Johnny Depp, so konnte man gerade lesen, will nicht mehr Winzer werden. Dazu kann man ihm nur gratulieren, denn er plante seine Reben in Südfrankreich einzusetzen, dort hat er ein kleines Landgut. In der Umgebung gibt es viel Weinbau. Viel zu viel Weinbau.
Vor wenigen Jahren noch galten Südfrankreich und Südwestfrankreich als Hoffnungsgebiete der französischen Weinindustrie. Die Region Bordeaux, so schien es, konnte nicht genug Rebensaft herstellen, um die Nachfrage der Welt nach französischen Rotwein zu befriedigen. Und Dank der Allmacht des umstrittenen amerikanischen Weintesters Robert Parker steigen die Flaschenpreise selbst mittelmäßiger bordelaiser Chateaus in lichte Höhen. Wo sie heute noch verweilen. Wer kann das bezahlen? Antwort: Die Chinesen.
Dann sollen sie das ruhig. Man kann ja ausweichen, So dachten viele. Und sahen sich in Südfrankreich um. Der amerikanische Weinkonzern Mondavi (heute im Besitz des gigantischen Getränkekonzerns Constellation) projektierte ein 140 Hektar großes Weingut, das aber am Widerstand der lokalen Bevölkerung scheiterte. Frankreich ist eben sehr eigen.
Ein eigener Zugang
Eigen ist auch der Zugang vieler französischer Winzer zu ihrem Beruf. Nach wie vor werden in französischen Weinbaugebieten Herbizide ausgebracht, die den Boden zerstören. Nach wie vor setzen die meisten französische Winzer auf Masse statt Klasse. Und nach wie vor werden schmutzige Keller, schlechte Infrastruktur und daraus resultierende Weinfehler als Terroir verklärt. Und nicht wenige Weinhändler und Konsumenten lassen sich die Schlampigkeit auch noch als originär verkaufen.
Mitte des letzten Jahrzehnts verebbte der Weinboom und die südfranzösischen Regionen müssen seither mit einer geringen Nachfrage zurechtkommen. Bis auf ein paar Ausnahmewinzer geriet die Gegend wieder in Vergessenheit. Das ist ein Fehler, der nicht zuletzt auf das fehlende Wissen über die einzelnen Regionen zwischen Nimes und Cahors zurückzuführen ist. Während man im Bordelais auch die kleinsten Appellationen - etwa St. Julien oder St. Estephe - kennt, beide nicht größer als bürgerliche Berliner Bezirke, weiß man von Südfrankreich nur, dass es im Süden Frankreichs liegt. Als würden dort keine mikroklimatischen Verhältnisse herrschen, die unterschiedliche Weine bedingen.
Nicht weit ins gelobte Bordelais
Nehmen wir etwa die Region Cahors im Südwesten des Landes. Von hier weg ist es nicht mehr weit ins gelobte Bordeaux. Die Weine der Gegend waren lange Zeit nur einem eingeweihten Kreis Weintrinker bekannt und kaum ein Winzer dort dachte an den Export seiner Flaschen. Alain Gayraud war das ein Dorn im Auge. Er wusste um die Einzelstellung seiner Weinberge und Reben. Ausgeprägte Kalkböden und die seltenen Rebsorten Malbec und Tannat können ein Alleinstellungsmerkmal sein, wenn es darum geht, sich aus der Masse hervorzuheben. Gayraud erkannte das und focht mit ein paar anderen Winzern 1971 die Appellation Cahors durch, die einigen Winzern im Bordelais seither ein Dorn im Auge ist. Gute Weine. Um einiges billiger.
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Nicht im Cahors. Aber ähnlich traditionell. 



Hat doch gar nicht weh getan, oder???