Manchmal enden Abende am Schiff in weinseligen Diskussionen am Kombüsentisch. Der Erste Offizier hat eine Reihe von Rieslingen aus dem Keller geholt und am Flachbildschirm kann man den niederländischen Populisten Geert Wilders beim Winken bewundern. Seine Partei hat massiv dazugewonnen.
Wie gut, meint der Captain, dass Deutschland nur eine linke Populismuspartei kennt. Und dem Land bislang Politexperimente nach Art eines Jörg Haider erspart blieben. Schlecht aber, dass man in Deutschland den Bundespräsidenten nicht vom Volk wählen lassen kann. Ein öffentlicher Wahlkampf mehr: Das bedeutet jede Menge Debatten, Stories. Und auch Inserate für die siechende Presse.
Und man würde bei dieser Wahl freilich jetzt schon den Sieger kennen: Joachim Gauck, den Kandidat der Herzen. Der stets verschmitzt lächelnde und etwas eitle alte Mann hat das Versöhnliche, das Deutschland derzeit braucht. Pfarrer, Kriminalist, Talk-Show-Moderator: Der Mann kann alles. Auch Präsident.
Gauck vs. Wulff: Das Volk hat längst entschieden
Sein Gegenkandidat Christian Wulff, der die Wahl gewinnen wird, braucht den Spott nicht suchen. Er hat ihn schon. Ein gut geföhnter Politstreber. Und zwar seit seiner Pubertät. Demnächst, so hört man, sollen Wulff-Reden als rezeptfreies Schlafmittel vorgelesen werden. Doch Obacht mit dem Spott: Wulff hatte eine vaterlose Kindheit mit einer schwer kranken Mutter. Und seine zweite Frau, die lebenslustige Schönheit, erklärt auch viel von Wulff. Vielleicht ist er schon längst am Ziel, der Wulff.
Wulff, der junge Chardonnay, der im Keller vergessen wurde
Was wäre Wulff für ein Wein, will der Erste Offizier wissen? Ein junger Riesling? Sicher nicht. Sicher trinkt Wulff jungen Riesling; es wäre überhaupt gefragt, die Kandidaten auf ihre Weinkultur abzuklopfen. Maat Florian soll schon mal die Nummern der Pressesprecher heraussuchen.
Doch Wulff selbst ist kein junger Riesling, Wulff ist ein jung abgefüllter Chardonnay, ein Wein, der zu fast jeder Gelegenheit passt. Ein frischer Wein, der kurz auf der Maische lag und dann für acht Monat in kleinen Holzfässern gelagert wurde. Allerdings hat man diese Flasche im Keller vergessen. Und jetzt hat er schon einen deutlichen Alterston, die Zitrusnote der Jugend ist von einem Mandelton überdeckt. Und etwas Petrol riecht man auch. Doch es sind alte Reben, 50 Jahre alt. Deswegen hat der Wein ordentlich Terroircharakter, ist also in der Region verwurzelt.
Gauck, der alte Spätburgunder, der nach langer Reife gut zu trinken ist
Und Gauck, was ist Gauck für ein Wein? Gauck ist ein alter Rebstock, 70 Jahre alt. Da ist der Wein schon sehr mineralisch (kommt auf den Boden an) und dicht. Auch leichte Bitterstoffe können sich hinzugesellen. So alte Rebstöcke geben bessere Rotweine, folglich ist Gauck ein Spätburgunder, ein alter Pinot Noir, der neben der Dichte auch noch Eleganz besitzt. Ausgebaut wurde er 24 Monate im großen Holzfass, danach zwei Jahre Flaschenreife.
Der Pinot ist eine komplizierte Traube, sehr vom Jahrgang abhängig. Und nicht für Jedermann gleich verständlich. Doch dieser Pinot spricht jeden an, sanfte Tannine, eine schöne Note nach Weichsel und Feige. Etwas Tabak. Ein klein Wenig Moschus noch. Da nimmt man gerne noch eine zweite Amtszeit, wenn der Pinot bis dahin nicht an Kraft verliert. Und wie viele Pinots drastisch altert.
Luc Jochimsen - wer ist das?
Doch da gibt es ja noch eine dritte Kandidatin, ruft der Erste Offizier in die Runde, die Tante von der Linkspartei. Ach die, wie heißt die schnell? Google befragen. Ach ja, Luc Jochimsen, geborene Lukrezia Schleussinger. Nun, Luc Jochimsen, das ist ganz klar, Luc Jochimsen ist ein Schilcher, ein ganz saurer Roséwein aus Österreich. Eigentlich untrinkbar. Aber für Eingefleischte ein wahrer Genuss.
- Für Christian Wulff: Chardonnay 2007 von Willi Bründlmayer aus Österreich, elegant, fruchtig, viel Melone, Holunder und etwas Walnuss. Sehr gut eingebundenes Holzaroma. Lagerfähig bis 2015, jetzt aber schon gut zu trinken. Für 30,95 Euro (12 Flaschen) bei Weinco.de
- Für Joachim Gauck: Spätburgunder 2006 von VDP-Winzer Bernhard Huber aus Baden. Lage Malterdinger Bienenberg. Kirsche, Tabak, schöne und elegante Holznote. Lagerfähig bis 2013 und länger. Besser aber gleich trinken, der Wein ist in optimaler Verfassung. Für 17,99 Euro bei Karstadt (das Kaufhaus, das gerade verkauft wurde).
- Für Luc Jochimsen: Ein Schilcher von Strohmayer aus der Steiermark. Viel Säure, Ribisel, Stachelbeere. Mit Mineralweasser mischen und bei großer Hitze kalt trinken. Für 9,71 Euro bei Weinco.de







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was! 12 Flaschen Chardonnay von Bründelmayer für 31€
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