Bei Minusgraden mit der S-Bahn von Bochum nach Essen. Früher Samstagmorgen. Die Schiffsbesatzung schnarcht noch. Maat Dutta besteigt die S-Bahn unweit des Bochumer Schauspielhauses, das bald wieder von der irrlichternden Katharina Thalbach heimgesucht werden wird. Harald Schmidt und Armin Rohde gehen ja noch. Wer hat ihr eigentlich gesteckt, daß sie die Topbesetzung für tragische Helden sei? Ein Programmdirektor von Arte wahrscheinlich. Herrje. Den Grauköppenwird's gefallen. Mich schockt hier gar nichts mehr.
Essen, Stadtteil Kettwig. Bei diesen Temperaturen muss es ein Taxi sein. Dem Zahlmeister bricht ja schon der Angstschweiß aus, wenn er nur "Taxi-Rechnung" hört. Zum Schlosshotel Hugenpoet (gesprochen: Hugenpoht) kommt man nämlich nicht anders. Außer man fährt selbst. Heute keine Option, denn das mittlerweile zehnte Weinevent des Essener Fachhändlers Thomas Kierdorf wartet. Da gibt es wenig, was man spucken möchte. Anwesend ist die deutsche Winzerelite: Egon Müller IV. schenkt persönlich aus, zenmäßige Ruhe und Würde ausstrahlend. Wenn er nicht grade mit H.O. Spanier ("Herr Sarraziiiin, Herr Sarraziiiin!") smalltalked.
Egon Müller mit Ruhe und Würde
Aus dem Taxi raus, zur Garderobe und dann direkt zu Raumland, ein Sekthaus aus Rheinhessen. Gerammelt voll, aber wer in Mumbai schnell eine Taxe bekommt, kann sich auch hier behaupten. Erster Schluck: 2005 Blanc et Noir Brut nature. Keine Dosage. Klar, bemüht, etwas blass, wie Natalie Portman.
Weiter geht es im Programm. Das Flaggschiff, 2005 V. Triumvirat - Grande Cuvée Brut, segelt ins Glas. Wunderbar als Pirat bei Champagnerproben einzusetzen. "Herrlich eindringlich" vom Kalkboden geprägt, wie Herr Eichelmann schreiben würde.
Die Weine liegen so lange auf der Hefe, wie es ihnen bekommt und mit der Dosage wird zurückhaltend umgegangen. Nach Auskunft der Hauschefin liegt sie immer zwischen 4 und 6 Gramm, beim Rieslingsekt etwas darüber. Alles super, doch wirklich schmeckt mir neben der Grande Cuvée nur noch die Cuvée Katharina, über 4 Jahre Hefelager. Der Rest ist mir einfach zu "sektig". Brausig, ohne brausig gemacht zu sein.
Alles drängt sich sich bei den Moselwinzern
Von Schaumwein erfrischt, wird nun herumgewandert, in dem ebenerdigen Stockwerk knubbelt sich alles bei Molitor, Müller, Van Volxem und Co. Der "1900" Sekt von Van Volxem überzeugt mich auch dieses Jahr nicht. Im Glas hatte ich den Jahrgang 2007. Das Gedränge wird immer größer, Veranstalter Thomas Kierdorf bittet die Gäste, auch die im oberen Stockwerk vereinsamten Winzer nicht zu vergessen. Das passt mir grade gut, die Mosel kann noch etwas warten. Treppe rauf, nur wenige Gäste folgen, zu magnetisch wirkt die Präsenz von Löwenstein.
Direkt hin zum hemdsärmeligen Hans-Peter Ziereisen, der seine von der Post durchgeschüttelten, unfiltrierten Erzeugnisse einfach draußen auf der Fensterbank kühlt. Sein 2010 Gutedel "Steingrüble" hat einen Hauch Barrique gesehen, was für ein wunderbar süffiger und gut strukturierter Winterwein für gerade mal 10,50 Euro! Langes Hefelager und Aufrühren derselben sind der Schlüssel dafür, dass der Wein nicht banal, sondern genial schmeckt. Der Weißburgunder Lügle und der Grauburgunder Jaspis verzaubern ebenfalls mit einer gelungenen Mischung aus Eleganz und Schmelz.
Deutsche Steuerung vermeiden, sagt Ziereisen
Wirkt alles sehr französisch, was mir auch vom Winzer bestätigt wurde: Er verzichtet im Keller auf präzise (O-Ton) "deutsche Steuerung" mit Start-Stopp Automatik. Dies würde die Rebsorte Riesling seiner Meinung nach erfordern, daher arbeitet er mit Burgundersorten, die ihm näher liegen, weniger Intervention im Keller erfordern und besser zu seinen Böden passen. Offen erwähnt er, dass seine aufgezuckerten Weinjahrgänge schlechter bzw. anders reifen würden. Manche Kunden sehen das anders.
Weiter auf Seite 2...







Wie viele Pullen davon hat Maat Dutta getrunken? (Foto: Yurok Aleksandrovich-Fotolia) 





Weindeuter war auch da, u.a. Milch trinken:
http://weindeuter.blogspot.com/2012/02/milch-chardonnay-kleines-menu-auf...