Es geht weiter mit Maat Golenias Chardonnay-Fimmel. Die ABR-Phase (Anything-But-Riesling) ist noch nicht vorbei. Nebenbei hat sie mir häufig Spott und Hohn an Bord eingebracht. Kurzum: Ich werde für ziemlich bescheuert gehalten. Wegen ABR.
Und doch: Mein momentaner Bezug zu deutschem Chardonnay hat bewirkt, dass häufiger Pakete von deutschen Winzern aufs Schiff eintrudeln, die sich mit ihrem guten Chardonnay beweisen möchten. Die zeigen möchten, was diese Rebe kann, selbst wenn sie gerade völlig abseits aller Diskussionen steht. Mir soll das recht sein, denn ich fange an, meine Vorurteile von meinem Geschreibsel zu hinterfragen.
Charakterkopf mit Herz am rechten Fleck
Weingut Ziereisen in vielerlei Hinsicht außergewöhnlich im badischen Weinbau. Da haben wir den überaus charismatischen Hanspeter Ziereisen. Jemand, den man mal live erlebt haben muss, um überhaupt davon eine Vorstellung zu bekommen, was eine echte Frohnatur ist. Hans-Peter ist eigentlich Tischler von Beruf. Vom Auftreten her hemdsärmelig, immer zugänglich, nichts Gekünsteltes, sympathisch, bodenständig. So einer hat das Herz am rechten Fleck.
Ich habe noch nie erlebt, dass sich Hanspeter Ziereisen eingezwängt von Anzug und Krawatte auf Messen gezeigt hätte. Immer stand er da, unverstellt mit seinen Karohemden, die Ärmel hochgekrempelt, und unterhielt als Entertainer seine Standbesucher. Und das versteht er. Er macht Unterhaltung, zieht Interessierte in seinen Bann, erzählt und gibt preis. Zusammen mit seiner Frau Edeltraut.
Der Lohn dafür sind Menschentrauben vor ihrem Stand. Manchmal habe ich mich gefragt, ob Hanspeter Ziereisen nach Messefeierabend seine heitere Maske abnimmt und übellaunig ins Hotel marschiert. Ich kam zum Schluss: Da ist keine Maske - der Mann ist einfach so!
Ein junges Weingut am Ende der Welt
Weingut Ziereisen ist ein wenig anders. Ein kleiner Mischbetrieb im Markgräflerland, einer Subregion vom südlichen deutschen Anbaugebiet Baden. Ein lang gezogenes Gebiet, das knapp südlich von Freiburg beginnt und sich bis Basel erstreckt. Ziereisens Basis ist das unscheinbare Doppeldorf Efringen-Kirchen. Die Ziereisens schleppen dort nicht diesen Renommiertsheitsballast alt eingesessener Familien herum, denn sie sind ein recht junges Weingut.
Ein Weingut, das erst innerhalb weniger Jahre einen wahnsinnigen Qualitätsprung nach vorn gemacht hat. Jahr für Jahr konnte man erleben, wie das Weingut den Stil seiner Weine in Zeitraffer verfeinerte, sie immer puristischer werden ließ. Irgendwann, so Ende der Nuller Jahre, stellte Hanspeter Ziereisen sein ganzes Sortiment auf Spontanvergärung um - von einfachen Gutedel bis zum besten Spätburgunder. Ein Novum in diesem unbeleuchteten Zipfel namens Markgräfler Land.
Hab keine Angst vor Sponti - sagt Molitor
Übrigens wurde ihm die Angst vor Spontanvergärung, die für jeden Winzer immer ein gewisses Risiko darstellt, vom Moselwinzer Markus Molitor genommen. Man mag sich vorstellen, wie der alte Spontihase Molitor, selbst ein glühender Verfechter dieser Gärungsart, auf Hanspeter Ziereisen eingeredet hat, bis dieser abließ von Laborhefen aus dem Schlabberbeutel. Und dieser radikale Schnitt tat Ziereisens Weinen verdammt gut. Selbst sein Gutedel, weiß Gott nicht bekannt als große Rebsorte von Welt, schafft damit Erstaunliches, ja fast Komplexes, der sicher keine Easy-Drinking Gewohnheiten bedient.
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Hanspeter Ziereisen. Ein feiner Kerl. (Foto: WG Ziereisen) 





Mein Gott, was für ein Rührstück vom ehrlichen einfachen Winzer. Die Bundeswehr sollte in Banalistan intervenieren.