Ein Gang vom Schreiberweg weg in Richtung Kahlenberg, bergauf durch die Weingärten. Manche sind gut gepflegt, manche weniger, einige total verrottet. Immer öfter sieht man auch eine kahle Stelle, auf der eine Neupflanzung vorbereitet wird. Wem gehören diese Flächen? Den kleinen Heurigenwinzern von Grinzing und Döbling? Das war vor Jahren. Die wesentlichsten Lagen des Wiener Weinbaus werden heute von einer Handvoll Unternehmern bewirtschaftet. Einer jener ist der Finanzinvestor Hans Schmid, ein schillernder Kreativer mit Hang zur marktwirtschaftlich orientieren Sozialdemokratie.
Schmid empfängt den Besucher in seinem Winzerhaus, dem „Roten Haus", ganz oben am Nussberg. Er lässt die Überdachung der Veranda ausfahren und holt ein paar seiner neuen Weine aus dem Klimaschrank. Heute abend gibt er eine Verkostung für Freunde, Schmid sagt, er genieße das Leben hier oben, abseits der Society. Und dem Trubel doch nah.
Es ist 1990, es ist Frühjahr, es ist ein Uhr früh. In der Nähe des alten Schlachthofes St. Marx brennt noch Licht. Kein Wunder, befindet sich hier doch die Redaktion der Tageszeitung AZ, der Arbeiter-Zeitung, der zu diesem Zeitpunkt schon ehemaligen Parteizeitung der Sozialdemokratischen Partei Österreichs. Doch es sind nicht die fleißigen und umtriebigen Redakteure, die hier spätnachts noch an einer Mutation ihrer Tagesausgabe basteln. Nein, die Journalisten des ehemaligen Kampfblattes lassen schon seit Jahren die Arbeit vor fünf Uhr Nachmittags ruhen. Licht brennt bloß im Büro des Herausgebers, wo der Eigentümer der Zeitung, der Werbeunternehmer Hans Schmid, Zahlen mit Fakten vergleicht. Wenig später geht Schmid alleine durch die halbdunklen Räume und seufzt laut vor sich hin. Unbemerkt lauscht der letzte Anwesende, der in der Dunkelkammer arbeitende Leiter der Fotoredaktion, diesem Seufzer. Und weiß: mit dem Blatt geht es zu Ende.
Das einzig bekannte Millionengrab
Die Arbeiter-Zeitung bleibt das einzige bekannte Millionengrab des Hans Schmid, eine schwere, aber nicht die schwerste Zeit seines Lebens. Man hat ihm diesen Sanierungsfall von Seite der Sozialdemokratischen Partei angeboten. Schmid hat angenommen, nachdem man ihm Unterstützung und langfristige Kredite zugesagt hatte. Bloß: das Geld kam nie. Und die ersten, die ihre Abonnemente kündigten, waren sozialdemokratische Unternehmungen und Ministerien.
Diese Episode ist wichtig, um Hans Schmid verstehen zu lernen. Der Mann kann aus Leidenschaft verlieren. Aus Leidenschaft übernachtete er einst mit seinem besten Grafiker, dem später stilbildenden Art-Director Lo Breier, in seinem Jaguar, da beide zwar die Barschaft für diese repräsentative Limousine hatten, nicht aber über liquides Geld für ein Hotel verfügten. Doch am nächsten Tag - so will es die Legende - standen Schmid und Breier perfekt gekleidet (Blazer, weißes Hemd, schwarze Maßschuhe) bei den Direktoren an und verkauften Kampagnen. Man schrieb die frühen Siebziger und alles Interessante erstand aus der Asche des Miefs der Nachkriegsjahre.
Zeitgeist rulez
So war es auch Leidenschaft, die Schmid den "Wiener" übernehmen ließ, eine Illustrierte für „Zeitgeist", die aus Jux entstand und seinem langjährigen Freund, dem Filmer und Kreativdirektor Gert Winkler gehörte. Die Chefredakteure Markus Peichl & Michael Hopp schufen ein postpolitisches Objekt der Begierde, das selbst Manager des Magazinriesen Gruner & Jahr nach Wien pilgern ließ, um Abwerbungen vorzunehmen. Doch mit Geld konnten die hedonistischen Journalisten nicht umgehen und so machte der Wiener bald die irrwitzigsten Miesen der österreichischen Magazingeschichte. Schmid zahlte alles, Schmid ließ sich von den Granden der Sozialdemokratie für Sozialdemokratie-kritische Artikel vor den Kanzler zerren, dessen Wahlplakate er gestalten durfte. Irgendwann lief das Fass über und die Redaktion verflüchtigte sich nach Deutschland bevor Schmid sie gekündigt hätte. Was danach kam war Mittelmaß, verdiente aber Geld. Die Verluste des frühen Wiener und der späten AZ zahlte Schmid aus den Gewinnen seiner Werbeagentur GGK, ein europaweites Kreativnetzwerk, das ihm zuletzt zur Gänze gehörte.
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Gute Sicht auf seine Heimat... 





(...) freundliche geschichte, etwas ausschweifend und meandernd. aber nettes portrait über den für viele bis heute bedeutendsten österreichischen werber alive.