Meine erste Begegnung mit Randolf Kauer hatte ich vor ungefähr 12 Jahren. Feierabend als Lesehelfer und getrieben vom Weindurst, stolperte ich durch das dunkle Bacharach zu Kauers Weingut. Herr Kauer, wohl versunken in tiefster Abendlaune und innerlich fest abgeschlossen mit dem Tag, öffnete dem verdurstenden Herrn aus Düsseldorf die Tür. Schnell war klar, dass man wegen dämlicher zwei Pullen besser nicht so spät bei Winzern klingeln sollte. Herr Kauer sah das wohl ähnlich - dem Gesichtsausdruck nach zu urteilen. Die zwei Flaschen bekam ich trotzdem. Ein blödes Gefühl blieb. Das war also Herr Kauer, dem ich gerade die Abendruhe gestohlen hatte.
Dabei ist Dr. Randolf Kauer auch außerhalb des Mittelrheins kein ganz Unbekannter. Besonders den Studenten der Hochschule Geisenheim ist er ein Begriff, denn dort ist er Professor für das, was er am besten kann: für ökologischen Weinbau. Darin ist er wirklich ein alter Hase, denn er beschäftigte sich schon mit ökologischem Weinbau, als dies noch höchstens ein überhebliches Lächeln seiner Winzerkollegen hervorgerufen hatte. Als es noch nicht der Trend war. Der Öko-Professor ist also sein Hauptberuf, das Winzersein sein Nebenjob.
Auch Nebenjobs können mit Herzblut ausgefüllt werden, selbst wenn sie so auslaugend sind, wie das Bestellen und Pflegen der Steillagen rund um Bacharach. Den Niedergang des Mittelrheinweins vor Jahrzehnten, das Aufgeben ehemals stolzer Rebflächen - all das dürfte jedem Mittelrheinwinzer bekannt vorkommen. Als der Wein oftmals nicht mehr war, als ein Mitbringsel von Tagestouristen. Die Landschaft hübsch, der Wein günstig, die Touristen massig. Warum nur sollte der Durchschnittswinzer daran etwas ändern, wenn der Wein sich ohne Qualität so verkaufen lässt, wie frisch geschnitten Brot?
Eine Weinregion erwacht aus dem Dornröschenschlaf
Gottlob kam irgendwann in den Neunzigern die Wende in dieser Region. Da wollten sich einige Winzer gar nicht damit abfinden, nur Zechweinqualität zu liefern. Man setzte auf Qualität. Und wurde belohnt. Genau diese Winzer sind heute Zugpferde einer Weinregion, die ganz langsam aus ihrem Dornröschenschlaf erwacht.
Dr. Randolf Kauer ist sicher eines dieser Zugpferde. Wenn auch ein leises. Denn er zählt mit seinen 3,3 Hektar oft nicht zu den großen Abräumern der Weinbepunktungsorgien hiesiger Weinführer. Kauers Weine sind filigrane Leisetreter. Es sind Weine, die sich nicht anbiedern, die in ihrer ungekünstelten Art begriffen werden wollen. Sein ehrlicher Stil wollte mir lange nicht so recht bei Mittelrheinverkostungen auffallen. Heute ist das anders.
Man sollte Kauers Weinen Zeit und Muße geben, denn einfach so runterschlürfen gilt hier nicht. Die Feinheiten und manchmal auch das Verschlossene in der Jugend dieser Weine sind sicherlich auch der strikt ganzheitlich ökologischen Anbauweise geschuldet. Kauer ist nämlich Mitglied des bundesdeutschen Ecovin-Verbandes. Und damit war er bei Gründung seines Gutes im Jahre 1982 der erste seiner Region.
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Die Nebenerwerbs- und Vollblutwinzer in ihrem Bioberg (Foto: Weingut Kauer) 



und die Lagen:
http://www.weinlagen-info.de/?lage_id=108
http://www.weinlagen-info.de/?lage_id=53
wo die Weine drauf wachsen.