Es gibt Urteile des Bundesverwaltungsgerichtes, bei denen einem der Wein im Glas schal wird. So nickten die Leipziger Richter vor einigen Wochen ab, dass für zehntausende Anrainer des künftigen Großflughafens in Berlin-Schönefeld das Recht auf körperliche Unversehrtheit hinter den wirtschaftlichen Interessen von Fluggesellschaften und Flughafenbetreibern zurückstehen muss. Auch zwischen 22 und null bzw. zwischen 5 und 6 Uhr darf demnach gestartet und gelandet werden, was das Zeug hält.
Sehr gut munden dürfte Freunden deutscher Weine dagegen ein Urteil vom Freitag. Die Richter entschieden in letzter Instanz, dass die sogenannte Weinwerbeabgabe, die Winzer und Abfüller an den Deutschen Weinfonds abführen müssen, „zulässig und mit den Grundrechten vereinbar" sei. Die von sieben Klägern - vier Kellereien und drei Winzern - eingelegte Revision gegen entsprechende Urteile anderer Instanzen wurde somit zurückgewiesen.
DWI - von Behäbigkeit zur Effizienz
Es geht um 0,7 Cent pro Liter bzw. 67 Euro pro Hektar Anbaufläche. Doch Kleinvieh macht bekanntlich auch Mist, und so fließen je nach Erntemenge immerhin zwischen 8 und 11 Millionen Euro pro Jahr in den Fonds, der damit in erster Linie werbliche Aktivitäten des Deutschen Weininstitutes (DWI) unterstützt. Und dieser früher eher verschnarchte, behördenartige Apparat hat sich in den vergangenen Jahren - bei aller berechtigten Kritik im Detail - zu einer modernen, effizienten Marketinginstitution entwickelt, die einiges dafür getan hat, dass sich der lädierte Ruf des deutschen Weines im In- und Ausland spürbar verbessert hat.
Viele Winzer haben durch DWI-Kooperationen mit großen kulturellen und gesellschaftlichen Events oder Multiplikatoren wie der Deutschen Bahn AG ein Publikum erreicht, das ihnen auf „normalem" Weg wohl verschlossen geblieben wäre. Dazu kommen umfangreiche Werbekampagne für regionale und saisonale Spezialitäten, wie z. B. Wein und Spargel. Zusammen mit den regionalen Weinbauverbänden wurden auch - für viele Winzer überlebenswichtige - Themen wie Wein und Tourismus pr-mäßig beackert. Und im Umfeld des Mainzer Instituts hat sich längst eine Art Netzwerk von Weinpublizisten etabliert, die regelmäßig zu Themenreisen eingeladen werden. Auch dies verschafft Jahr für Jahr vielen Winzern und Genossenschaften eine mediale Aufmerksamkeit, die sonst kaum zu erzielen wäre.
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Marketing, Werbung, Verkostungen. Wie wird das finanziert? (Foto: DWI) 





Ich begrüße das Urteil!
Jetzt gilt es die Jahrelange zurückgestellte Arbeit die im Ausland für Image etc. getätigt wurde wieder hochzufahren!
Doch ganz klar ist wohl auch...wir bräuchten das alles nicht, wenn der Verbraucher eben nicht in den billig Discounter rennt um da die Plörre zu kaufen.
Nein, gäbe es keine Absatzprobleme bei den Winzern (Beispiel Ahr!) dann bräuchte man keinen DWI, keine Abgabe!
Erzählt mir doch neulich ein gut betuchter Freund, das er einen Neuseeländischen Wein für paar Euro im A*** gekauft hat.....ich fands eher ziemlich peinlich. SHAME ON YOU!