Ja! Ich! will! nicht! mehr! dass! jemand! in! mein! Essen! raucht! Und ja, es ist mir heute unbegreiflich, wie ich es gestern akzeptieren konnte, dass jemand am Nebentisch im Restaurant sich eine dicke Zigarre ansteckte, während ich noch am essen war. Es hat mir nichts ausgemacht. Damals. Vor fünf Jahren.
Fünf Jahre ist das erst her. Und es scheint wie eine halbe Ewigkeit. Rauchen im Restaurant? Unmöglich. Rauchen in der Kneipe, in der Bar? Nur noch in Berlin Und in Österreich die spanische Lösung: Teilung in Raucher und Nichtraucherzimmer. Doch auch das wird nicht lange halten. Bald ist generell Schluss damit. Rauchen verboten. In Frankreich auch schon im Gastgarten.
Und die Ergebnisse dieser Verbote sprechen Bände. In Italien und Irland, den beiden ersten und bislang strengsten Ländern, sind die Herz-Keislauf-Erkrankungen um mehr als 10 % zurückgegangen. Und auch sonst bessert sich nach den Rauchverboten die Gesundheit der Bevölkerung rapide. Das gestehen sogar rauchende Ärzte ein, die sich der Nichtraucherbewegung anschließen. Mal ehrlich: Dagegen kann man wenig sagen.
Die Nachtwächter der Union wollen uns das Weintrinken madig machen
Doch nach dem Tabak, kommt der Alkohol. Kommissare und Beamte der Europäischen Union machen sich daran, eine neue Prohibition vorzubereiten, ein totales Alkoholverbot. Unmöglich, sagen sie? Unmöglich ist gar nichts mehr. Reden wir in zwanzig Jahren weiter. Bei keinem Glas Wein.
Und auch da werden sich viele finden, die gleich begeistert schreien. "Ja, bitte macht das!" Grünwähler vereint mit Gesundheitsfetischisten, vereint mit Rauschgegnern, vereint mit Sparfüchsen, die um das Gesundheitsbudget fürchten, vereint mit Spaßfreien, die alle vom Spaß befreien wollen, weil nur der Nüchterne pragmatisch sein kann. "Es kommen Scheißzeiten", sagte mir gestern ein erfolgreicher Wiener Wirt. Ich fürchte, er hat recht.
Freilich will ich nicht, dass Kinder und Jugendliche sich mit Alkopops bis zur Bewusstlosigkeit zudröhnen; sicher will ich, dass man gegen die "Jeder-Schnaps-ein-Euro"-Saufhütten vorgeht; mit Bestimmtheit fordere ich den Gesetzgeber dazu auf, die Ausnüchterungszelle wieder einzuführen - das bislang beste Medikament zur Entwöhnung. Denn auch mir gehen die Billigfliegerhorden auf den Sack, die jedes Wochenende Berlin und Bratislava heimsuchen, nur weil man sich dort günstig "zuschweißen" (so sagt sehr passend der Österreicher) kann. Diesen "Dienstleistungen" muss Einhalt geboten werden.
Verbote, Verbote, Verbote
In meiner Kindheit war die Leberzirrhose noch eine beliebte Todesart unter Männern. Die sind dann dem Pensionssystem auch nicht mehr zur Last gefallen. Ebensowenig, wie die Raucher. Aber mal ehrlich: Wer kennt heute noch einen richtigen Alkoholiker im Bekanntenkreis?
Nein, ich will nicht verharmlosen. In England und Skandinavien wird der Alkohol zunehmend zum gesellschaftlichen Problem. Und das Problem wird im Strassenbild sichtbar. Doch in Italien und Spanien findet man samstags keine Akoholleichen auf der Strasse. Und auch die Leberzirrhose war hier nie eine weit verbreitete Todesursache. Denn Alkohol ist hier vor allem Wein. Und noch ein Grappa nach dem Essen. Mehr war nicht. Lange Jahre.
Man kann jetzt über den Verfall der Kultur jammern, vor allem der Trinkkultur, die Südeuropa (dazu gehört auch Bayern und Bawü) seit jeher prägt. Südeuropa ist ohne Wein nicht vorstellbar. Doch wer sieht, wie sich vor allem die Italiener widerspruchslos den neuen Regeln von Nation und Union ergeben, der darf auch annehmen, dass selbst in Italien ein Alkoholverbot durchgeht. Auch ohne Berlusconi an der Spitze des Staates.
Nun alle mal das Volksvermögen schonen und zum Trinken aufhören
Alles Zetern wird wenig helfen: Weltweit ist eine Gemeinschaft von schwarzmalenden Gesundheitsaposteln auf den Vormarsch, die ihren Ranzen von der Ökonomieberater-Lobby gefüllt bekommen. Gesünder Leben schont das Volksvermögen. Der Raucher (heute), der Alhoholkonsument (morgen), der Wein- und Biertrinker (übermorgen). Sie alle sind Schädlinge der gesunden Gesellschaft. Auf das läuft es hinaus.
Nun könnte man die alten Rituale wiederholen, die schon beim Rauchen nicht gefruchtet haben. Besser wäre aber, man zieht sich auf die Kulturfront zurück. Denn dieses Bollwerk kann die anrückende Armee der Freudlosen nicht überwinden.
So muss die kommende Debatte über Alkoholverbote zum Kulturkampf stilisiert werden. Und zum Identitätskrieg. Es geht nicht an, dass ideologisch beeinflusste Regelwerke in den jahrhundertelang erprobten Umgang mit leichten und Freude stiftenden Drogen eingreift, nur weil unterbeschäftigte und überbezahlte Beamte ihr Ego stärken.
Regelwerke von Vollidioten
Und man muss hoffen, dass es weiter Menschen gibt, wie den französischen Landwirtschaftsminister, der in Brüssel auf eine erste Diskussion vor etwa zehn Jahren den legendären Spruch fallen ließ: "Bei einem Alkoholverbot treten wir gemeinsam mit Italien und Spanien aus der Union aus". Das war damals ein Schuss vor den Bug. Jetzt, zehn Jahre später, sind in den weinproduzierenden Ländern andere Minister im Amt.
Und deswegen ist nichts unmöglich. Man muss den Widerstand vorbereiten. Noch ist Zeit. Nicht mehr viel.







Das klebt demnächst schon auf allen Weinflaschen. Und ist erst der Anfang.. 





ich darf das teilen! Ob die EU zwischenzeitlich noch die Helmpflicht für Barhocker einführen wird?