Nicht jeder junge Winzer ist auch gleich ein „Junger Wilder". Doch seit rund zehn Jahren bekommen Quereinsteiger, Önologen ohne Familienweingut und jeder, der einen seltsamen Weg wählt, also nicht aus einer Winzerfamilie stammt, diesen Stempel verpasst. Ob der stimmt, sei dahingestellt.
Nicht jeder ist Rock 'n' Roll, manche sind auch Jazz oder wollen schlicht „Ihr Ding" machen, wollen einfach gute Weine abliefern. Ein solcher Quereinsteiger ist Julian Haart, der schon 2009 mit einem erstklassigen Projektwein auffiel, den er in Zusammenarbeit mit dem Winzer Andreas Adam gekeltert hat. Haart zeigt mit seinen 2010ern einen „unbedingt" zu nennenden Willen zur Perfektion.
Hat gelernt nur bei den Besten
Dieser Wille kommt nicht von ungefähr, denn Haart hat auf den besten deutschen Weingütern gelernt. Dort kann man sich Willen abschauen. Bei Egon Müller an der Saar, bei Heymann-Löwenstein, Emrich-Schönleber und Keller. Besonders die Weine der Familie Keller aus dem rheinhessischen Flörsheim-Dalsheim prägten heute Haarts Stil. Das schmeckt man.
Haart und Keller verbindet bis heute die gemeinsame Arbeit und die Liebe zum Riesling. Dem kühlen, klaren, feinen Riesling-Stil, dessen Kraft nicht dem Alkohol, sondern der Mineralität geschuldet ist. Aber Haart ist ein Ritter ohne Ross, ein Winzer ohne Land. Deshalb kann er gezielt Weinberge pachten und bewirtschaften, Lagen, die ihm besonders gefallen, Lagen, die einzigartig sind; einzigartig selbst in einer Landschaft vieler großer Hänge, wie man sie an der Mittelmosel findet.
Vergessen in der Nachkriegszeit
Im letzten Jahre kamen Haarts Rieslinge aus der Lage Wintricher Ohligsberg. Der Ohligsberg wurde vom sicher bekanntesten Vertreter der weitläufigen Haart-Familie, dem Winzer Theo Haart (VDP-Weingut Reinhold Haart) wiederentdeckt. Wiederentdeckt, weil der Wingert um 1900 zu den besten Lagen Deutschlands zählte, aber in der Nachkriegszeit vergessen wurde. Ein Teil der Lage liegt am Fluss, der größte Teil dreht jedoch in ein enges Seitental. Ein kühler Fleck, ein steiler Hang, der Schiefer ist im Spätherbst morgens häufig schon vom Raureif überzogen. Eine Lage für die kommenden Jahrzehnte. Gerade in heißen Jahren ist dieser Berg ein Trumpf.
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Neue Etiketten braucht das Land. Ein Fall für die Medienagenten. 





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