals stecken bliebe - wenn es dann doch nicht so lustig wäre: "Das ist Qualität - einer schmeckt wie der andere." Ja, hat der Mann schon in den 70ern gewusst, wohin die Reise geht oder war die große Gleichmacherei schon damals nicht anders als heute? Nur eben gediegener, auf die nationalen Märkte beschränkt.
Dann, wo die Leute unsicher sind und keiner sich auskennt, schlägt die Stunde der Betrüger, der Komödianten und der Medien. Hat mal so ähnlich (oder ganz anders) ein Soziologe formuliert. Ich glaube, es war Niklas Luhmann. Falls nicht, würde es gut zu ihm passen.
Apropos Medien: besser als jeder Nachruf ist diese Sendung (Telecabinet) aus den frühen 70ern und ein Beweis, dass TV-Comedy früher schon sehr modern war. Oder heute ziemlich altmodisch ist.













danke loriot. sie haben dem deutschen humor einen riesen dienst erwiesen. requiescat in pace.