Die Kombüse wurde umgebaut. Und zwar über Nacht. Der Captain hat davon nichts bemerkt, denn er war in Stuttgart und aß ein großes Stück Rind, obwohl Fleisch ja das Gemüse der Proleten ist. Das stört den Captain nicht, er ist ja Prolet reinsten Wassers.
Weil auch ein Prolet Stil haben muss, aß der Captain ein abgehangenes Stück Rind aus Argentinien, zubereitet von einem Meisterkoch, mit dem der Captain die Trinklaune teilt. Und Laune überhaupt. Für Stilfragen an Bord ist neuerdings Maat Florian Severin Küblbeck II von Sachsen-Anhalt-Hannover-Gotha-Hohenzollern zuständig, der sicher bestangezogene Mann am Schiff. Dem Ersten fällt immer die Kinnlade runter, wenn Küblbeck in seinen perfekt geschnittenen Anzügen indigniert die Gläser spült.
"Ist der ein Geck?"
"Mir egal, er kann schreiben."
Bestangezogener Maat an Bord war bislang Felix Eschenauer, der in die Privatwirtschaft "rübergemacht" hat. Seine Kajüte ist unbeschlafen verwaist, ein Paar Schuhe stehen herum, Leder natürlich, langer Schnitt. Küblbeck hat schon Augen drauf geworfen, doch Finger weg, Fundgut gehört dem Captain und Eschenauer hat die gleiche Schuhgröße.
Kein Glas für alle Weine
Maat Küblbeck, am Schiff nur mehr "King" genannt, weil er Fremdwörter verwendet, die man googlen muss und royale Umgangsformen mit den Untergebenen pflegt; King Küblbeck kam gestern mit einer Theorie an, die man ihn erstmal ausformulieren ließ, der Theorie, dass ein großes, nicht allzu bauchiges Burgunderglas für nahezu alle Weine reicht.
Deswegen haben der Erste und Schwundmaat Golenia gestern ein paar Weine im Vinum-Riedel herumgeschwenkt, vor allem Rieslinge, mit einem sicheren Ergebnis: Küblbeck hat recht, Küblbeck hat nicht recht.
Recht hat er was den Vernatsch betrifft. Und auch bei einem einfachen burgenländischen Zweigelt besserer Machart. Unrecht hat er bei manch einfachem Kabinett-Riesling. Oder bei einem Chenin-Blanc von der Loire. Und nicht nur da. Zwar kann man bei all diesen Weinen mehr Aromen riechen, doch wird der Saft schnell müde. Und diese Müdigkeit sucks.
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Des Captains Lieblingsgebinde. Unzählige von hat er schon gegen die Wand geknallt... 



ich bin Deiner Meinung, dass das sog. "Chiantiglas" von Riedel und seine Plagiate für 90% der Weine ideal sind. Ich persönlich verkoste zu Hause Große Weine immer aus den Zaltogläsern (Boredeaux oder Burgunder) und aus dem "Chiantiglas", um die Entwicklung des Weines nach dem Öffnen und auch drei bis vier Tage lang zu verfolgen. Und dabei komme ich zu den erstaunlichsten Vergleichen. Ich gehe davon aus, dass es Dir und den weinkundigen Lesern nicht anders geht.