11.01.12 WEINE 17 Einem Freund senden

Ein Bordeaux aus Südtirol

Brennerautobahn runterfahren und schon sieht man solche Bilder.Brennerautobahn runterfahren und schon sieht man solche Bilder.

Die guten Vorsätze sind auch nicht mehr das, was sie einmal waren. Eigentlich war mein Plan für 2012 noch mehr querbeet zu trinken. Ausgelatschte und langweilige Weinwege zu verlassen. Nicht immer nur Italien, Frankreich, Spanien und Deutschland. Den Fokus neu justieren. Und jetzt das. Wieder ein Roter aus Norditalien, noch dazu aus Südtirol. Braucht man das im neuen Jahr? Brauche ich das?

Noch habe ich die letzten Gesprächsfetzen von Verkostungen mit Weinfreunden wie Tinnitus im Ohr, wenn es um Südtiroler Weine ging. Der Tenor ist einfach wiederzugeben. Entweder banale Touriplörre oder nett, aber zu international und teuer. Auch gute Genossenschaften, dazu Lageder oder auch Walch, die was können. Tja, es gibt da deutlich spannendere Weinregionen, die es zu entdecken gilt. Und aus dieser muffigigen Ecke kommt auch noch mein Wein für heute, eine blasierte Cuvée aus Bordelaiser Rebsorten, 80 % Merlot, 20 % Cabernet Sauvignon.

Bundesdeutsche Muttis mit Discounterbrot

Normalerweise ist die Fahrt auf der Brennerautobahn zwischen schwankenden Wohnwagen und aufpolierten Abwrackprämienautos ein reiner Albtraum, der einen die schöne Landschaft vergessen lässt. Bundesdeutsche Muttis eskortieren das unverzichtbare Discounterbrot auf dem Schoss ins exotische Ausland, man weiß ja nie, was dort auf einen zukommt. Auch wenn in Südtirol Deutsch gesprochen wird. Oft genug habe ich diese Zustände erleben dürfen.

Noch öfter habe ich daheim im Einzelhandel Schwärmereien erdulden müssen. Uniform in Rentner-Beige gekleidet, Partnerlook. Der Mann spricht, er ist schließlich selbstgefühlter Weinkenner und Kellermeister. "Von denen da unten können sich viele bei uns noch eine Scheibe abschneiden!" Da wippt die Herrenhandtasche aber vor Erregung am Handgelenk.

Doch Obacht! Links und rechts warten Überraschungen. Wie in diesem Fall. Peter Dipoli hat das gleichnamige Weingut 1987 gegründet und durch Zukauf oder auch Pacht Stück für Stück erweitert. So gelangte auch ein "Iugum" genannter Weinberg (Gemeinde Margreid) in seinen Besitz. Unter "Iugum" verstand man das Joch, das Ochsen bei der Weinbergsarbeit künstlich zusammenschweißte. Aber auch ein Stützgerüst für Reben wurde so bezeichnet. 1995 wurde hier Wein zum ersten Mal erzeugt, bis heute gilt dieser Jahrgang als einer der Besten, wenn nicht sogar der Beste. Eleganz und perfekte Reife zeichnen ihn aus.

Dipoli - ein Mann bringt Schwung in die Region

Dipoli, ein kritischer und wacher Geist, sorgt für viel Schwung in seiner Region. So hat er neben der Weingutgründung auch mit Weinvertrieb begonnen. Bei der Vereinigung freier Weinbauern hat er auch über Südtirols Grenzen hinaus federführend mitgewirkt. Alle waren sehr gespannt, wie ihm sein eigener Wein gelingen und ob dieser seinen hohen Ansprüchen genügen würde. Denn als Weinkritiker nimmt er selten ein Blatt vor den Mund.

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Kommentare 17

Kommentare

Wolfgang Jung (via Facebook)

genau - grßes Zalto Glas dann klappts auch mit dem Wein

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Oswald aus dem Osten

Mal wieder auch ein Besuch im Weingut. Gefällt mir!

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Gast

aber warum muss es denn eine einfallslose bdx-cuvee aus suedtirol sein? ich haette vielmehr etwas über lagrein von dipoli gelesen. ich meine, braucht die welt noch bdx ausserhalb von bdx?

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Maat Dutta

Lieber Gast,

P.Dipoli erzeugt nun einmal folgende Weine: den Iugum Merlot/Cab.Sauv. Daneben den tollen Sauvignon Blanc Voglar und den Merlot Fihl. Und der Iugum beeindruckt. Die Seidigkeit dieses Weines wusste zumindest mich zu überzeugen. Und wo kein Lagrein stattfindet, brauche ich auch nicht zwingend einen. Er ist zwar kein günstiger Wein, aber seinen Preis wert. Gelungene Bdx-Blends ausserhalb von Bdx brauche ich, wenn sie mir schmecken.

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Commander Scottch ...ja doch,ja doch..

...braucht sie : es ist ja kein bdx,sondern ein stx (=südtireaux),oder sollen ab jetzt nur noch autochthone Rebsorten gepflanzt werden?Wie einfältig...

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Gast

Boa ey, BDX-Blends außerhalb von BDX sind ja so was von 80er ...

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Maat Dutta

Lieber Gast, Lady Gaga ist auch so was von 80er, aber trotzdem irgendwie relevant...ich brauche auch nicht bdx blends, aber wenn´s gut gemacht ist...Außerdem heißt es BoaH ey.

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Gast

Maat Dutta, ich spreche weder Frau Gaga noch BDX-Blends Relevanz ab, wenn ich sie mit den 80ern gleichsetze. Welche Negativassoziationen haben Sie mit den 80ern, wenn Sie gleich so aufschreien?
Und für 2,50 Cent können Sie sich Ihr dämliches H kaufen gehen.

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Der Captain Widerspruch

Lady Gaga ist nicht Grace Jones (80er), sondern wie die frühen 90er Produkte von Stock-Aiken-Waterman (Rich Astley, Bananarama, etc..)

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Blattgold

Nur der guten Ordnung halber: Bananarama wurden nur bis 1989 von Stock, Aitken & Watermann betreut. Man hätte aber noch Kylie Minogue und diesen anderen Typen aus Eastenders nennen können (Namen vergessen, war vielleicht auch nicht Eastenders).

Inhaltlich stimme ich aber weitgehend zu. Wobei für mich Lady Gaga eher ein schlechter Aufguss von Madonna aus den frühen 90ern ist.

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Blattgold

Ups, hätte ich mal die Kommentare bis zum Schluss durchgelesen.

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Maat Golenia ...hüstl, räusper ....

Mein Captain, ich muss Sie oberlehrerhaft ob Ihres eklatanten Fehlers berichtigen: S-A-W war Mitte der 80er und hat diesen glatten, etwas aufgeblähten Sound zu dieser Zeit geprägt. Astley war '87, Bananarama mit "Venus" war '86. Die frühen 90er waren das also nicht. Zu dieser Zeit war doch eher Kirmestechno / Eurodance wie Snaps "Rhythm is a dancer" in aller Munde.

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jens

Wer braucht eigentlich Lagrein? Nachdem Bordeaux aus Bordeaux immer weniger zu bezahlen ist und auch die Supertuscan weder ihren Preis rechtfertigen noch wie vorausgesagt altern können bin ich immer an interessanten Alternativen interessiert. Wer keine Bordeauxblends aus Italien braucht sollte mal die Tenuta San Leonardo probieren.

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Teroldegoman Alkoholverbot zu Neujahr

Netter Artikel. Ich trinke seit ca. 15 Jahren viel Zeug aus Südtirol. Was seltsam ist: Im Laufe der Jahre schienen die Weine wirklich etwas fader zu werden, obwohl es Jahr für Jahr im Gambero Rosso aufwärts ging. Allerdings auch kräftig mit den Preisen. Trotzdem finde ich hat Südtirol ein paar echte Leuchtturmweine und Leuchtturmkellereien. Und das sind bei den Roten nicht die Bordeauxverschnitte, sondern in erster Linie die Lagrein Riserva. Auch im Vergleich zu Supertuscans und Piemontbomben ist ein Lagrein wie die Riserva Taber von der Cantina Bozen schlicht ein großartiger Wein. Das gilt auch für ein paar Blauburgunder. Und die Genossenschaftskellereien St. Michael in Eppan, Schreckbichl und Tramin finde ich von der durchschnittlichen Qualität der gesamten Angebotspalette her einfach vorzüglich. Vielleicht verwechselt man manchmal schön trinkbar mit fad. Der Preisauftrieb nervt allerdings wirklich, und wenn man sich die neuen Kellereien so anschaut, stellt man fest: Der Bauersmann im (Design-)größenwahn. Besonders blödes Beispiel:Genossenschaftskellerei Kaltern.

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Maat Dutta dr.albern

Ich habe keine Negativassoziationen bzgl. der 80er. Nur zeugt ein Revival jedweder Couleur nicht unbedingt von überbordender Kreativität. Außer wir reden über "Zoot Woman".

Zu Lady Gaga: "Marry the Night" ist total 80er, "Edge of Glory" auch. "Alejandro" ist ein düster-verzerrtes "La isla bonita"-Zitat.

"Bad Romance" z.B. ist zugebenermaßen 90er.

Aber genug davon. Das letzte Grace Jones Album war übrigens ziemlich gut, von Sly and Robbie produziert meine ich.

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Der Captain

Mir war es dann doch zu fade. Aber gegen Zoot Woman lass ich nichts kommen. Maybe say.

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Christoph Richter (Wein aus Südtirol) gut

Es geht doch überhaupt nicht darum, wo welcher Wein herkommt, sondern doch nur um den Wein selbst. Und um den Winzer. Daher kann ich nur empfehlen, den Wein selbst zu probieren. Und noch mehr empfehle ich, den Winzer selbst zu besuchen. Bei der nächsten Italien-Reise einfach in Südtirol stoppen und vorher einen Termin vereinbaren.

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