Nein. Ich habe mir fest vorgenommen, nichts über den Hut in der Überschrift zu erwähnen. Das machen irgendwie alle Schreiber. Denn der Hut ist das Markenzeichen von Jungwinzer Lukas Krauß. Und Schreiber gieren nach Markenzeichen um ihre Texte damit auszuschmücken. Genau deshalb - weg mit dem Hut!
Lukas Krauß hat mich spontan in meiner Düsseldorfer Landwohnung besucht, direkt von irgendeinem Weinevent aus Wuppertal kommend. Mit im Gepäck seine Wein-Kollektion. Er will sie zeigen - ich will sie trinken. Beruhigend zu wissen, dass Krauß bei dem heute zu erwartenden Alkoholpegel nur zwei Häuser weiter auf der Düsseldorfer Kiefernstraße übernachten wird. Er scheint auch so einer mit deutlich querköpfigen Wesenszügen zu sein. Jemand, der sich mehr im "dagegen" als im "dafür" zu Hause fühlt. Jemand, der sich groß "ich will es anders machen" auf die Fahne geschrieben hat. Da passt er gut hier rein - in die alte Hausbesetzerstraße.
Hut, Schmalkrawatte, Web 2.0
Lukas Krauß ist gut gekleidet. Den Hut immer auf. Mit einer locker sitzenden Schmalkrawatte um den Hals. So könnte er auch gut in der Hornbrillen-Gazette SPEX posen und man würde ihm den Subkultur-Hansel ohne weiteres abnehmen. Der ist er aber nicht. Er ist Winzer. Vom pfälzischen platten Lande. Mitte zwanzig, ambitioniert und dem Web 2.0 zugetan. Und ganz sicher kein hinterwäldlerisches Landei.
Der witzige Hutträger fackelt nicht lange rum. Zwei Gläser für uns und rein das Zeug. Silvaner ist seine große Liebe. Sein Herzblut. Mit dieser alten deutschen Rebe beschäftigt er sich am intensivsten. Und das ausgerechnet in der Pfalz - der Region mit großen Rieslingen und irren Spätburgundern. Der Silvaner 2010 von Krauß ist klar und frisch wie ein Gebirgsbach. Sehr geschliffen mit etwas Apfel und grünem Bohneneintopf. Wunderbar trinkige Länge. Der Wein wirkt gekonnt gemacht. Ein guter Einstieg.
Mit seinem elterlichen 8 Hektar-Weingut ist Lukas Krauß in der nördlichen Pfalz beheimatet. Dort, wo eigentlich kaum noch Wein gemacht wird. Weit, weit weg von den großen Hanglagen am Pfälzer Wald. In Lambsheim ist es flach und der Boden meist sandig. Da kommt es mir fast so vor, als ob Krauß sich für die eher schlichten Lagen seines Weinguts entschuldigen möchte. "Früher waren das ganz normale Äcker", sagt Krauß. Das soll aber nichts heißen. Rheinhessen mit seinen vielen Ackerlagen kann mittlerweile eine ganze Reihe von jungen Winzern vorweisen, die formidables zaubern.
Ergo sollte sich auch Krauß nicht schwer tun, auf ähnlich schlichten Böden interessantes zu keltern. Wobei ihn der Gedanke des "Terroir" auch wieder nervt. Darüber sei schon zu häufig geschwätzt worden, ohne dass brauchbare Ergebnisse herauskamen, meint er. Wenn überhaupt, hat "Terroir" für ihn mehr mit der Arbeit im Keller zu tun. Hier kann er die größten Unterschiede eines Weines herausarbeiten. Ihm die Richtung geben, die er wünscht.
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Der Winzer mit Hut und ohne Oberlippenbart. (Foto: Ilka Jaroch // Weingut Lukas Krauß) 





schöner artikel! der krauss ist wirklich ein schräger aber netter vogel!