Es gibt vergorene Flüssigkeiten, die ein Weinfreund normalerweise nicht Mal mit der Kneifzange anfasst. Dazu gehören in der Regel Weine, die aus der Rebsorte Trollinger hergestellt werden. Die schwäbischen Winzer sind bislang überwiegend den Beweis schuldig geblieben, dass man aus dieser Varietät tatsächlich Wein machen kann. Unbestritten ist dagegen, dass es sich bei Trollinger - dann allerdings unter dem Namen „Black Hamburg" - um eine äußerst wohlschmeckende Tafeltraube handelt, die jedem Obstsalat höhere Weihen verleihen kann.
Doch den gemeinen schwäbischen „Vierteleschlotzer" ficht das nicht. Er trinkt seit Urzeiten Unmengen Trollinger und hält dies vermutlich für eine identitätsstiftende regionale Besonderheit. Und das sicherlich zu Recht, denn außerhalb des Häuslebauer-Countys gilt Trollinger in der Regel als nicht verkehrsfähig.
Bei Verweigerung = Ausgebürgerung?
Natürlich kann sich kaum ein örtlicher Winzer diesem Wahnsinn verweigern. Das Zeug wird nicht selten in recht guten Lagen angebaut, wenn auch oft mit aberwitzigen Hektarerträgen. Wer nicht mitmacht, müsste vermutlich mit Ausbürgerung oder wenigstens sozialer Ächtung rechnen. Geboten werden allerlei süßlich-klebrige Tropfen, die schlicht nach verfaultem Traubensaft schmecken. Trockene Exemplare sind meistens nicht nur dünn, sondern nerven zusätzlich mit üblen Bitternoten und beißender Säure.
Ganz schlaue Weinbauern pumpen dieses Zeug dann auch noch mittels Chaptalisierung kräftig auf. Doch ein Trollinger mit für seine Verhältnisse abenteuerlichen Alkoholanteilen von 13,5 Prozent und mehr schmeckt nicht fülliger, sondern fuseliger. Beliebt ist rund um den Neckar auch der Verschnitt mit der durchaus ernstzunehmenden Rebsorte Lemberger. Das gibt dem Grauen dann meistens nur ein neues, aber kein schöneres Gesicht.
Der Fellbacher Überflieger
Doch es gibt sie: Winzer, die das Potenzial, aber auch die Grenzen dieser Rebsorte kennen und richtig einschätzen und ohne Schnickschnack schöne, gradlinige Zechweine produzieren. Rainer Schnaitmann ist so einer. Der Überflieger aus Fellbach macht selbst aus dem schwäbischen Haustrunk einen Wein mit Klasse. Ohnehin sollte man auch und gerade einen renommierten Mitgliedsbetrieb des VDP wie Schnaitmann nicht nur, aber auch anhand der Qualität seiner Basisweine beurteilen.
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Familie Schnaitmann. Und den Trollinger genetisch integriert? (Foto: Schnaitmann) 





meine schwägerin bat mich für ihr fest einen bezahlbaren wein zu besorgen, der den geschmack vieler gäste ( 100 waren geladen) treffen könnte. den weißen besorgte ich an der nahe und den roten- einen trollinger- zwar nicht in fellbach, aber vom rotenberg, ganz in der nähe.
naserümpfen vorm probieren," wie kann man nur einen trollinger....- lob von allen seiten nach dem ersten schluck.
für mich können musik und wein völlig unterschiedlich sein, alle stilrichtungen und sämtliche preisspannen haben. gefallen, schmecken tun mir viele, und in den allermeisten fälle liegt das am handwerker, der aus dem material was besonderes macht.
in diesem sinne- in vino prostata sprach meister bonewitz und hob den humpen zum munde...........