Manchmal wird der Captain gefragt, was er denn für die Vorteile des so genannten Online-Journalismus hält. Die Schnelligkeit? Das Schwatzhafte? Meistens fragen das Kollegen, die noch in den Printmedien tätig sind. Die gegen 18:00 Uhr ihre Büros verlassen und schick essen gehen. Denn von 18 Uhr abends bis 9 Uhr früh (und auch am Samstag und Sonntag) macht die Welt des Journalimus auch heute noch größenteils Pause. Kein Witz, sondern Wirklichkeit.
Und wenn immerhin die Einsicht entsteht, dass man online schneller an die Information kommt, dann wird gerne auf die Kraft der Filterung, Einschätzung und Bearbeitung hingewiesen. Tenor: Echter Journalismus ist es nur, wenn ein Journalist drübergegangen ist und "bewertet und eingeschätzt" hat. Das nennt man dann "Qualitätsjournalismus", den nur große Medienkonzerne leisten können. Auch das - mit Verlaub - ist Bullshit.
Denn der Captain zeigt heute ein Stück echten Journalismus, wie ihn auch hochbezahlte Profis nur selten zusammenbringen. Dieses Werk kommt von Harald Steffens, einem Winzer an der Mosel, dem gerade der Keller untergeht. Und zwar so richtig.
Filmen im Untergang
Steffens zeigt die Vorbereitungen, die gegen das Hochwasser gertroffen werden, er zeigt, wie er seinen Keller sichert (wo gerade allerhand gutes Zeug in den Fässern liegt). Er zeigt, wie das Wasser kommt und er filmt, wie es in seinen Gewölben jetzt aussieht.
Das alles macht er mit nahezu stoischer Ruhe und einem journalistischem Auge, das auch beweist, wie sehr der Bürger mit Medien inzwischen umzugehen weiß; ja, wie gut er sie selber nutzen kann. Steffens Texte, die Fotos und der Film sind einwandfreier Bürgerjournalismus. Und ein Beweis, dass dieser eine Bereicherung darstellt.
Ein Teil von Steffens Ruhe ist auch der Tatsache zuzuschreiben, dass derartige Hochwasser jene Winzer öfters heimsuchen, die an Flüssen arbeiten. Man weiß hier eben schon, was in gegebenem Falle zu tun ist. Und was geschieht, wird nicht die Existenz kosten.
Allerdings findet auch der Captain die Bilder dramatisch (beim Hochwasser in der Wachau hat es ähnlich ausgesehen und das Wehklagen war definitiv höher) und bewundert Steffens für seine Gelassenheit. Vielleicht ist sein Online-Tagebuch in dieser Situatiuon auch ein klein bisschen Selbstberuhigung. Wir an Bord wünschen Steffens und auch den anderen Winzern in den Hochwassergebeiten alles Gute.
- Hier geht es zum Online-Tagebuch über das Hochwasser
- Und hier direkt zum Film







Steffens Keller unter Wassser... 





Die Kollegen an der unteren Mittel- sowie Terrassenmosel sind da wirklich schon sehr leidgeprüft. Der Pegel steht noch über 2m unter dem Rekordpegel von 1993. Erschreckend ist das dieses Ereignis von dem man ausging das es ein 200jähriges HW wäre inzwischen nach unten auf ein 100jähriges abgestuft wurde und man so immer die Bilder von damals im Kopf hat, mit dem Gedanken das es noch schlimmer kommen kann.
Das wäre dann vergleichbar mit dm 2002er HW in der Wachau.
Hoffen wir das wir sowas nie mehr durchmachen müssen.