Rheinhessen, es geht weiter! Genauer gesagt: Ewig lockt das Pettenthal. Noch bin ich nicht durch mit allen Weinen dieser Lage. Das wir noch dauern. Nachdem ich kürzlich zwei Kabinette vom Weingut Louis Guntrum aus den sehr unterschiedlichen Jahrgängen 2010 und 2011 mit an Bord gebracht habe, ist diesmal die Königsklasse der trockenen Weine dran. Pettenthal, Runde zwei: Kampf der Großen Gewächse.
Die Kontrahenten: St. Antony und Gunderloch. Da die 2011er allerdings noch nicht im Verkauf sind (da hat nur der Captain dran genuckelt, demnächst mehr), muss ich mich wohl oder übel mit dem Vorgängerjahrgang begnügen. Was bei genauerer Betrachtung gar keine so blöde Idee ist, denn am heiklen Jahrgang 2010 zeigt sich, wer seine Lagen kennt, wer sie respektiert und ihnen auch in schwierigen Jahren gute Weine abtrotzen kann.
Ring frei! In der linken Ecke zunächst der Pettenthal 2010 von St. Antony. Noch bevor es an den Wein selbst geht, fällt mir wieder auf, dass es wohl keinen einzigen deutschen Produzenten gibt, der seine Etiketten mit einer geschmackloseren Schriftart entstellt. Ornamentierte Kursiven sind ja ganz nett, aber warum keine schöne Variante? Bei so viel schicker Vermarktungsmaschinerie rund um den Betrieb sind mir solche Fehlgriffe ein Rätsel. Um die Flasche nicht länger vor Augen haben zu müssen, gieße ich mir schnell mein Burgunderglas voll. Ein dicker, kräftig strohgelber Saft schwappt im Glas umher, noch leicht moussierend, weil der Wein selbstredend noch viel zu früh geöffnet wurde. Und trotzdem wird er schnell zugänglich.
Was spaltet? Holz!
In der Nase sofort viel gelbe Steinfrucht. Saftig, kräftig und üppig. Kein Leisetreter, so viel ist klar. Im Mund geht es opulent weiter: Ein reifer Fruchtsalat, Ananas, Zitrone, Trauben, dazu eine metallisch-mineralische Würze im Pingpong mit einer perfekt eingebundenen und überhaupt nicht spitzen Säure. Dann macht sich das breit, was Rieslingfans nicht erst seit von Winnings 2010er Kollektion in zwei Lager spaltet: Holz. Großes Holz, spürbares Holz.
Ob man das nun mag oder nicht, eins muss man anerkennen: Die gewisse Breite und Cremigkeit steht diesem 2010er Antony Pettenthal gut zu Gesicht. Oder, um es mit einem geflügelten Wort des Social Media zu sagen: Gefällt mir! Wer ihn unbedingt schon jetzt trinken muss (was möglich ist), sollte dem Wein aber eine gute Stunde in der Karaffe gönnen. Mindestens. Dann gibt es obendrauf noch Noten von Quitte und Orangenmarmelade. Und einen angenem salzigen Nachhall mit Spuren von weißem Pfeffer. Ein Pfeffer, den man sonst selten findet. Im Pettenthal.
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Manchmal melancholisch: St Antonys Felix Peters. Könner und Individualist... 



Wieso is 2010 ein Arschjahr?Wer Weine machen kann -kann auch Arschjahre machen!Sosiehtsaus