08.01.11 WEINLEUTE 18 Einem Freund senden

Land unter Mosel: Boote im Keller

Steffens Keller unter Wassser...Steffens Keller unter Wassser...

Manchmal wird der Captain gefragt, was er denn für die Vorteile des so genannten Online-Journalismus hält. Die Schnelligkeit? Das Schwatzhafte? Meistens fragen das Kollegen, die noch in den Printmedien tätig sind. Die gegen 18:00 Uhr ihre Büros verlassen und schick essen gehen. Denn von 18 Uhr abends bis 9 Uhr früh (und auch am Samstag und Sonntag) macht die Welt des Journalimus auch heute noch größenteils Pause. Kein Witz, sondern Wirklichkeit.

Und wenn immerhin die Einsicht entsteht, dass man online schneller an die Information kommt, dann wird gerne auf die Kraft der Filterung, Einschätzung und Bearbeitung hingewiesen. Tenor: Echter Journalismus ist es nur, wenn ein Journalist drübergegangen ist und "bewertet und eingeschätzt" hat. Das nennt man dann "Qualitätsjournalismus", den nur große Medienkonzerne leisten können. Auch das - mit Verlaub - ist Bullshit.

Denn der Captain zeigt heute ein Stück echten Journalismus, wie ihn auch hochbezahlte Profis nur selten zusammenbringen. Dieses Werk kommt von Harald Steffens, einem Winzer an der Mosel, dem gerade der Keller untergeht. Und zwar so richtig.

Filmen im Untergang

Steffens zeigt die Vorbereitungen, die gegen das Hochwasser gertroffen werden, er zeigt, wie er seinen Keller sichert (wo gerade allerhand gutes Zeug in den Fässern liegt). Er zeigt, wie das Wasser kommt und er filmt, wie es in seinen Gewölben jetzt aussieht.

Das alles macht er mit nahezu stoischer Ruhe und einem journalistischem Auge, das auch beweist, wie sehr der Bürger mit Medien inzwischen umzugehen weiß; ja, wie gut er sie selber nutzen kann. Steffens Texte, die Fotos und der Film sind einwandfreier Bürgerjournalismus. Und ein Beweis, dass dieser eine Bereicherung darstellt.

Ein Teil von Steffens Ruhe ist auch der Tatsache zuzuschreiben, dass derartige Hochwasser jene Winzer öfters heimsuchen, die an Flüssen arbeiten. Man weiß hier eben schon, was in gegebenem Falle zu tun ist. Und was geschieht, wird nicht die Existenz kosten.

Allerdings findet auch der Captain die Bilder dramatisch (beim Hochwasser in der Wachau hat es ähnlich ausgesehen und das Wehklagen war definitiv höher) und bewundert Steffens für seine Gelassenheit. Vielleicht ist sein Online-Tagebuch in dieser Situatiuon auch ein klein bisschen Selbstberuhigung. Wir an Bord wünschen Steffens und auch den anderen Winzern in den Hochwassergebeiten alles Gute.



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Kommentare 18

Kommentare

Juppi mitfühlend

Die Kollegen an der unteren Mittel- sowie Terrassenmosel sind da wirklich schon sehr leidgeprüft. Der Pegel steht noch über 2m unter dem Rekordpegel von 1993. Erschreckend ist das dieses Ereignis von dem man ausging das es ein 200jähriges HW wäre inzwischen nach unten auf ein 100jähriges abgestuft wurde und man so immer die Bilder von damals im Kopf hat, mit dem Gedanken das es noch schlimmer kommen kann.
Das wäre dann vergleichbar mit dm 2002er HW in der Wachau.

Hoffen wir das wir sowas nie mehr durchmachen müssen.

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Alexander Ultes (via facebook)

da wird einem ganz anders

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Fabian Paul Nestler (via facebook)

ach du scheiße

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Gast ... weiß nicht wie ich mich fühle, bin erkältet.

Nächte Woche sieht man den Löwenstein wieder mit Stumpen im Mundwinkel im Gummiboot im Keller dümpeln, auf den Zug wird er bestimmt aufspringen, außer er ließt es jetzt und läßt dem Gut Kes die Aufmerksamkeit.

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Museler

Katastrophe? Das ist -bis jetzt- nur ein ganz normales Hochwasser, wie es sie in den siebzigern und achtzigern ein- bis zweimal im Jahr gab. Klar sieht das für Außenstehende schlimm aus, aber die Leute wissen was zu machen ist. Wenn es allerdings höher wird und sich der Höhe von 83 oder gar 93 annähert, dann wird es unangenehm.

Siehe hierzu auch http://www.volksfreund.de/nachrichten/region/rheinlandpfalz/rheinlandpfa...

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Der Captain

Finden Sie im Text das Wort "Katastrophe"?

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Museler

Ok, nicht "Katastrophe", aber "dramatisch".

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Der Captain (auswärts)

Und das ist es wohl auch..

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Museler

Aber höchstens leicht dramatisch. Solange Trier die 9 Meter nicht erreicht ist es ein "normales, leichtes Hochwasser". Aber überdramatisieren ist anscheinend normal geworden...

BTW: Zitat aus http://www.volksfreund.de/nachrichten/region/rheinlandpfalz/rheinlandpfa...

"Von Panik war nach Angaben der Behörden aber nichts zu spüren. „Die Moselaner gehen mit dem Hochwasser sehr routiniert um“, sagte ein Polizeisprecher in Zell. Sie hätten die lange Vorlaufzeit genutzt und ihre Keller geräumt. Von größeren Schäden sei noch nichts bekannt. Allerdings setze langsam ein „Hochwassertourismus“ ein."

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Der Captain

Warten wir die nächsten Tage ab und hoffen das beste. Die Prognose ist schlecht. Und so tun, als wäre ein überfluteter Keller Teil der Normalität und mache auch finanziell (Versicherung hin und her) keine Probleme, finde ich jetzt irgendwie unangebracht cool. Ich möchte diese Probleme nicht haben. Als Winzer in Bolgheri..

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Museler

Darf ich mal fragen, woher die schlechte Prognose für die Mosel kommt? Ich lese nur von fallenden Pegeln.

Diese Keller liegen im Überschwemmungsgebiet und damit muss man halt leben. Die jetzt überfluteten Keller werden bei jedem Durchschnittshochwasser überflutet und nur weil es in den letzten Jahren wenige Hochwasser gab, heißt das nicht, dass die Mosel nicht kommt. Sprich ein überfluteter Keller ist Teil der Normalität. Wer das nicht haben will muss woanders bauen.

BTW: In Rheinland-Pfalz gibt es für Hochwasser im Überschwemmungsgebiet keine Versicherung.

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Der Captain

DWD und SPON haben gestern neue Regenfälle angekündigt. Aber ich werde das jetzt hier nicht diskutieren..

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Museler unaufgeregt

Ich vertraue bei den Hochwasservorhersagen ehr den Experten vom Hochwassermeldezentrum Trier, nicht den "Boulevardleuten" vom ehemaligen Nachrichtenmagazin. Die einen wissen woher das Moselhochwasser kommt, die anderen wollen/müssen, um Klicks zu erzielen, immer neue "hyperdramatische" Meldungen generieren. Aber jeder wie er mag, halt "seriös und unaufgeregt" oder "dramatisch"; das ist wohl eine Charakterfrage ...

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Gast genervt

Ich würde hier ja gerne des öfteren lesen - aber das Design dieser Seite ist wirklich unter aller Sau!
Zudem werden ohne Ende Ressoursen verbraucht - wofür eigentlich? Das hier ist die langsamste Seite die ich kenne!!!

Ändert das mal bitte.
danke.

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Der Captain

Ich muss Sie enttäuschen, wir haben nicht vor, das Design zu ändern. Die Geschwindigkeit hingegen schon..

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Gast

Ich kann übrigens auch die Weine von Herrn Steffens sehr empfehlen. Zwar hab ich seit dem Jahrgang 2006 keinen mehr probiert, aber die 2006er waren alle spitzenmäßig und werden von Jahr zu Jahr besser, v.a. die Basisqualitäten. Ich denke, auch mit aufgeweichten Ettiketen dürften die schmecken.

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Reiner Blumberg ...schmunzelt

Dies war ein relativ kleines Hochwasser, lediglich die Medien haben was Großes draus gemacht und sich dann gewundert über die Gelassenheit der Anrainer. Anhand des Videos vom letzten Samstag, gerade als der Scheitelpunkt Bernkastel erreichte, kann man dies anhand der Hochwassermarken am Haus sehr gut erkennen: http://www.youtube.com/watch?v=3hZvVTPqIdo

Orte wie Kesten oder Lieser hatten trockene Füße, genauso wie der Ministerpräsident: http://www.youtube.com/watch?v=Kw6WffslNM0

Wird Zeit, dass die Crew hier mal wieder auf der Mosel schippert und sich ein reales Bild macht.

Kompliment an den Reiler für die schönen Aufnahmen.

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Harald Steffens ...Sehr gut

@Reiner Blumberg: Danke für das Kompliment.

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