22.08.10 WEINLEUTE 13 Einem Freund senden

Kurt Becks allerletzte Brücke

Nebel ist gut. Dann sieht man sie nicht...Nebel ist gut. Dann sieht man sie nicht...

Sie ist eine Straße. Die B50. Eigentlich braucht sie keiner. Natürlich wäre es für manche bequemer, wenn sie da wäre. Denn sie ist eine Schnellstrasse. Mit ihr wird alles schneller. 20 Minuten maximal. Sagt man.

Sie soll den Süden und die Mitte Deutschlands komplikationslos mit dem Nordwesten verbinden. Eigentlich soll sie die Häfen von Antwerpen und Rotterdam anbinden. Sollte sie, als sie vor 40 Jahren geplant wurde. Damals hatte die Straße freilich auch strategische Gründe. Wenn der Russe Deutschland überrollt haben hätte wollen (Stichwort: Fulda-Gap), wären hier die Nato-Truppen angekarrt gekommen. Wäre. Hätte. Sollte. Ist.

Ist war lange nicht. Die Straße war nicht. Ein Teil der Straße wurde zwar gebaut, doch eine wichtige Lücke blieb offen: Die Brücke über die Mosel. Nun wird sie gebaut.

Natürlich nervt der Schwerverkehr. Und natürlich nervt er jene, die an der Straße wohnen, die durch das Dorf geht, in dem sie leben. Das will dieser Lückenschluss ändern: Der Schwerverkehr soll Dörfer und Gemeinden entlasten. Man kann eigentlich nicht wirklich gegen die Straße sein. Es gibt ehrlich gesagt nur wenige Argumente gegen sie. Trotzdem darf sie nicht gebaut werden: Die Hochmoselbrücke, der Lückenschluss, das Monster.

Das Monster und die Schande

Denn das Monster zerstört eine der schönsten Kulturlandschaften Deutschlands: Das Moseltal. Noch dazu ausgerechnet dort, wo auf einigen der besten Weinhänge des Landes einige der ältesten Pflanzen einige der besten Trauben für einige der besten Weine geben. Außerdem ist das Tal dort schön. Warum muss die Brücke gerade dort gebaut werden? Diese Frage hat keiner richtig gestellt. Und keiner beantwortet. Das ist erstaunlich.

Besonders, wenn man weiss, dass Deutschland ein Land des Alarmismus ist. Was hier jährlich für Alarme ausgerufen werden, würde in anderen Ländern als Volksverhöhnung bestraft werden. Die Bundesrepublik müsste schon zig Male untergegangen sein. Ist sie aber nicht. Dieser Misserfolge ihrer Alarme tut den Alarmisten aber keinen Abbruch, denn der Alarmist ist ein anerkannter Berufsstand in diesem Land. Der Alarmismus wird von der Mentalität der Deutschen begrüßt und gefördert.

Keine anderes Volk könnte angstloser sein, als die Deutschen (zugegeben: die Schweizer auch). Und kein anderes Volk fürchtet sich derart vor Irrationalem. Und schiebt Irrationales vor. So auch im Fall der Moselbrücke. Hier schlägt nun die Stunde der Alarmisten. Und sie kämpfen auf beiden Seiten. Leider hilft das der Sache wenig.

Die Stunde der Alarmisten

Die Alarmisten gegen die Brücke schieben etliche Argumente vor, die man schlicht in Zweifel ziehen kann. Da geht es - wie so oft - um irgendwelche seltenen Tiere, die ihre Heimat verlieren; da geht es um eventuell auftretende Wasserprobleme, die die Weinhänge nahe der Brücke gefährden. Doch es geht nie um das eigentlich wichtigste Argument, um das Augenscheinliche: Diese Brücke ist so hässlich, dass sie das ganze Tal zerstört. Deswegen und schon alleine deswegen, darf diese Brücke nicht gebaut werden. Es gibt kein besseres Argument. Wer die Projekt-Animation (und ganz beeindruckend-brutel hier) sieht, muss das erkennen. Wer dann nicht merkt, was diese Brücke anrichtet, der ist - mit Verlaub - ein Trottel.

Die Alarmisten der Gegenseite betonen immer, die Brücke bringe Erleichterung, die Brücke bringe Geschwindigkeit; Zeit, die man besser für anderes verwenden könne, als im Auto zu sitzen. Das stimmt, aber das betrifft täglich nur ein paar hundert Menschen. Und für jene ist es - auch mit Verlaub - zu schade, ein derartiges Monstrum zu bauen.

Die Alarmisten der Brückenbauer haben aber freillich noch ein anderes gewichtiges Argument mitgebracht, das Argument der Arbeitsplätze. Wenn diese Brücke nicht gebaut wird, dann fehlen hunderte Arbeitsplätze. Das ist ein gewichtiges Argument, ein Argument, das vor allem in Wahlkampfzeiten zählt. Und der Wahlkampf in Rheinland-Pflaz bricht gerade an. Er beginnt diesen Herbst.

Beck, Klöckner, die FDP: Alle mit dem Kopf durch den Beton

So ist es auch nicht verwunderlich, dass Amtsinhaber Kurt Beck, Sozialdemokrat und Beschäftigungspolitiker, hier hart bleibt. Ebenso die CDU-Gegenkandidatin Julia Klöckner, immerhin eine ehemalige Weinkönigin. Die FDP ist selbstredend für die Brücke. Und die Grünen kommen erst jetzt drauf, dass dieser Anschlag aus Beton gute Munition bietet. Lange Zeit waren es ausgerechnet die Linken, die sich gegen die Brücke stark machten. Nur die Linken. Grotesk.

Grotesk deswegen, weil die Linken gemeinsam mit sicherlich nicht gerade links eingestellten Weinbauern wie z.B. Ernie Loosen oder Markus Molitor Hand in Hand gingen. Sicherlich sind Loosen und Molitot keine Hardcore-Konservativen, sondern weltweit erfolgreiche Winzer, die man eher dem aufgeklärt-liberalen Lager zuordnen würde. Aber eine Allianz mit den Krypto-Kommunisten mutet da schon erstaunlich an. Nur, was soll man machen, wenn keine andere Partei auf der richtigen Seite steht?

Da kommen wir auch schon zum nächsten Problem des Widerstands gegen die Brücke: Die mangelnde Solidarität. An der Spitze der Gegner stehen wohlhabende Weinmacher der ersten Reihe Mosel fußfrei. Die Winzer dahinter sind nicht zwingend mit den Winzern am Wasser solidarisch. Und schon wenige Kilometer flussaufwärts oder flussabwärts erodiert die Allianz. Ist den Leuten die Gegend nichts Wert? Offenbar.

Denn wenn ihnen die Gegend was Wert wäre, dann würden sie sich zu einer unbesiegbaren Allianz zusammenschließen, die jeden aus den Amt fegt, der diese schöne Gegend anrührt. Nur ist schon den Bewohnern von Ürzig, der nähesten Gemeinde an der Brücke, das Projekt egal, wenn sie nicht am Wein oder im Tourismus arbeiten. Auch das ist eine Mentalitätsfrage. Im wenig weit entfernten Frankreich würden die Baufahrzeuge brennen. Man kann dies verurteilen, oder nicht. Aber am Ende bleibt in Frankreich vieles besser. Weil manches nicht durchgesetzt werden kann; weil manches die Korrektur der Bevölkerung erfährt.

Grotesk: Die Ausländer tragen den Protest

Grotesk ja auch, dass dieses Thema seit Wochen nur die englischen Zeitungen bewegt, dass englische Weintrinker zu den radikalsten Gegnern des Projekts zählen, dass die weltweite Elite der Weinenthusiasten und Weinkritiker hart und unversöhnlich gegen diese Brücke und gegen Kurt Beck argumentiert, teilweise in heller und unzügelbarer Wut angesichts der Vernichtung eines deutschen Kulturerbes. Grotesk, dass Ausländer die Schönheit erkennen, die dem Inländer so wertlos ist. "Shame on You" schimpft der berühmte Weinautor Stuart Pigott in Richtung Kurt Beck. Doch eigentlich müsste er uns Deutsche meinen. Shame on us.

Zurück zur Brücke. Und was jetzt zu machen wäre. Viele hoffen, dass die desolate Finanzlage des Staates diese Brücke verhindern kann. Zumindest einen Aufschub der Bauarbeiten. Das ist durchaus möglich. Ein Aufschub der Bauarbeiten bis nach den Wahlen würde eine Nachdenkpause bringen. Nach den Wahlen ist auch nicht so schnell vor den Wahlen.

Man kann diese Straße ja bauen. Besser. Es muss ja nicht diese Horrorbrücke sein. Es geht eventuell ja untendrunter (wie man es in Österreich oft macht). Schon klar: Das wird teuerer werden. Doch der Tourismus bleibt unbeschädigt. Und die Landschaft auch.

Es wäre die Zeit radikaler Problemlöser. Die Brückengegner dürfen nicht gegen die Straße sein, sie müssen für die Landschaft sein, für die Kultur, für den Weinbau, für die (ja, richtig gehört) Heimat. Und den Schutz der Heimat. Die Deutschen dürfen ihre Heimat vor derartigen Übergriffen schützen. Und den Deutschen muss ihre Heimat wieder etwas Wert sein.

Pigott hat Recht

Und die Brückenbefürworter müssen erkennen, dass sie eines der schönsten Stücke Deutschlands für ein noch immer korrigierbares Strassenprojekt zerstören. Und dass diese Schande für immer und alle Zeiten ihre Karrieren unter einen Schatten stellt. Diese Emphatie fehlt Beck, Klöckner und ihren Assistenzärzten. Und auch in Berlin ist keiner, der diese Emphatie für Deutschlands schönste Weinlandschaft mitbringt. Shame on us: Stuart Pigott hat Recht.



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Kommentare 13

Kommentare

Rotliegender ...nachdenklich

Manchmal kommt es mir vor, als ob die Moselaner an einem kollektiven Stockholm-Syndrom leiden. In der Geiselhaft von betonverliebten Politikern versuchen sie sich auch das unsinnigste Bauprojekt schönzureden. Wenn Beck im März abgewählt wird, möchte er sicher seinem Kollegen Koch zu Bilfinger Berger folgen. Good riddance to him and the bridge.

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Felix Eschenauer

Mag sein, dass der Koloss hässlich ist. Aber damit ist die Schlacht nicht zu gewinnen. Dass die 330Mio. nicht ziehen, vor allem in Berlin, das wundert mich. Man darf nur nicht vergessen: das stärkste Argument für die Brücke... ist die leider überwältigende Gleichgültigkeit der Menschen.

riesling|blog

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Helmut Körlings

Prometheus der Mosel.
( frei nach J. W. Goethe )

Verneble deine Pfalz, Kurt Beck,
mit Dieselqualm
und trickse, dem Deubel gleich,
den du geköpft,
am Nürburgring, auf Eifelhöh’n!
Doch lass mir meine Mosel
frei von dem Gedröhn!
Und unser Tal,
um dessen Wein du uns beneidest.

Ich kenne nichts Ärmeres
unter der Sonne als euch, Mainzer!
Ihr nähret kümmerlich
von Ausgleichsteuern
und Krediten
eure Majestät
und darbtet, wären
nicht Merkel und Barroso
hoffnungslose Toren.

Da ich jung war,
nicht wusste, wo aus noch ein,
kehrt ich mein verirrtes Auge
nach Mainz, als wenn dort wäre
ein Ohr, zu hören meine Klage,
ein Herz wie meins,
sich der bedrängten Mosel zu erbarmen.
Wer half uns
wider USA- und Nato-Übermut?
Wer rettete vor seelenlosen Planern,
uns, vor Auto-Sklaverei?
Haben wir nicht alles selbst vollendet?
Mutig, und mit heißem Herzen?
Wir glühten jung und gut.
Betrogen! Rettungsdank
dem Schlafenden da droben?

Für dich stimmen? Warum?
Hast Du die Sorgen gelindert
je der Menschen im Tal?
Hast Du die Tränen gestillt
je der Geängsteten?

Haben uns nicht zu Rebellen geschmiedet
des Herings falsche Argumente,
dein scheinheiliges Gerede
von Wohlstand?
Unser Ziel. Nicht deins!

Wähntest du etwa,
wir sollten deine Brücke lieben,
dies Danaergeschenk
von dir und von Berlin?
Das ein Albtraum ist für jeden,
der die Heimat liebt.

Hier stehen wir,
aufrecht und gleichgesinnt. Bereit
zu kämpfen für die Mosel,
wie sie war und wie sie ist
und bleiben wird – für alle Zeit!

Helmut

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helmut strehl, Kallmuth

gibts den Beck noch?

Ich dachte der wär politischTod ?

oder hat er sich rasiert ?

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Gast

Tot, es heißt tot.

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Konrad Adenauer

Der Hochmoselübergang ist die Rache der SPD für 50 Jahre CDU-Herrschaft an der Mosel.

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Gast

die ewig gestrigen Prüms und Pigotts und Eschenauers mögen museal verstauben.

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Felix Eschenauer

"Ewig gestrig" ist wirklich eine grandiose Vorlage. Ewig gestrig ist doch, wer...
- ein Projekt der 1960er Jahre unterstützt, das eine einzige Aufgabe hatte, nämlich einen potentiellen Krieg zu befeuern
- dafür Sorge trägt, dass mehr und mehr Kilometer zugeteert werden, anstatt die Erschließung alternativer Transportwege voranzutreiben
- denkt, ein derartiger Eingriff in die Landschaft bringe auch nur einen einzigen Touristen mehr dazu, in seinem Urlaub an die Mosel zu fahren

Museal verstaubte Grüße

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Wandervogel

Lieber Capitano,
Schade, wenn eine ansonsten gute Flasche Wein Korkgeschmack hat. Wenn er eindeutig ist, und klar erkannt wird, halb so schlimm. Ärgerlich aber, wenn er unentdeckt, nicht erkannt wird, als „Aromaschatten“ den Wein unattraktiv macht und in einer Präsentation z.B. den Ruf des Winzer beschädigt. Kann auch vorkommen, und als Winzer ist man in jedem Falle immer am Feedback interessiert. So kann man dem Lieferanten Meldung machen, und der kann nachforschen und die Quelle des Problems finden. Wenn man nix sagt, passiert auch nix. Möchte deshalb hier eine „Kork-Meldung“ abgeben, bzw. auf einen Aromaschatten hinweisen. Beziehe mich im Folgenden auf die Glosse: „Kurts allerletzte Brücke“.

Finde es grundsätzlich gut, dass es in Berlin jemand interessiert, was Herr Beck mit der Mosel vorhat, nämlich, die „Moselbarriere zu überwinden“. Man sieht die Mosellandschaft in Mainz offensichtlich nicht als Highlight, als touristisches Kronjuwel, sondern als Hindernis an, das es mit einer gigantischen Brücke zu überwinden gilt. Ein merkwürdiger Blickwinkel, von der Presse bis hin zur NEW YORK TIMES unisono als Vandalismus und Barbarei gebrandmarkt und gegeißelt.
Der Kapitän nimmt also ganz zu Recht die B50neu mit Hochmosel-Übergang, hier gar als „Monster“ tituliert, ins Visier und drückt ab: knall bumm. Leider streut seine Breitseite erheblich, vielleicht wegen Seegangs oder Nebel, und neben dem einen oder anderen Volltreffer erwischt er bedauerlicherweise auch die Takelage des Flaggschiffs und den Kutter des Lotsen. Im Klartext:
Der Captain beklagt den ausufernden „Alarmismus auf beiden Seiten“, und zählt erstaunlicherweise auch Winzer dazu, die sich Sorgen um den Wasserhaushalt ihrer Weinberge machen. Jedem Laien ist klar, dass eine 60 Meter breite Betonrampe direkt oberhalb der Zeltinger, Wehlener und Graacher Spitzenlagen einen Effekt auf das Lateralwasser haben muss. Den unabhängigen Fachleuten sowieso. Nicht umsonst fehlt aber ausgerechnet dazu ein Gutachten. Nein, wir haben eins, behauptet die Landesregierung öffentlich. Aber wo? Stuart Pigott, der mehrfach nachfragte, eigens nach Mainz reiste, konnte es nicht einsehen. Offensichtlich spielt hier jemand mit gezinkten Karten.

In trockenen Jahren, wo es schon mal um ein paar Liter Wasser geht, die entscheiden, ob ich Trauben von Kreis- oder Weltklasseniveau ernte, ich als Weingut aber nur mit Weltklasse eine Chance am Markt habe, eine durchaus berechtigte Sorge. Lieber Kapitän, solch nüchterne Profis wie Katharina Prüm, Ernst Loosen, Markus Molitor, Johannes Selbach, Willi Schäfer u.a. vor dieser Existenzbedrohung mit dem Etikett „Alarmist“ zu bekleben, ist ein echter Rohrkrepierer.
Weiter: Die GRÜNEN mussten sich nicht von den Linken zum Jagen tragen lassen. Ist mir rätselhaft, wie der Captain auf diesen Unsinn kommt. Weder Lafontaine noch Gysi waren jemals hier oder bei irgendeiner unserer Veranstaltungen. Die BI „Pro Mosel“ ist ein buntes Bündnis und die GRÜNEN waren immer vorne dabei in tragenden Rollen, vor Ort und in Mainz, aber auch in Bonn und Berlin. Ich muss es wissen, weil ich seit mehr als 30 Jahren diesen Widerstand von innen her kenne.
Die Herren Beck und Hering behaupten nun, die GRÜNEN seien 2003 für die Brücke gewesen. Das stimmt so nicht, hier haben wir den „Aromaschatten“, wo sozusagen Falsches mit Richtigem vermischt wird. Denn der Sachverhalt ist etwas verwickelt und nicht auf eine Schlagzeile zu reduzieren: Rheinland Pfalz hat im April 2000 den Bauabschnitt mit der Brücke als „planfestgestellt“ nach Berlin gemeldet. Was belegbar nicht stimmte. Erst ein halbes Jahr später war es soweit. Wollen das mal festhalten: Landesregierung belügt Bundesregierung um sich Gelder für ein Prestige Projekt zu erschleichen. Weiter: Das Projekt kam dadurch dann auf Drängen von Rheinland-Pfalz in den Bundesverkehrswegeplan, unter der Prämisse: Privatfinanzierung und Refinanzierung durch Mauteinnahmen. So stand es dann im Koalitionsvertrag, den die Grünen unterschrieben haben: planfestgestellte Projekte nicht antasten, dafür Verbandsklagerecht und künftig mehr Gewichtung auf ökologische Aspekte beim Straßenbau erhalten. Das F-Projekt kam also erstmal rein, ungeprüft, nach dem Motto: schreibt es mal rein, kostet euch nix. Die Insider lachten sich schlapp, wir auch. War völlig klar, dass da keiner investieren würde, bei gerade mal 6000 Autos die bei Prüm am Tag über die Grenze rollen. Also war das Ding klinisch tot. Dachten wir alle. Diese Zusammenhänge hat Renate Künast letzte Woche an der Mosel in Ürzig bei einer Protest-Aktion noch einmal öffentlich bestätigt. http://daten.pro-mosel.de/kuenast.html

Inzwischen hatte sich die Landesregierung zwar Baurecht erklagt, aber ohne Geld würde da nichts laufen. Grotesk, dass ausgerechnet der Lehmann Brothers Crash und die danach in Panik von der großen Koalition im Jahre 2008 geschnürten Konjunkturpakete, dann zu einem überraschenden Baubeginn eines Zubringers und einiger kleinerer Bauwerke führte. Eigentlich auch so eine Mogelei. Plötzlich war die Privatfinanzierung vom Tisch und wir Steuerzahler sollen nun für diesen Blödsinn bluten. Egal wie der Topf heißt, „Maut-Mehreinnahmen“ oder „Fernstraßen“, es ist unser Geld drin. Wäre also besser, statt ungerechtfertigtes „Grünen-Bashing“ zu betreiben, und sich über die Sorgen der betroffenen Winzer zu mokieren, den Regierenden in Mainz und Berlin auf die Finger zu schauen und deren Tricks und Drehereien aufzudecken.

Es ist ja sonst vieles gut und richtig in dem Beitrag, kann das hier nicht alles anführen. Kann vieles unterschreiben, aber dass der Kapitän schlussendlich ausgerechnet einen Wein eines Weingutes empfiehlt, dessen Chef als einziger der namhaften Riesling Recken dieser Region für den Bau der Brücke ist, und seinen Kollegen so in den Rücken fällt, also gerade ein Paradebeispiel für die vom Captain beklagte fehlende Solidarität der Moselaner ist, soll wohl witzig sein, ist aber nicht wirklich lustig und legt sich als bitterer Abgang schwer auf die Zunge.
Wie gesagt: Aromaschatten. Eine neue Flasche, bitte!

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Der Captain (aus Italien)

Zur Kenntnis genommen und als beste je erhalten Richtigstellung gespeichert. Dazu drei Nachträge meinerseits:

1.) Das Wasserargument steht völlig ausserhalb des Alarmismus, ich nehme den Alarmismus bei diesem Argument zurück (eigentlich bei jedem Argument, das zählt). Die Sache mit dem verborgenen (offenbar gar nicht existenten) Gutachten halte ich für wichtiger, als es die Leute vor Ort eventuell ahnen..

2.) Ich hatte zu Beginn meiner Recherchen bei den Grünen (die mir seit dem 2005er Wahlkampf näher bekannt sind) nachgefragt. Niemand in Berlin wusste 2009 von der Brücke. Das ist Versagen der Ortspartei. Namhafte Vertreter der Linken jedoch, die ich auch kenne, wussten davon..

3.) Von dem Winzer hatte ich eine Aussage, die ich nicht als Befürwortung buchen kann. Trotzdem, auch nach Rücksprache, fliegt der Tipp raus.

Beste Grüße

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Gast

Hallo,
ich bin die "Ortsgrüne" ,-). Wenn ihr wissen wollt, was wir - vor Ort, im Land, mit Bundestagsabgeordneten - so alles in den letzten Jahren/ Jahrzehnten zur Verhinderung des Projekts Hochmoselbrücke - B50neu gemacht haben empfehle ich http://gruene-bernkastel-wittlich.de/uploads/media/Auswahl_HMUe_2010.pdf
zu lesen. Ich hab da mal verschiedene Stellungnahmen, Presse, Aktionsdokus, Anträge, Anfragen etc. pp zusammengetragen.
Also: wer mehr wissen will, kann sich ja gerne die Seite http://gruene-bernkastel-wittlich.de/hochmoseluebergang-b50neu anschauen, ganz unten auf der Seite findet ihr das pdf.-Dokument.
Besten Gruß

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Der Captain (aus Österreich)

Sehr gut und Respekt, warum aber wusste Frau Künast oder Herr Trittin im August 2009 nichts über die Brücke?

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Durst

Moselanerbashing ist nicht das Thema, die Schande trifft jeden von uns die wir wissen was da wohin gebaut wird. Es ist für uns Alle beschämend wie gleichgültig das Thema an der Mosel, bei Weinfreunden, bei Winzern und Kulturinteressierten durchrutscht.

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