23.08.12 WEINE 12 Einem Freund senden

Veltliner ohne Ö (2): Piefke Saga

Die weegweisende Chefin: Stefanie Weegmüller-Scherr.Die weegweisende Chefin: Stefanie Weegmüller-Scherr.

Man könnte meinen, dass Österreich die Deutungshoheit für Grünen Veltliner ganz für sich beanspruchen darf. Denn nur dort hat er sich auf ganzer Linie durchgesetzt. Außerhalb der Alpenrepublik spielt Grüner Veltliner keine oder eine untergeordnete Rolle.

In Österreich aber wird er kultiviert, verehrt und zelebriert wie sonst nirgendwo. Als wässeriger G'Spritzer (Schorle) ebenso wie als dicker, geleeartiger Wachauer, den man in Scheiben schneiden kann. Alles zusammen Kulturgut. Wo Deutschland Papst ist, ist Österreich Veltliner.

Ist Österreich also das gallische Dorf des Veltliners? Mitnichten. Einige Schrammen hat das veltlinische Selbstverständnis der Österreicher abbekommen. Erst vor kurzem, bei einer internationalen Vergleichsprobe in Wien, hat ein Veltliner vom deutschen Weingut Weegmüller den ersten Platz belegt. Sakrileg und Sensation.

Ausgerechnet ein Veltliner aus Deutschland, dem Land, das mit seinen sensationellen Rieslingen ohnehin schon reichlich gesegnet ist und jetzt mit einer österreichischen Sorte abräumt! Ein Tritt in die Weichteile des österreichischen Selbstverständnisses.

Deutscher Sieg, österreichisches Wanken?

Doch halt. Der unerwartete deutsche Sieg wird den festen Veltliner-Sockel der Österreicher nicht zum Wanken bringen. Denn bei der Verkostung fehlten österreichische Spitzenbetriebe und die Wachau war nicht vertreten. Nur ein Ausrutscher, dieser erste Platz für Deutschland?

Machen wir es kurz: Weegmüllers Grüner Veltliner ist hervorragend. Er liegt in der Mittelklasse und bietet einen wunderbaren Gegenwert fürs Geld. Stilistisch tritt er erst gar nicht in die Fußstapfen der Österreicher, was sich bei den nahezu fehlenden "Pfefferlnoten" bemerkbar macht. Das so genannte "Pfefferl", bei dessen Erwähnung der Captain regelmäßig einen Schreianfall bekommt, benutzt Maat Golenia gerne, denn der Begriff entspricht vielen Veltlinern und macht ihn zu einem Alleinstellungsmerkmal.

Veltliner ohne Alleinstellungsmerkmal

Ich, der Maat notierte: Sehr saubere, glasklare und feinwürzige Nase nach holländischem Drehtabak, leichter Duft von Mango. Dann der erste Schluck im Mund. Zunächst wirkt Weegmüllers Veltliner mineralisch-kühl wie Lutscheis. Danach die schnell einsetzende Herbheit - ein Tribut an die Sorte - weiterhin das nach hinten ziehende, würzige Fruchtspiel. Gut eingebundene Säure. Ein Wein, der eine leichte Tendenz zum Molligen hat, was einerseits dem kraftvollen Jahr 2011 geschuldet ist und andererseits zum Stil der Weegmüllers gezählt werden kann. Das prädestiniert ihn zum astreinen Solowein.

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Kommentare 12

Kommentare

charlie

Der Grand Cru für Veltliner: http://weinlagen-info.de/#lage_id=1846

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Jürgen Thul (via Facebook)

Veltliner ganz ohne Pfefferl, warum denn dann? Ich bevorzuge die Rieslinge aus dem hervorragenden Weingut...

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Alice Naumann (via Facebook)

na pfiat di

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Peter Dominik Neupert (via facebook)

Naja, sehr aussagekräftige Verkostung ohne Pichler, Hirtzberger, Knoll und Co. So nach dem Motto, ein blindes Huhn.....

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Florian Holzer (via facebook)

aber wie ist denn dieser "österreichische stil" beim veltliner?

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Gast

probiert und für gut befunden. ein klasse grüner veltliner, der sich vor den österreichern nicht verstecken braucht.

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Gast

es ging bei dieser verkostung nicht darum den besten veltliner der welt zu finden sondern um eine gegenüberstellung wie sich diese sorte auf unterschiedlichesten terroirs weltweit verhält, leider ist das von vielen medien falsch verstanden worden

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Maat Golenia trinkt Grünen Tee

Aber werden diese Art von Verkostungen nicht meist so ausgerichtet, dass Punkte vergeben werden und somit automatisch Ranglisten entstehen?

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Tom

also es wurde doch eine Reihung bei dieser verkostung gemachrt. Was kann man dann falsch verstehen???
Wenn es nur darum geht zu zeigen wie unterschiedlich die Terroirs sind. Wäre wohl eine Beschreibung ausreichend gewesen. Und niemand hätte was falsch verstanden.

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Tom

Und so wie Florian würde mich auch sehr interessieren wie nun dieser "österreichische Stil" beim veltliner nun ist!!

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Maat Golenia trinkt 2009er BDX und ist ...

Ahoi Tom,

ich gehe davon aus, dass Sie mit dieser Frage auf etwas anderes hinaus wollen: Wie kann man von einem österreichischen GV-Stil sprechen bei zig verschiedenen Böden, Regionen, Klimata, Winzern? Nun gut. Als Freund der Vereinfachung finde ich, dass man ihn dennoch grob umfassen kann.

Ich finde, dass viele GVs aus Österreich oftmals die klassischen pfeffrigen Noten aufweisen, und ebenfalls die Tendenz haben, mit zunehmender Güte deutlich Alkohol anzusetzen, auf Kosten des Trinkflusses. Und nicht nur die Wachauer arbeiten bei ihren Smaragden gern mit Botrytis, was die Weine dann abermals füllig werden lässt. Besonders im kräftigen Jahr 2011 konnte ich bei nicht wenigen österreichischen Winzern den Hang zum Zuckerschwänzchen feststellen. Was beim Riesling sicher passen mag, ist für mich beim GV tödlich.

Die GVs vom Köfererhof, Weegmüller und selbst die von Lukas Krauß waren da anders. Besonders der vom Köfererhof unterschied sich so dermaßen von allen GVs, die ich bisher verkosten durfte, so (positiv) eklatant, dass es mir die Tränen in die Augen trieb. Kein Moppelchen, kein Botrytis, keinen Speck. Von einer "südtiroler" bzw. "deutschen" Stilistik will ich nicht sprechen, aber im Umkehrschluss von einer österreichischen.

Jetzt dürfen Sie mich zerpflücken.

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Gast

der organisator hat grüne veltliner aus der ganzen welt zusammengetragen um die bescheidene aber zunehmende globale bedeutungs der sorte zu dokomentieren, jens priewe der dabei hat unter folgenden link dazu etwas veröffentlicht dass die verkostung und deren sinn so glaube ich gut dokumentiert
http://www.weinkenner.de/2012/zum-lachen-deutschland-schlaegt-oesterreic...

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