18.11.10 WEINWISSEN 39 Einem Freund senden

Weinführer: Gepflegte Langeweile

Herr Leitz aus Rüdesheim. Ein Gewinner. Man beachte die Unterarme...Herr Leitz aus Rüdesheim. Ein Gewinner. Man beachte die Unterarme...

Was ist noch spannender als jeder neue Jahrgang? Antwort: Die Wertungen im neuen Gault Millau Weinguide, dem gefühlt immer noch wichtigsten Weinführer Deutschlands. In ähnlicher Sphäre bewegt sich der Weinführer von Gerhard Eichelmann. Eichelmann - das klingt auch gleich noch seriöser als Gault-Millau, klingt mehr nach universellem Wissen. Eichelmann: Das ist der Brockhaus des guten Geschmacks.

Beiden gemein ist, dass sie von Jahr zu Jahr immer dicker werden. Es wächst halt inzwischen viel guter Wein in deutschen Landen. Während man sich bei Eichelmann noch die Mühe macht, einige Worte zu den Weinen zu verlieren, sind im Gault Millau die vergebenen Punkte eine Art Gesetz. Nackte Punkte, die nichts verraten. Das war früher einmal anders.

Wäre es auch heute noch anders, würde es am gegenwärtigen Status des Gault-Millau aber auch nichts ändern. Das Weingeschäft ist ein Sumpf und man muss als Autor darauf achten, dass man nur ein bisschen darin versinkt. Bis zu den Knöcheln vielleicht.

Winzer des Jahres: Immer wieder keine Überraschung.

Die beiden Weinguides wählen jedes Jahr ihre Favoriten, ihre "Winzer des Jahres", ihre "Kollektion des Jahres". Doch leider, leider haben die Ehrungen dieses Jahr etwas Uninspiriertes. Das ist schade, denn beide Guides hätten durchaus die Möglichkeit, abseits der immer gleichen Namen Spannendes und Neues zu entdecken. Und dies auch zu würdigen. Sicher, „Winzer des Jahres" oder „Kollektion des Jahres" sind Meilensteine. Doch sie feiern vor allem bekannte Namen. Warum aber nicht statt eines Alibiwinzers, wie bei Gault-Millau, gleich drei oder vier „Aufsteiger des Jahres" oder „Entdeckungen des Jahres" präsentieren? Dass Winzer wie Joh. Jos. Prüm die feinsten Spätlesen im Land machen, ist doch hinlänglich bekannt. Das sind verpasste Chancen, die beiden Führern, vor allem dem Gault Millau, über kurz oder lang Leser kosten werden.

Johannes Leitz aus Rüdesheim gehört zu den stillen Winzern im Land. Man trifft ihn manchmal auf den wichtigen Messen, aber sein Hauptgeschäft ist der Export, er hält sich nicht viel in Deutschland auf. Leitz hat sein Weingut aus dem Nichts gegründet - eine echte Leistung. Der Stil seiner Weine aus dem berühmten Rüdesheimer Berg, der einzigen echten Berglage im Rheingau, ist leicht in ein Wort zu fassen: massiv.

Leitz zum „Winzer des Jahres" zu machen ist nachvollziehbar, wenn man sein Lebenswerk betrachtet. Betrachtet man die wirklich guten, erfreulich alkoholarmen und sehr saftigen 2009er von Leitz, so ist die Wahl plausibel. Aber auch nur, wenn es unbedingt jemand aus dem Rheingau sein muss. Und das ist hier wohl auch ein Motiv.

Knipser für Weißwein auszuzeichnen: Eine kluge Entscheidung

Gerhard Eichelmann kürt die besten Kollektionen des Jahres in rot, weiß und edelsüß. Und auch, wenn seine Wahl der Winzer ebenfalls keine Überraschungen bietet, so ist es schräg wie richtig, dass er das Weingut Knipser für seine Weißweine auszeichnet. Schräg, weil Knipsers Aushängeschild eindeutig die Rotweine sind. Richtig, weil Knipsers Weißweine zu den puristischsten und trinkfreudigsten Weinen Deutschands zählen. Sehr trocken, sehr aromatisch, angenehm leicht im Alkohol. Eine kluge, eine ungewöhnliche Kür.

Bei den Rotweinen zeichnte Eichelmann das Weingut Fürst aus Franken aus. Rudolf Fürst macht die feinsten Burgunder in Deutschland. Und zwar seit über 20 Jahren. Seine Cuvée „Parzival" war vor kurzem erst Thema an Bord. Sicher keine falsche Wahl, nur eben eine konservative, eine langweilige. Ich kenne keinen Jahrgang, in dem man diesem Weingut diese Auszeichnung verwehren hätte können. Warum erst dieses Jahr, warum so spät?

Die Ehrung der besten edelsüßen Kollektion konnte das Weingut von Tim Fröhlich (Schäfer-Fröhlich) entgegennehmen. Ich werde aus diesem sehr glatten, sehr polierten Stil von Fröhlich nicht schlau. Auch der Gault Millau liebt Fröhlich. Also wird schon etwas dran sein. Mir erschließt es sich nicht.

Der Einäugige wird König

Im Gault-Millau darf sich die Familie Aldinger über die „Kollektion des Jahres" freuen. Eine nachvollziehbare Entscheidung. Aber da Württemberg qualitativ ohnehin brach liegt, wurde hier der Einäugige zum König gemacht. Aldingers Lemberger sind ganz fabelhafte, erdverbundene Weine, keine Frage! Und die Rieslinge werden auch von Jahr zu Jahr besser. Doch meine Wahl wäre vermutlich auf den jungen Schwaben Jochen Beurer gefallen, der mit ungeheuer spannenden Rieslingen und unaufgeregten, saftigen Rotweinen zur Gebietsspitze gehört. Aber den ignoriert man seit Jahren.

Beide Guides vergeben auch die Auszeichnung „Aufsteiger des Jahres". Philipp Kuhn (Gault Millau) ist inzwischen ein etablierter Winzer und sicher kein Aufsteiger mehr, dessen Weine noch enorme Sprünge machen müssen. Ein sehr gutes Weingut mit spannenden Produkten auf solidem Niveau. Für mich keine Veränderung in den letzten drei Jahren. Eichelmanns Aufsteiger, das Weingut von Winning, ist da schon plausibler. Aber leider auch eine abgehetzte Sau, die im letzten Jahr rastlos durchs Internet und die Fachpresse getrieben wurde. Also keine Überraschung. Keine Spannung. Nichts, das Euphorie erzeugen würde. Nichts, für das man beide Guides beglückwünschen könnte. Nichts, das der Szene einen Input geben könnte. Gepflegte Langeweile.

Doch halt: Einen Überraschung gibt es. Und zwar die „Entdeckung des Jahres" im Gault-Millau: Arno Augustin aus Sulzfeld in Franken. Den kenne noch nicht mal ich. Nie gehört.

  • Der Captain empfiehlt den Riesling Stettener Pulvermächer von Jochen Beurer, unser Aufsteiger des Jahres. Für seltsam geringe 9,80 Euro ab Weingut

Die meisten der ausgezeichneten Betriebe sind Mitglieder beim VDP



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Kommentare 39

Kommentare

Gast

Es ist sicherlich richtig, dass die Guides nicht gerade revolutionäre Entscheidungen treffen und ziemlich oft die Awards an die Altbekannten geben. Gut finde ich aber, dass man doch den ein oder anderen unbekannten Winzer neu entdecken kann oder dass man erfährt, wenn ein Weingut auf dem absteigenden Ast ist. Vielleicht wollen die Guides auch gar nicht aufregend und neu sein, sondern nur einen guten Überblick über die Weine des letzten Jahrgangs geben.

Für punktuelle Tips schaue ich dann halt auf Captain Cork!

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Vinophil ...zustimmend

Hi Felix,

da kann ich dir nur zustimmen - es ist einfach viel zu schade, dass die aufstrebenden Betriebe nicht die Aufmerksamkeit bekommen, die sich verdienen (und brauchen).

Eine Anmerkung:

"...Rüdesheimer Berg, der einzigen echten Berglage im Rheingau..."

Das klingt ja sehr nobel (vor allem für einen Rüdesheimer;) aber was ist mit Assmannshausen (Höllenberg, Frankenthal) und Lorch (Krone usw..) sind dies etwa keine "echten Berglagen" ?

Cheers

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Felix Eschenauer

Klar, beides Berglagen. Auch wenn mir der Rüdesheimer Berg einen Tick steiler, extremer vorkommt (gerade Kaisersteinfels und Schlossberg). Aber nur wer im Hang arbeiten muss, weiß, dass jeder Steilhang Maloche ist.

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Master at Arms

Hallo Felix,

vollkommene Zustimmung zu deiner Beurteilung der Prämierungen. Was mich nach der Bekanntgabe der Ergebnisse sehr geärgert hat war, dass dieses Jahr kein MSR-Winzer besonders geehrt wurde. Diese Diskrepanz zwischen den Bewertungen der besten Spät- und Auslesen und den Kollektionsbewertungen ist dieses Jahr in beiden Führen sehr auffällig.

Lediglich die Bewertung des Herrenberg-Kabinetts von v. Schubert (als bester Kabinett) hat mich etwas versöhnt.

Grüße

Marc

PS: @ Vinophil: Lorch ist zwar rechtlich dem Rheingau zugeordnet. Von der Typizität (und der Geographie) gehört es eher zum Mittelrhein.

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Der Captain

Ich bitte im Sinne der Leser auf Geheimsprache zu verzichten: MSR = Mosel-Saar-Ruwer

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Master at Arms unerwartet korrekt

v. Schubert = Carl von Schubert'sche Gutsverwaltung Maximin Grünhaus vormals Freiherr von Stumm-Halberg

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Vinophil ...kopfschüttelnd

@Marc herzlichen Dank für die Aufklärung.

Deiner Argumentation nach, könnte man ebenso sagen, dass Lorch "eher zur Mosel" gehört.

Versteh mich nicht falsch, ich bevorzuge persönlich rheingauer Weine vom Berg & und von hinter der Rheinbiegung - gerade weil sie stilistisch viel mit dem Mittelrhein und oft auch der Mosel gemein haben.

Aber nichtsdestotrotz ist Lorch Rheingau.

PS: Komme aus dem Rheingau, und stand nicht nur zu "spazierzwecken" im Wingert;)

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Master at Arms

@ Vinophil: Ich hab' es zwas auch schon so rum gehört, dass Winningen eher Mittelrhein als Mosel ist. Seis drum.

--> Klar ist Lorch offiziell Teil des Rheingaus. Ich würde aber trotzdem nie jemandem, der mich nach einem typischen Rhheingauer fragt, eine Lorcher Krone vorsetzen.

Grüße MoA

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Peter Jakob (via facebook)

Der Artikel ist aber auch gepflegte Langeweile. :)

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SinZin

in diesem artikel findet sich alles wieder was in den weinkarten die wiederspiegelung erfährt. nein, verzeihung, der artikel kann nichts dafür das die beiden weinführer derartig schemenhaft und eintönig vorgehen. aber genau solche weinführer sind der grund dieser einheitlichen weinkarten. der normale geniesser der sich nicht tagein tagaus mit wein beschäftigt muss sich auf solche führer verlassen.

der gastronom hat nichts weiter zu tun als diese einkaufsliste zu nehmen, und schwupp, suchen sich die gäste die wohlbekannten heraus.

gott seis gedankt gibt es doch noch (und immer mehr) menschen die sich bewusster und aufrichtiger ernähren. das führt zur entwicklung von eigenem geschmack. dafür gibts noch keinen führer, zu gering einfach die erwartete leserschaft und nutzniesser. und winzer des jahres herr fürst, das ist eher eine auszeichnung fürs lebenswerk! winzer des jahres für mich daniel wagner stempel. rheinhessen.

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Master at Arms

Hallo Felix,

warum musste es eigenlich "einer aus dem Rheingau" sein? Hast du Ideen?

Grüße

Marc

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Felix Eschenauer

"Winzer des Jahres": GM 2007, Theo Haart (Mosel); GM 2008, Bernhard Huber (Baden); GM 2009, Weingut Knipser (Pfalz); GM 2010, Tim Fröhlich (Nahe), deshalb GM 2011 Johannes Leitz - Rheingau. Vielleicht...

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Master at Arms

klingt nach einem Abzählreim...

das erschüttert mein Vertrauen in die Unfehlbarkeit des Führers ;-)

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Dirk Würtz ...fröhlich

Die steilste Lage im Rheingau ist, denke ich mal, der Höllenberg und dann erst der Schlossberg (und der ist schon verflucht steil!!!)
Zum Führer...äh...darf man dieses Nazi-Wort benutzen??? :-))))
Letztes Jahr gab es einen ziemlichen Hype, wegen der Diel Story, dieses Jahr ist es deutlich ruhiger. Ich persönlich warte noch auf ein, zwei Infos inklusive einem hochinteressanten Brief und werde dann auch einmal auf meinem Blog ein kleines Fässchen öffnen :-)
Grundsätzlich glaube ich, ist die Zeit der "Führer" im bisher gekannten Stil, vorbei. Egal wie sie heißen. Die Zukunft gehört einer neuen, noch final zu definierenden Art eines Weinführers im Netz. Ich habe da auch schon eine Idee...

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Dirk Würtz ...fröhlich

Die steilste Lage im Rheingau ist, denke ich mal, der Höllenberg und dann erst der Schlossberg (und der ist schon verflucht steil!!!)
Zum Führer...äh...darf man dieses Nazi-Wort benutzen??? :-))))
Letztes Jahr gab es einen ziemlichen Hype, wegen der Diel Story, dieses Jahr ist es deutlich ruhiger. Ich persönlich warte noch auf ein, zwei Infos inklusive einem hochinteressanten Brief und werde dann auch einmal auf meinem Blog ein kleines Fässchen öffnen :-)
Grundsätzlich glaube ich, ist die Zeit der "Führer" im bisher gekannten Stil, vorbei. Egal wie sie heißen. Die Zukunft gehört einer neuen, noch final zu definierenden Art eines Weinführers im Netz. Ich habe da auch schon eine Idee...

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Gast

Das Internet hat ja unzweifelhaft seine Vorteile, aber die Haptik eines geschriebenen Weinführers ist m.E. unschlagbar. Da wird wenigstens auch die Rechtschreibung mal überprüft und es finden sich nicht nach jedem Satz zehn Ausrufezeichen, Punkte und Klammern.

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Master at Arms

Die Haptik einer Weinflasche ist auch klasse. Dennoch zählt der Inhalt. Ich sehe das auch wie Dirk Würtz. Gedruckte Weinführer sind tot. Abgesehen davon, dass sie von der Aktualität her ein schlechter Witz sind.

Wein-Plus oder diese "VKN-Datenbank" oder cellartracker sind wesentlich aktueller.

Grüße

Marc

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Gast

Mag sein, dass die genannten Websites aktueller sind. Aber jedenfalls Wein-Plus oder diese "VKN-Datenbank" und auch so gut wie alle deutschen Wein-Blogs (Cork mal ausgenommen) sehen grafisch so schrecklich aus. Die will man gar nicht benutzen. Da ist man noch im Zeitalter der gedruckten Führer steckengeblieben (oder im Anfangszeitalter des Internets). Bis da mal eine gut gemachte Übersichtsseite entstanden ist (so wie z.B. Jancis Robinson), benutze ich doch lieber altmodische und völlig veraltete gedruckte Weinguides.

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weinkult

Ich stimme da Master of Arms völlig zu, denn alle "aktuellen" Weinführer sind zum Erscheinungstermin mindestens ein Jahr veraltet.

Viele Grüße

Jens

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Ringo Reblaus ...amüsiert

ich kann ein amüsiertes grinsen nicht unterdrücken: de wääärtz plappert fröhlich drauf los, dass die zeit der "führer" im bisher gekannten stil vorbei sei (wieso eigentlich? und selbstverständlich hat er schon eine bessere idee...) und sofort findet sich jemand der noch eins drauf setzt und sie gleich für ganz tot erklärt (auch hier die frage wieso? wo sind die argumente? aktualität bei einem jährlichen guide zu vermissen ist da wohl eher dem aktualitätswahn des internets geschuldet)...
und der text von hrn. eschenauer? irgendwie hatte ich beim lesen das gefühl, dass die beiden "führer" hätten auszeichnen können, wen sie wollen...etwas zu kritisieren hätte hr. eschenauer vermutlich an jeder entscheidung gefunden. und das spricht ja auch für die vielfalt in deutschen weinbergen, es ist eben schwierig, sich für einen favoriten zu entscheiden.
von der unter dem titel versprochenen "aufregenden wirklichkeit", die die langweiligen guides nicht widerspiegeln, findet sich in dem text leider auch nicht viel, na, immerhin ein name wird genannt, jochen beurer. und siehe da: beim eichelmann hat beurer ja auch stolze 3,5 sterne als betriebsbewertung, mit dem kommentar "uns gefällt das sehr: weiter so!". man sollte ein buch nicht nach seinem umschlag beurteilen. und einen weinguide nicht nur nach seinen - jährlich wechselnden - favoriten...;-)

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Felix Eschenauer

Jede meine Alternativen wäre doch genauso diskussionswürdig gewesen, wie die Entscheidungen von GM oder Eichelmann. Empfehlungen gibt es hier täglich, aber sie heißen halt nicht "Winzer des Jahres".

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Ringo Reblaus

ja, sage ich doch: jede entscheidung ist im zweifelsfall diskussionswürdig...es gibt eben mittlerweile - zum glück - so viele gute deutsche winzer ;-)

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Ringo Reblaus ...kopfschüttelnd

@ weinkult: was ist denn daran veraltet, wenn in den guides die aktuell erhältlichen weine des letzten in flaschen gefüllten jahrgangs verzeichnet sind? und gar um ein jahr? ja, sollen jetzt die herren payne und matthäs und eichelmann und wie sie alle heissen die keller der weingüter stürmen und die weine noch während der gärung beurteilen?!?

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Dirk Würtz ...pfhhh

Ringo Reblaus... klasse... Wenn ein Weinführer Weine bewertet als Top-Weine, von denen so gut wie keiner mehr erhältlich ist und das ganze Buch vorzugsweise von Winzern gekauft wird, was ist das dann? Ein Einkaufsführer für Verbraucher? Wohl kaum. Wie auch immer: klar bin ich eher Aktualitäts -sprich Internetaffin. Das ist etwas ganz Grundsätzliches, losgelöst vom Thema Wein. Das Netz ist die Zukunft, das Papier die Vergangenheit. Ich gehe jetzt wieder Skat spielen, wie immer Donnerstags :-)

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Peter Jakob

Hi Dirk,
ich hoffe Du spielst Online-Skat und nicht die alte Papp-(Papier)-Variante! :))
Liebe Grüße
Peter

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Wolfgang Schön (via facebook)

‎"Da Württemberg qualitativ ohnehin brach liegt, wurde hier der Einäugige zum König gemacht": Da scheint der Captain aber in keinster Weise mitbekommen zu haben, was sich in Württemberg in den vergangenen Jahren qualitativ getan hat. So was sind gepflegte, langweilige Vorurteile fern jeglicher Realität.

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Felix Eschenauer

Namen bitte und zwar solche, die eine ähnliche Dynamik verbreiten, wie dies die jungen Güter in Rheinhessen, der Pfalz oder jene von der Mosel tun. Württeberg verfügt über die allerbesten Lagen, leider gibt es nicht mehr als zwei Handvoll Winzer, die spannende Weine daraus machen. Ich weiß, dass Württemberg zu den Regionen gehört, in denen allein die Herkuft als Qualitätssiegel gilt und finde das sehr befremdlich.

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charlie

Die VKN-Datenbank ist von der usablity her wunderbar. Gast, bitte nochmal reinschauen!

Bücher können haptisch gut sein, aber doch nicht die beiden.

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Thomas H.

Also ich hoffe doch das es diese Weinführer noch lange gibt. Zweifle aber gar nicht daran.
Übrigens: vor ca.20 Jahren hat man auch schon vom papierlosen Büro gesprochen! und was ist daraus geworden? - Es wird faßt mehr benötigt als je zuvor!!
Persönlich blättere ich um vieles lieber in einem Weinguide oder Weinzeitschrift als im Internet herum zu surfen um eventuell irgendeine Empfehlung zu erhaschen.
Für mich sind diese Weinforen und Blogs eine Ergänzung, hin und wieder ganz lustig zu lesen. Mehr nicht!

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Gast

Stimme Thomas H. zu. Der große Vorteil des Gault Millau ist m.E. auch Folgender: Man bekommt einmal im Jahr einen Überblick über sehr viele getestete und aus Sicht des Guides empfehlenswerte Betriebe. Man sieht, wer auf dem aufsteigenden und wer auf dem absteigenden Ast ist. Man hat Top 10 Listen der besten Weine in bestimmten Kategorien. Man hat Preis-Leistungs-Empfehlungen und die Slowfood Empfehlungen für regionaltypische Weine zu niedrigem Preis. Alles subjektiv - klar - aber immerhin auf einer richtig breiten Basis ermittelt. Wer Winzer des Jahres ist oder Aufsteiger des Jahres ist mir als Konsument offen gesagt pupsegal.

Wenn man dann den Überblick des Guides hat, kann man den Empfehlungen folgen oder nicht. Ich persönlich interessiere mich z.B. erst seit zwei Jahren oder so vertiefter für Wein und v.a. für deutschen Wein. Wenn ich nur die Blogs hätte oder nur die Verkostungsnotizdatenbanken oder nur die Zeitschriften-Beiträge zu den Top-Gewächsen des Jahrgangs, dann wäre meine Informationsbasis ehrlich gesagt ein bisschen beschränkt. Als Ergänzung gerne, als einzige Infoquelle dürftig. Ich bin persönlich schon vielen Empfehlungen des Gault Millau gefolgt (insbesondere auch bezüglich weniger bekannter Güter, z.B. aus Baden). Zu ca. 50% war ich begeistert, zu ca. 50% war ich eher enttäuscht. Das hat mir aber immerhin geholfen, den eigenen Weingeschmack etwas besser kennenzulernen und zu wissen, welche Betriebe meinen Geschmack treffen und welche nicht. Verkostungsnotizen-Datenbanken haben den Vorteil, dass man Infos zu bestimmten Weinen findet, WENN MAN SIE SUCHT. Das heißt, man muss schon so einiges an Wissen haben. Für Nicht-Wisser wie mich ist ein Guide wie der Gault Millau daher ziemlich hilfreich.

Und das mit der Aktualität kann ich verschmerzen. Die Weine, die es bei Erscheinen des Guides nicht mehr gibt, sind ja v.a. welche man regulär sowieso nicht so leicht bekommt. Zum anderen sind es oft Weine, die früh rauskommen, eh eine kleine Menge haben und deshalb schnell vergriffen sind (z.B. Sauvignon Blancs oder so manche Basis-Weiß- und Grauburgunder oder Rieslinge). Und dann hab ich halt Pech gehabt. Das kann ich verschmerzen, es gibt so viel kaufwürdigen Wein, da ist es nicht so schlimm, wenn man den Sauvignon Blanc von X oder der Syrah von Y nicht mehr kriegt, wenn der Gault Millau draußen ist.

Eine Web-Version mit Archiv wäre natürlich auch super. Im Idealfall hätte man eine Web-Version des Gault Millau mit Archiv und mit Text zu den einzelnen Weinen, nicht nur den Punkten (das ist tatsächlich ziemlich misslich und hat wenig Aussagekraft). Dazu hätte man dann noch den Guide in Printform. Dafür würde ich sogar mehr als 30 Euro ausgeben.

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Master at Arms

@ Gast: Für mich ist der Gault Millau sowohl von der Handhabung als auch vom Inhalt her verzichtbar. Die Aufteilung nach Regionen und Trauben ist in der Praxis recht unhandlich um schnell ein Gut zu finden. Da ist der "Eichelmann" praktischer. Das GM-Layout und das die Aufmachung des Buch als solches finde ich eh altbacken und lieblos. Haptisch geht mir da nichts verloren.

Inhaltlich wurde ja auch schon erwähnt, dass eine reine Punkteangabe recht wenig Aussagekraft hat, wenn man den Stil des Weinguts und die Jahrgangscharakteristik nicht kennt. Alle Netz-Angebote sind dem GM da um Längen vorraus.

Für mich kommen aber noch zwei wesentliche Punkte hinzu.
Erstens probiert der GM nur wenige Spitzenweine nach 10 Jahren nach. Für eine sinnvolle Verfolgung des Weins ist das einfach zu wenig. Da bieten die Internet-Angebote einfach viel mehr Information und grade beim Cellartracker oder den "Verkostungsnotizen" kann man sehr schön die Entwicklung über die Jahre sehen.

Zweitens: Oft wird ja uch argumentiert, dass dem Dilletantismus mit den I-Net Datenbanken Tür und Tor geöffnet werden. Ich schätze aber die Verfügbarkeit vieler Meinungen zu einem Wein, die eben persönliche Vorlieben etwas mehr zurück zudrängen vermag.

Nochwas zum papierlosen Büro: In der Wissenschaft hat man sich schon vor 10 Jahren weitgehend von Veröffentlichungen in "echten" Zeitungen und Zeitschriften verabschiedet. Ich kenne auch keinen, der sich z.B. das Recherchieren im Papier-Chemical Reference Service zurückwünscht. Die Suche über die Internet-Datenbank ist um Faktor 1000 schneller und sicherer.
Von daher ist da schon sehr viel Papier verschwunden.

Grüße

Marc

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charlie andererseits

bin ich immer wieder (peinlich) überrascht wie oft meine Bewertungen mit denen des Gault-Millau überinstimmen. Wahrschenlich haben die Zugang zu meinen Verkostungsnotizen. Übrigens, Pulvermächer, die Lage:
http://www.weinlagen-info.de/?lage_id=1669

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Master at Arms in me-too-Laune

Hallo Charlie,

meine 2009er Grünhaus-VKN wurden auch von "denen" abgeschrieben.

Grüße

Marc

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Ringo Reblaus

@ dirk würtz: ihre kurze replik zeigt sehr deutlich, warum print immer noch wichtig ist und es - trotz sinkender auflagenzahlen - auch noch bleiben wird. da stehen in einem satz einfach mal zwei behauptungen, die ich so nicht nachvollziehen kann. als verantwortungsbewusster "printler" müsste man so etwas erst mühevoll nachrecherchieren, bevor man es aufs papier loslassen würde, als "onliner" schreibt man halt einfach drauf los...
da wird behauptet, dass von den in den guides bewerteten top-weinen bis zum erscheinungstermin "so gut wie keiner mehr erhältlich" sei. zum einen bewerten die guides natürlich nicht nur die top-weine, sondern tausende andere und versuchen so, ein breites bild des jeweiligen jahrgangs zu vemitteln. der lässt sich nunmal nicht nur auf die spitze reduzieren!
zum andern stimmt es schlicht nicht, dass "so gut wie keiner" mehr zu kaufen ist...klar, einzelne weine von dönnhoff, keller und wittmann sind immer sehr schnell ausverkauft. und etliche andere sind zu diesem zeitpunkt ebenfalls nicht mehr ab weingut erhältlich. aber im handel eben doch noch. eine kurze online-recherche bei drei, vier händlern hier in meiner unmittelbaren umgebung hat mir gezeigt: da gibts noch jede menge von dem guten stoff - sprich, von den großen gewächsen des vdp, die ja die bestenlisten eindeutig dominieren. sogar etliche gute 2007er und 2008er, die in den vergangenen jahren in den bestenlisten der guides vertreten waren, sind da noch zu haben.
und die behauptung, dass die bücher "vorzugsweise" von winzern gekauft werden? das können sie wohl genauso wenig belegen, wie ich das gegenteil...
für mich als ebenfalls sehr internetaffiner mensch gilt deshalb im weinbereich weiter: will ich seriöse, verlässliche und umfassende informatonen, greife ich zu printprodukten. will ich unterhaltung mit relativ kurzer halbwertszeit lese ich im würtz-blog und etlichen anderen, gucke mir gary vaynerchuk und hendrik thoma an und freue mich über die täglichen meldungen vom schiff des captains. ;-)

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Der Captain (nicht an Bord)

Ich freue mich auch, dass Sie mit an Bord sind; muss aber die "kurze Halbwertszeit" meiner Informationen zurückweisen..

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Dirk Würtz ...entspannt

Lieber Ringo Reblaus...die Diskussion, ob Print seriöser ist als online, ist doch echt Quatsch! Und was die Halbwertszeit angeht, kann ich dem Captain nur Recht geben.

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Ringo Reblaus

lieber dirk würtz...ob die seriositätsdiskussion quatsch ist oder nicht....ist mir wurscht. ich sehe das halt nun mal so, wie ich es geschrieben habe...
leider gehen sie nicht auf meine argumente ein, was die von ihnen behauptete nicht-mehr-verfügbarkeit der spitzenreiter der guides angeht, da hätte mich eine antwort offen gesagt viel mehr interessiert als ihre meinung zur seriosität...

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Thomas Golenia (via facebook)

Recht so, Maat Eschenauer. Sie schreiben das, was ich seit gefühlten zehn Jahren denke.

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Dirk Würtz ...entspannt, immer noch

@Ringo Reblaus
Komisch, ich habe geantwortet, aber das ist hier irgendwie verschwunden. Also noch einmal, sinngemäß: Zu dem einen Diskussionspunkt, wer den Führer kauft und liest. Am Samstag in der hiesigen Buchhandlung sagte mir der Buchhändler, dass der GM das seit zwei Tagen meistverkaufteste Buch sei. Auf eine Frage, wer das denn so kaufe meinte er: "Ihre Kollegen". Gut, jetzt sind wir natürlich auch in einer Weingegend...
Zur Verfügbarkeit: Ich glaube kaum, dass es, außer bei einigen wenigen Händlern die keine Subs angeboten haben, beispielsweise den besten trockenen Riesling noch gibt. Dafür ist der Erscheinungstermin des Buches schlicht zu spät. Ich bin mir ziemlich sicher, dass das auch für die übrigen Siegerweine zutrifft. Klar, Ausnahmen bestätigen die Regel.
Und natürlich habe ich eine hohe Affinität zum Internet und fast gar keine mehr zu Print. Das heißt nicht, dass ich Print nicht mag. Im Gegenteil, den neuen Falstaff mochte ich beispielsweise sehr und habe ihn auch immer wieder gelesen. Mir geht es grundsätzlich um diese Art von Weinführern, die Vertreter der !alten Schule" sind, oftmals nicht nachvollziehbare Urteile abgeben, wenig Transparenz haben und sich im Endeffekt eben nicht an den Endverbraucher richten, sondern vielmehr darauf konzentriert sind sich selbst und einigen wenigen anderen zu gefallen.
Noch eine kleine Anmerkung: Ich fände es wesentlich netter mit jemandem zu diskutieren, der kein Pseudonym benutzt. Aber das ist halt DER Vorteil im Netz ;)

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