05.10.11 WEINE 4 Einem Freund senden

Kochkurs an Bord: Wieno Verde

Wien - Welthauptstadt der Schnitzelkultur. (Foto: Wikipedia)Wien - Welthauptstadt der Schnitzelkultur. (Foto: Wikipedia)

Auf dem Schiff stinkt es wieder mal nach altem Frittenfett. Einige Maate haben beim Hafendiscounter gepresste, schockgefrorene Fleischlappen erstanden, die mit einer mörtelartigen Masse einbetoniert sind. „Wiener Schnitzel vom Schwein“ steht auf der Verpackung. In Wien würde man füsiliert oder ausgepeitscht werden, wenn man derartige Geschmacksverbrechen unter diesem Namen feilböte.

In Deutschland ist diese Bezeichnung seit 2009 legal, weil das Verwaltungsgericht Arnsberg der Meinung war, dass unter „Wiener Schnitzel“ allgemein ein paniertes Schnitzel zu verstehen sei. So sehen das auch die Kollegen an Bord (außer dem Zahlmeister, der weiß sowieso immer alles besser). Nach wenigen Minuten in der Fritteuse steht das Zeug auf dem Tisch, wird neben einem Kartoffelsalat auf dem Teller angerichtet und (immerhin!) dazu eine hübsche Scheibe Zitrone gelegt. Dazu nimmt sich die Crew eine Pulle Wein aus dem Schiffslager. Man gönnt sich ja sonst nichts.

Ein Gutes hat diese kulinarische Horrordarbietung allerdings. Man bekommt Lust auf ein echtes Wiener Schnitzel samt adäquater Begleitung. Gesucht wird ein gradliniger Wein, mit merklicher, aber nicht zu spitzer Säure, Aromen von frischen hellen Steinfrüchten, eventuell ein wenig Zitrusfrucht und einen Hauch Muskat oder Pfeffer. Und das alles mit möglichst wenig Alkohol. Klingt nach Grüner Veltliner. Den trinken die Ösis nicht nur aus lokalpatriotischen Gründen zu ihrem Schnitzel. Denn er passt einfach dazu. Den hat der Sturmlotse aber gerade nicht im Haus.

Portugal zu Schnitzel? Na sowas...

Ist aber auch egal, solange das Schiffslager noch einen Vinho Verde von der Quinta do Ameal aus dem Jahrgang 2009 hergibt. Kein moussierendes Britzelwasser, sondern ein geiler Tropfen aus der Loureiro-Traube. Ein Gute-Laune-Wein. Bringt mit grünen Äpfeln und Limonen die Geschmacksnerven zum Tanzen und bietet tatsächlich den erhofften Hauch Muskat und gar noch ein wenig Salz. Und das alles mit schlanken 11 Prozent Alkohol.

Kühle Vergärung und - selten bei Vinho Verde - einjährige Lagerung im Stahltank vor der Flaschenabfüllung prägen diesen spritzigen, aber keinesfalls flachen Wein. Das Schnitzel kann also kommen. Ein Problem dabei ist, dass man bei seiner Zubereitung ziemlich viel falsch machen kann.

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Kommentare 4

Kommentare

Thomas Burg

Wir, aus Wien, vertiefen hingegen den Konnex GV und Wiener Schnitzel vom Kalb demnächst. 5 GVs treten und 12 Wr. Schnitzel treten gegen 12 Personen an. Es wird blind verkostet (der Wein).

> http://s.burg.cx/schnitzel

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Zahlmeister ...erregt

Da MUSS man in der Tat dabei sein. Wir bitten um einen Bericht.

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Zürichsee-Binnenschiffer rab Hungrig und durstig

Herr Sturmlotse, ein Wienerschnitzel von 5 mm Dicke ist viel zu mächtig. Das muss VIEL dünner sein.

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sommelier CH erheitert

ja genau, sehr dünn und knusprig! dazu eine gerollte sardelle und eine rondelle zitrone von der costa amalfitana. einfach klasse! natürlich mit bestem kartoffelsalat ohne fette mayonnaise. dazu aber bitte ein chardonnay le pénitents vins de pays coteaux charitois von alphonse mellot.

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