Neues Jahr, neues Glück. Letztes Jahr hätte man neues Pech sagen können, denn das Weinjahr 2010 war kein gutes Weinjahr. Das darf man freilich nicht sagen, denn im Gegensatz zu früher, gibt es - im ökonomisch verpflichteten Neusprech - keine schlechten Weinjahre mehr. Diese heißen jetzt: „interessante" oder „gastronomische" Weinjahre, sie liefern „spritzige und schnell zu trinkende Weine."2010 war so ein Jahr. In Deutschland, in Österreich, in Teilen von Frankreich (ausgenommen Bordeaux, Rhone und dem Süden) und in vielen anderen Weinregionen der Welt. Doch keine Bange: auch diese Weine werden ausgetrunken. Sind ja keine anderen da.
Neues Jahr, neues Glück. Und man kann von Glück reden, dass man schon jetzt einige 2011er Weine kosten kann, die einen Ausblick auf das gerade vergangene Weinjahr ermöglichen. Die Winzer der wohl prominentesten österreichischen Weinregion Wachau füllen ihre Federspielweine (vergleichbar mit den deutschen Kabinettweinen) schon sehr früh ab und bringen sie bereits Anfang des Folgejahres in den Handel.
Kommt Wein zu früh in den Handel?
Man kann diese Praxis auch kritisieren, denn selbstredend sind diese Weine zu jung, um jetzt schon getrunken zu werden. Dass dies aber trotzdem geschieht, ist auch dem Verlangen der Konsumenten geschuldet, die irrtümlich glauben, junger und relativ leichter Weißwein müsse sofort aufgebraucht werden.
Trotz ihrer Jugend habe ich zwei Federspielweine geöffnet, kurz dekantiert und getrunken. Denn man kann aus ihnen viel herauslesen, sie geben einen Ausblick auf die teuren, alkoholreichen und zum langen Lagern vorgesehenen Prestigeweine, die Smaragd-Veltliner und Smaragd-Rieslinge der Wachau.
Zuerst trinke ich den Grünen Veltliner Federspiel Rotes Tor, ein extrem populärer Wein des prominenten österreichischen Winzers Franz Hirtzberger. Und gleich vorweg: Was für ein Unterscheid zum Weinjahr 2010! Der 2011er hat deutlich mehr Volumen, zeigt eine sehr präsente Frucht, duftet nach Aprikosen, Grapefruit und etwas Himbeere. Die für den Veltliner typische Pfeffernote zeigt sich noch verhalten, wird sich aber mit den Monaten in den Vordergrund drängen.
Das Rote Tor zeigt sich prächtig
Dazu kommen noch die augenblicklich fordernde Mineralität und der lange Nachhall in Mund und Gaumen. Für einen der simpel gestrickten Weine dieses Weinguts macht das Rote Tor viel her. Und er lässt sich einige Jahre weglegen. Die ideale Trinkreife erreicht dieser Veltliner erst 2014. Doch da werden die meisten Flaschen schon ausgetrunken sein.
Weiter auf Seite 2...







♫ Da draußen in deeeer Wachauuuuuuuuu..... ♫ (ÖWM / Herbert Lehmann) 





gar nicht so leicht!