12.08.10 MEINUNG 23 Einem Freund senden

Wein her, es ist zum Weinen

Das klebt demnächst schon auf allen Weinflaschen. Und ist erst der Anfang..Das klebt demnächst schon auf allen Weinflaschen. Und ist erst der Anfang..

Ja! Ich! will! nicht! mehr! dass! jemand! in! mein! Essen! raucht! Und ja, es ist mir heute unbegreiflich, wie ich es gestern akzeptieren konnte, dass jemand am Nebentisch im Restaurant sich eine dicke Zigarre ansteckte, während ich noch am essen war. Es hat mir nichts ausgemacht. Damals. Vor fünf Jahren.

Fünf Jahre ist das erst her. Und es scheint wie eine halbe Ewigkeit. Rauchen im Restaurant? Unmöglich. Rauchen in der Kneipe, in der Bar? Nur noch in Berlin Und in Österreich die spanische Lösung: Teilung in Raucher und Nichtraucherzimmer. Doch auch das wird nicht lange halten. Bald ist generell Schluss damit. Rauchen verboten. In Frankreich auch schon im Gastgarten.

Und die Ergebnisse dieser Verbote sprechen Bände. In Italien und Irland, den beiden ersten und bislang strengsten Ländern, sind die Herz-Keislauf-Erkrankungen um mehr als 10 % zurückgegangen. Und auch sonst bessert sich nach den Rauchverboten die Gesundheit der Bevölkerung rapide. Das gestehen sogar rauchende Ärzte ein, die sich der Nichtraucherbewegung anschließen. Mal ehrlich: Dagegen kann man wenig sagen.

Die Nachtwächter der Union wollen uns das Weintrinken madig machen

Doch nach dem Tabak, kommt der Alkohol. Kommissare und Beamte der Europäischen Union machen sich daran, eine neue Prohibition vorzubereiten, ein totales Alkoholverbot. Unmöglich, sagen sie? Unmöglich ist gar nichts mehr. Reden wir in zwanzig Jahren weiter. Bei keinem Glas Wein.

Und auch da werden sich viele finden, die gleich begeistert schreien. "Ja, bitte macht das!" Grünwähler vereint mit Gesundheitsfetischisten, vereint mit Rauschgegnern, vereint mit Sparfüchsen, die um das Gesundheitsbudget fürchten, vereint mit Spaßfreien, die alle vom Spaß befreien wollen, weil nur der Nüchterne pragmatisch sein kann. "Es kommen Scheißzeiten", sagte mir gestern ein erfolgreicher Wiener Wirt. Ich fürchte, er hat recht.

Freilich will ich nicht, dass Kinder und Jugendliche sich mit Alkopops bis zur Bewusstlosigkeit zudröhnen; sicher will ich, dass man gegen die "Jeder-Schnaps-ein-Euro"-Saufhütten vorgeht; mit Bestimmtheit fordere ich den Gesetzgeber dazu auf, die Ausnüchterungszelle wieder einzuführen - das bislang beste Medikament zur Entwöhnung. Denn auch mir gehen die Billigfliegerhorden auf den Sack, die jedes Wochenende Berlin und Bratislava heimsuchen, nur weil man sich dort günstig "zuschweißen" (so sagt sehr passend der Österreicher) kann. Diesen "Dienstleistungen" muss Einhalt geboten werden.

Verbote, Verbote, Verbote

In meiner Kindheit war die Leberzirrhose noch eine beliebte Todesart unter Männern. Die sind dann dem Pensionssystem auch nicht mehr zur Last gefallen. Ebensowenig, wie die Raucher. Aber mal ehrlich: Wer kennt heute noch einen richtigen Alkoholiker im Bekanntenkreis?

Nein, ich will nicht verharmlosen. In England und Skandinavien wird der Alkohol zunehmend zum gesellschaftlichen Problem. Und das Problem wird im Strassenbild sichtbar. Doch in Italien und Spanien findet man samstags keine Akoholleichen auf der Strasse. Und auch die Leberzirrhose war hier nie eine weit verbreitete Todesursache. Denn Alkohol ist hier vor allem Wein. Und noch ein Grappa nach dem Essen. Mehr war nicht. Lange Jahre.

Man kann jetzt über den Verfall der Kultur jammern, vor allem der Trinkkultur, die Südeuropa (dazu gehört auch Bayern und Bawü) seit jeher prägt. Südeuropa ist ohne Wein nicht vorstellbar. Doch wer sieht, wie sich vor allem die Italiener widerspruchslos den neuen Regeln von Nation und Union ergeben, der darf auch annehmen, dass selbst in Italien ein Alkoholverbot durchgeht. Auch ohne Berlusconi an der Spitze des Staates.

Nun alle mal das Volksvermögen schonen und zum Trinken aufhören

Alles Zetern wird wenig helfen: Weltweit ist eine Gemeinschaft von schwarzmalenden Gesundheitsaposteln auf den Vormarsch, die ihren Ranzen von der Ökonomieberater-Lobby gefüllt bekommen. Gesünder Leben schont das Volksvermögen. Der Raucher (heute), der Alhoholkonsument (morgen), der Wein- und Biertrinker (übermorgen). Sie alle sind Schädlinge der gesunden Gesellschaft. Auf das läuft es hinaus.

Nun könnte man die alten Rituale wiederholen, die schon beim Rauchen nicht gefruchtet haben. Besser wäre aber, man zieht sich auf die Kulturfront zurück. Denn dieses Bollwerk kann die anrückende Armee der Freudlosen nicht überwinden.

So muss die kommende Debatte über Alkoholverbote zum Kulturkampf stilisiert werden. Und zum Identitätskrieg. Es geht nicht an, dass ideologisch beeinflusste Regelwerke in den jahrhundertelang erprobten Umgang mit leichten und Freude stiftenden Drogen eingreift, nur weil unterbeschäftigte und überbezahlte Beamte ihr Ego stärken.

Regelwerke von Vollidioten

Und man muss hoffen, dass es weiter Menschen gibt, wie den französischen Landwirtschaftsminister, der in Brüssel auf eine erste Diskussion vor etwa zehn Jahren den legendären Spruch fallen ließ: "Bei einem Alkoholverbot treten wir gemeinsam mit Italien und Spanien aus der Union aus". Das war damals ein Schuss vor den Bug. Jetzt, zehn Jahre später, sind in den weinproduzierenden Ländern andere Minister im Amt.

Und deswegen ist nichts unmöglich. Man muss den Widerstand vorbereiten. Noch ist Zeit. Nicht mehr viel.



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Kommentare 23

Kommentare

Ulrike Mair (via facebook)

ich darf das teilen! Ob die EU zwischenzeitlich noch die Helmpflicht für Barhocker einführen wird?

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Silvia Pelzer (via facebook)

plant doch bitte mein ganzes leben ... ich ersuche um eine wöchentlich menüplanung+einkaufsliste+kochrezept, eine genaue aufstellung, wann ich was zu trinken habe .... darf ich kaffee??? oder tee???, nein kräutertee, aber nicht zu oft, ist auch nicht gesund .... wie viele aspirin pro jahr darf ich zu mir nehmen??? bin für die vergabe von essensmarken und getränkebons ..... ja, danke ... ich bin sonst nicht mehr in der lage, alles in meinem leben zu koordinieren! DANKE

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Ulrike Mair (via facebook)

sehr empfehlenswert zu diesem leidigen Verbotsthema ist auch die fb Gruppe GEBOREN VOR 1984-Wir waren Helden!! (unbed. Text lesen!) ...

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electronic balanced

"Alzo des gibz ja wohl nisht - tzum Saomagn ghört doch ein ordentlisher Shoppn?!?"

...hätte die Birne jetzt verlautbaren lassen. Nun ja, auch heute wird so etwas nie und nimmer umgesetzt werden können, denn alleine die Alkoholiker sind zahlenmässig stärker als die Polizeigewalt. Ironie? Hmmm.

Nun ja - ich glaubs einfach nicht. Bevor das passiert legalisieren diese Typen Cannabis europaweit und die Hölle friert zu.

Der Bürger würde unverzüglich zur Waffe greifen.

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electronic balanced

Achso: Wenn die EU was für die Volksgesundung /-heit tun will, soll sie für 5 Euro pro Tag und Person ein Bio-Bürgermenü mit 3 Haupt- und 2 Zwischenmahlzeiten einführen.

Nicht nur die Gesundheit der Bürger würde sich bessern, wenn Pommes-Rot-Weis oder Curry-Spezial oder McDepp oder BurgerSak wegfielen, nein, vermutlich könnte man sogar die Arbeitslosigkeit senken.

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Maria Antonia (via facebook)

es stimmt, dass uns alles madig gemacht wird, aber eine trinkende Schwangere ist auch zum WEINen...

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Ann Ja Pro Bst (via facebook)

genauso wie eine rauchende.....

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Jürgen Thul (via facebook)

Da wird das Kind mit dem Bade ausgeschüttet ...

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Karin Spitra (via facebook)

entsetzliche Vorstellung!

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Mahatma Herdeg (via facebook)

Naja...ein halbes Gläschen Sekt oder Wein ab und zu (ab und zu <= 1mal/Monat) hat noch kein behindertes Kinde erzeugt. Ich finde das nicht gut, aber tolerierbar. Viel schlimmer sind Schwangere, die eine halbe Schachtel Kippen am Tag plattmachen. Nun ja, wenn die EU Alkohol verbietet, werde ich die Prohibition brechen.

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Gast Amok

Achtung EU

Muss gerade einen lassen

Muss ich das vorher anmelden ?

Ist das schädlich für die Umwelt ?

Wie hoch ist die Schadstoffbelastung ?

Feinstaub?

Sch..... er ist weg............................

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kaputier durstig

ich freue mich auf morgen. morgen erklärt mir der gesetzgeber, wie ich richtig herum auf toilette sitzen muss. ausserdem muss dringend noch der energieverbrauch von nasenhaarschneidern reduziert, die form von käseraspeln eu-weit genormt, die farbe von wäscheklammern vereinheitlicht (endlich!) und ausserdem die anzahl der flatulenzen pro kopf und tag verbindlich definiert werden. (denkt an das methan. schliesslich haben wir haben wir uns die erde doch nur geborgt! von unseren kindern! ja, so ist das!)

ausserdem muss dringend auf jede weinflasche ein aufkleber mit den worten: "der überäßige genuss von rot- und weisswein kann unter umständen etwas dümmlich im kopf machen und sie dadurch zum abgeordnetenstatus im eu-parlament oder zur mitgliedschaft in einem landtag in ihrer nähe verpflichten."

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Matthias Martens (via facebook)

Und was habt Ihr für die GENUSSraucher getan?
War klar dass das kommt.
Barrieren fallen langsam.

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Mister Spuck ... korrigiert

Es gibt keine Genußraucher, sondern neuronal abhängig gemachte Zigarettensüchtige. Das Geschwätz vom Genussrauchen ist ein PR-Trick der Zigarettenlobby. Und Trinken ndn Rauchen kann man nicht vergleichen. Wer an der Bar neben mir raucht, belästigt mich und schadet meinem Körper. Wer neben mir trinkt, tut mir gar nichts. Prostmahlzeit.

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Ahorn

"Es gibt keine Genußraucher" Na das sagen sie mal einem Pfeifen- oder Zigarrenraucher. Als einer, der sich alle ein oder zwei Wochenenden mal eine kubanische goennt (und sonst keine Tabastaebchen oder sonstiges Nikotin) kann ich Ihnen voller Ueberzeugung widersprechen. Dann wirkt das Nikotin uebrigens auch noch merklich: Ein Churchillformat steht einer Flasche Wein nicht nach.

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Matrose Clemens angepisst

der gipfel der blödheit hat leider noch kein ende erreicht:
lt einer relativ neuen studie ist nämlich auch das "passive trinken" äußerst krebserregend - die rede ist vom atem alkoholisierter personen.
der ganze scheiß geht von der who aus. dazu kommt das es bereits erste initiativen in den usa gibt. ihre forderung? erraten: ein alkoholverbot in restaurants, bars und pubs.

ich hab vor kurzem von einer alkoholkritischen initiative aus der französischen nachkriegszeit gelesen. ihre forderung: drei liter pro tag sind genug. das wäre für mich akzeptabel..

ich frag mich wirklich gelegentlich in welch einer zeit wir leben - unter metternich kann es nicht schlimmer gewesen sein!

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Mister Spuck ... beschwichtigt

Oh, bitte unterschätzen Sie nicht Metternich, den Lebemann, Weinfreund und Frauenheld. Wussten Sie eigentlich, dass er an der Mosel geboren wurde?

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Thomas Draschan (via facebook)

ich finde dieses ausspielen von rauchen gegen trinken einfach dumm. die leute sollen saufen so viel sie wollen solange sie danach nicht auto fahren. die reale "gefahr" des alkoholverbots geht gegen null. und zu hause kann auch jeder weiterrauchen so viel er will. im anzengruber können mütter und großmütter gemeinsam mit ihrem 3 jährigen kind gerne weiter kette rauchen. wird's halt ein kretin.

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Thomas Draschan (via facebook)

man kennt deswegen keine alkoholiker weil (sh statistisches bundeszentralamt) der mit 50 stirbt. anekdotisches (meine tante ist 80 geworden und säuft 3liter schnaps am tag) hat ja keine medizinische oder wissenschaftliche aussagekraft wird aber im gemeinen volk als argument immer gern genommen. man kennt die richtigen alkoholiker also nicht weil man die augen verschliesst, weil sie es professionell verheimlichen, und weil sie eben mit 50ig tot sind. unsichtbar. schön zum verdrängen. damit möchte ich nicht gegen das genusstrinken argumentieren und darüberhinaus bin ich für die freigabe aller drogen solange nicht dafür geworben werden darf. aber diese panikmache nur weil endlich mal ein öffentliches rauchverbot eingeführt wurde ist lächerlich. rauchen ist eine elende sucht und hat mit genuss nichts zu tun.

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Alice (via facebook)

rauchen ist in der regel eine sucht. ich rauch seit 20 jahren, nie mehr als eine schachtel pro woche und mein verhälntis zu zigaretten ist ein deutlich weniger suchtgeprägtes als meine beziehung zu nutella ...

problem an dieser ganzen werbungsverbieterei ist die entmündigung. aufklärung ja bitte, aber ungesunde dinge sind eben auch tradition.

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Gottfried Lamprecht (via facebook)

wenn es schon mit der mosel brücke nicht geht
dann sollte das wenigstens hoffentlich abgewehrt werden können

wobei politiker sich gerne mit einem glas wein ablichten lassen, was in brüssel passiert ist schwer zu sagen

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Max Dernet (via facebook)

kein zweifel - wir sind auf dem marsch in die diktatur.

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Mister Spuck ... gerührt

Ach, Max. Und die Diktatur der Warenwelt, die Ihnen einredet, gegen Konsumverbote aufzubegheren...?

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