08.08.10 MEINUNG 11 Einem Freund senden

Ein Fressen für die Linke

Rot ist das Blut. Rot ist der Wein. Das Gesicht der Sonne. Der große Vorsitzende grinst...Rot ist das Blut. Rot ist der Wein. Das Gesicht der Sonne. Der große Vorsitzende grinst...

Irgendwie war das Thema schon letzte Woche Teil eines Gesprächs am Kombüsentisch. Und dann geisterte es vor dem Urlaub des Captain beim Morgenkaffee mehrmals durch die Themen das Tages, die der Captain und seine Leute immer in der Früh besprechen. Wie es sich für eine Redaktion gehört.

Das Thema? Man sollte was über Klaus Ernst machen, den Vorsitzenden der Linkspartei, der ja ein Feinschmecker sein soll, Porschefahrer zudem, Weinkenner auch. Ein idealer Interviewpartner für den Captain, ein linker Schlemmer. Herrlich.

Ernst war letzte Woche wegen seiner Nebenverdienste ins Gerede gekommen. Neben seinem Abgeordnetengehalt beansprucht Ernst auch noch jene 3.500 Euro im Monat, die ihm aus seiner Parteitätigkeit zustehen. Das ist rechtens. Doch seine Co-Vorsitzende Gesine Lötzsch verzichtet auf das Geld der Partei. Ernst macht also bei seinen Genossen einen gierigen Eindruck. Einer, der das Buffet abräumt.

Champagnerperlen vor die Hartz IV Empfänger werfen

Dazu kommt noch, dass die Staatsanwaltschaft Berlin gegen Ernst wegen eventuell gefälschter Spesenabrechnungen ermittelt. Das sind nicht gerade die besten Vorraussetzungen, den Vorsitzenden der Linkspartei nach seinen Lieblingsweinen zu fragen. Die Pressestelle war über des Captains Anfrage auch derart erbost, dass die Parteibeamtin beinahe den Hörer auf die Gabel knallte. Der Captain nimmt an, sie dachte, es sei ein Scherz. Kann man ihr auch nicht übel nehmen...

Ernst nimmt sich viel heraus. Seine Partei wird zumeist von Hartz IV Empfängern gewählt und finanziert. Die Wähler der Linkspartei, das darf man als gesichert annehmen, zücken keine goldenen Kreditkarten, haben keinen Humidor mit Havannas am Schreibtisch stehen und auch keinen Weinkeller, in dem der eine oder andere gute Bordeaux bei idealer Temperatur auf seine Reife wartet.

Klaus Ernst ist also ein Provokateur. Und er kann sich sicher sein, in einer Partei der Provokateure untertauchen zu können. Oskar Lafontaine, noch immer mächtig, ist als Bonvivant bekannt, der Captain hat erlebt, wie Lafontaine ungehalten wurde, als sein Sekretär kein gutes Restaurant aufstellen konnte, weil die meisten guten Restaurants in Saarbrücken und Umgebung Montags geschlossen halten. Da war mit Lafontaine nicht gut Kirschen essen.

Provokateur unter Provokateuren

Und auch von Lothar Bisky und Gregor Gysi ist bekannt, dass sie in Friedrichshain gerne zum guten Italiener gehen. Und dort auch mal die eine oder andere Flasche besseren Weins geköpft wird. Sogar Sarah Wagenknecht soll öfter mal zu Silberbesteck greifen. Dass sie sich gerne mit dem Dienstwagen herumchauffieren lässt, ist ja schon festgestellt. Doch Klaus Ernst treibt es ein bisschen zu weit.

Wieso eigentlich? Diese Frage ist unverschämt. Klar doch: Weil die meisten wählenden und zahlenden Parteimitglieder jeden Cent umdrehen müssen. Und kein Geld für Pouladenbrüste aus märkischer Bodenzucht haben. Von anderen Extras, wie einen Porsche, ganz zu schweigen. Deswegen ist Klaus Ernst die Obszönität in Person. Und der Captain kann es den Wählern der Linkspartei nicht verdenken, wenn sie deswegen eine Diskussion über seinen Lebensstil vom Zaun brechen.

Ernst dokumentiert das Dilemma der Linken in Deutschland. Ein Linker muss leiden, wie seine Wähler es tun. Das ist in anderen Ländern anders. Dort muss der Linke nur solidarisch sein. Und das hat einen Grund.

Mit Arbeitern und Bauern am gleichen Tisch

Als der Captain vor ein paar Jahren in Bologna den damaligen Parteivorsitzenden der reformierten Kommunisten Massimo d´Alema traf, kam dieser in einem einfachen Dienstwagen. Sein Pressesprecher aber (auch ein Kommunist) fuhr einen flaschengrünen Jaguar, in den wir dann alle umstiegen. Nach dem Gespräch ging es im Jaguar zum gemeinsamen Mittagessen in einer Kneipe ausserhalb Bolognas. In einem Arbeitervorort. Doch die Kneipe dort hatte eine der besten Weinkarten der Umgebung. Und ein hervorragendes Essen.

Und obwohl das Essen nicht gerade günstig war, saßen rund um d´Alema und seine Leibwächter eine Anzahl einfacher Besucher. Arbeiter, Angestellte, die sich ebenfalls ein gutes Menü und eine Flasche Mittagswein gönnten. In so einer Umgebung wird gutes Leben nicht als obszön wahrgenommen. Ähnliches gilt in Spanien und Portugal. Und selbstverständlich in Frankreich.

Klaus Ernst pflegt nichts weiter, als den Lebensstil eines linken Politikers, der auch seinen gesellschaftlichen Aufstieg zelebriert. Nur leider im falschen Land. In Deutschland gibt es eben keine grandios guten Vorstadtkneipen, die exzellente Weinkarten führen. Und wenn es sie gibt, dann sind sie wesentlich teurer, als in Italien, Spanien, Portugal, oder Frankreich. Und deswegen schon wieder mit anderer Klientel bevölkert. Dort trifft der Politiker nicht das Volk, sondern nur Seinesgleichen: Aufsteiger, egal woher.

Wer ist Schuld? Natürlich die Toskana-Fraktion

Die deutschen Restaurants sind auch nicht aus Gier teurer, sondern weil sie zehn Angestellte versorgen müssen. Mit allen Lohnnebenkosten. In den mediterranen Ländern macht die Familie das Lokal. Und nimmt sich am Abend das Notwendige aus der Kasse. Deswegen bliebt die Rechnung für die Gäste in einem kalkulierbaren Bereich. Und so kann es sein, dass der teilbeschäftigte Claudio und seine Freundin Gianna in dieser guten Vorstadtkneipe auf den Vorsitzenden der italienischen Linkspartei treffen. Dass beide eine unterschiedlich gute Flasche Wein leeren. Und dass der Vorsitzende dann in seine Villa fährt. Und Claudio im Haus der Mama schläft. Mit 33. Im Kinderzimmer.

Klaus Ernst ist einer der letzten Vertreter der Toskana-Fraktion: Linke Politiker, die in den Achtzigern die Vorzüge der egalistischen , von linken Landarbeitern geprägten mediterranen Gesellschaft kennen und schätzen gelernt haben. Und in den Neunzigern sah es auch eine Zeit lang so aus, als könne man diese primitive (positiv besetzt) Feinschmecker-Egalität nach Deutschland übertragen. Kann man aber nicht.

Deswegen ist Klaus Ernst der Totengräber der Gourmet-Linken. Andere Zeiten sind angebrochen, Klaus Ernst hat es nur nicht gemerkt. Wenn Ernst das ändern will, dann muss er die Vorteile eine mediterranen Gesellschaft predigen. Da werden ihm nur wenige folgen. Deswegen hat ein Linker wie Klaus Ernst in Deutschland keine Zukunft.

Zum Abgang Rote von Markus Schneider

  • Zum bevorstehenden Abgang von Klaus Ernst trinkt der Captain hervorragende neue deutsche Rotweine von Markus Schneider aus Ellerstadt. Zum Beispiel die perfekt trinkfreudige Cuvée "Ursprung" (Cabernet, Merlot, Portugieser und Cabernet Mitos, für 8,19 Euro bei Lecker-Shop), ein deutscher Alltags-Rotwein, wie er vor zehn Jahren nicht möglich war. Frucht, Kraft, gepaart mit Vergnügen. Anspruch ohne Kopfzerbrechen. Als Gegenstück zum Ursprung empfiehlt der Captain den reinsortigen Cabernet "Tohowabohu" (die 2007er Magnum für 39,00 Euro bei Belvini), ein Bombenwein, den man schon mal ein paar Jahre weglegen kann.

Hier gibt es außerdem noch mehr über Weine aus Deutschland zu lesen.

 



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Kommentare 11

Kommentare

Ulrike Mair (via facebook)

Links Rechts Radikal Revolutionsferien.

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Karl Heinz Brunner (via facebook)

wie wahr

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Karl Kraft (via facebook)

bissl schwierig, wenn das missionstatement dieser ideologie die verteilungsgerechtigkeit ist. die gelebte kapitalistische maßlosigkeit zeigt auch das persönliche einveständnis mit diesem system - und wird zurecht zur frage der glaubwürdigkeit.

gut fressen, saufen und herumhuren ist ok. beim fuhrpark und den villen wirds halt problematisch. ebenso bei zusätzlichen aufsichtsratsposten, hochspekulativen geschäften und stiftungen.

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Gast verdrossen

diesen Beitrag verstehe ich überhaupt nicht - was hat der in einem Weinforum zu suchen?
Die Buntheit der Beiträge hier in allen Ehren, aber hier wird die Grenze zur Lächerlichkeit bzw. zum unseriösen überschritten.
Herrn Ernst halte ich im übrigen für einen Verfassungsfeind.

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Der Captain (unterwegs)

Wie es schon im Vorspann steht, ist dieser Beitrag eine Zusammenarbeit mit der Debattenplattform "The European" Hier soll Übergreifendem Platz geboten werden. That´s all..

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Mister Spuck ... bestätigt

Den Ursprung neulich im Berliner "Grill Royal" bestellt, ist dort der billigste Posten auf der Rotweinkarte (28 Euro, glaube ich). Und er hat besser geschmeckt, als so manche teure Flasche dort, über die ich mich schon geärgert habe...

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Juppi

Hier sieht man aber auch ein dt. problem: Der Gastronom bekommt den Wein für 5-6 Euro. Verkauft selbigen für 28. fällt da irgendjemandem was auf? wie sollen die deutschen zu weintrinkern werden, wenn die mehrzahl der gastronomen meint 500% und teilweise mehr aufzuschlagen.
Der andere Teil des Wirte glaubt billige Plörre einkaufen zu müssen damit er ne ordentliche Spanne hat.
dieses Kalkulationsgebaren ist jedoch nur teilweise ein Produkt falscher Nebenkostenpolitik. Das o.g. italienische Beispiel vom Familiengeführten Unternehmen ohne große Lohnansprüche gibt es auch in Deutschland z.b. in vielen Winzerfamilien, funktioniert aber nur bedingt da der Staat glaubt selbst dem nacktesten Mann noch in die Tasche greifen zu müssen. Falsche Sozialpolitik geht hier einher mit dem kulinarischen und vinophilen Untergang Deutschlands :-) [Bitte nicht alles zu ernst nehmen]

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marLo ...solidarisch...

...wie sagte doch Oscar Lafontaine: "Man muss nicht arm sein, um gegen Armut zu sein". Schwer zu widerlegen, dieses Statement (Schröder hingegen hat sich da gar nicht mal erklärt,
zumindestens ist mir kein "Sager" bekannt).

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käsekryner

zu laffo: an diesem zitat zeigt sich, dass ein erhobener zeigefinger im eigenen nasenloch immer noch am besten aufgehoben ist.

mit dem anderen protagonisten der partei des neuen reichtums muss man etwas nachsichtiger umgehen. herr ernst übt schliesslich für die zeit in der er als generalsekretär des zentralkomitees und staatsratsvorsitzender der sozialistischen bundesrepublik deutschland an der übererfüllung des fünfjahrplanes des veb-getränkekombinates "margot honecker" tatkräftig mitarbeiten möchte. das ist sein beitrag für frieden und völkerverständigung. und jeder porsche in der hand der linken ist einer weniger für die imperialistischen kriegstreiber und ihre helfershelfer!

freundschaft!

btw: heute abend kommt wohl nur was weisses ins glas.

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Champagne Communist

Protest!
Von wegen es gäbe unter Linken Wählern keine Besitzer feiner Weinkeller. Ein nicht unerheblicher Teil der Toskana Fraktion ist aus guten Gründen zur Linken übergelaufen.
Was gibt es besseres als sozialistische Havannas mit einem Varadero Gran Reserva. Auch feinen Weinen ist die hedonistische Linke keinesfalls abgeneigt, einen Vall LLach zu L’Estaca...
Nein der Genuss kommt bestimmt nicht zu kurz. Die Wählerschaft der Linken dürfte sich quer durch die Gesellschaft ziehen, viele Linke Protagonisten kamen aus dem Großbürgertum, die Linke hat eine starke Anhängerschaft in der akademischen Mittelschicht. Gerade in der akademisch und hedonistisch geprägten Mittelschicht haben so einige bemerkt, dass die CDU, SPD, FDP, Grünen Politik maximal den oberen 5 Prozent der Gesellschaft nutzt. Und es soll nicht wenige Hartz IV ler geben, die verblendet FDP wählen weil ihnen immer wieder eingetrichtert wird dies sei gut für die Wirtschaft und dann bekämen sie einen Arbeitsplatz.
Nein das gute Leben ist durchaus ein nicht unbeachtlicher Teil der Linken.
Was war das nochmal mit dem höchste Glück?
Ach ja, 1848er Chateau Margaux

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Der Captain

As materieller Marxist kann ich Ihnen verraten, dass die Linke ihre Wählerschaft zu 97% aus einfachen sozialen Schichten rekrutiert. Champagnertrinker sind da selten darunter..

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