12.11.11 WEINE 5 Einem Freund senden

Riesling: Gib mir das Gerümpel

Bettina Bürklin-von-Guradze. Eine Macherin. (Foto:Bürklin-Wolf)Bettina Bürklin-von-Guradze. Eine Macherin. (Foto:Bürklin-Wolf)

Ausnahmsweise kein Kopfweh, weil früh zu Bett (2h). Der Captain strahlt ausgeschlafen vom Kombüsentisch hinüber zum Ersten Offizier, der wieder ein Gemüse für den Mittagswok schneidet. Es gibt Garnelen, außerdem ist Winzerbesuch angesagt. Aus Rheinhessen.

Gestern hat man gemeinsam eine Flasche aus der Pfalz geköpft, einen hochwertigen, aber preisgünstigen Riesling, den Wachenheimer Gerümpel 2009 von Bürklin-Wolf. Nicht unbedingt der Lieblingsriesling vom Captain, aber der gestrige Wein brachte das Vorurteil ins Wanken. 

Erster: Der Mally-Artikel von gestern. Ich find den Titel schlecht.

Captain: Welchen Titel? 

Erster: Mally macht den Edi. Das finde ich Müll. Warum nicht: Mally gibt sich die Kante.

Captain: Wie originell, auf das bin ich schon beim ersten Artikel über Edi Kante draufgekommen. Liegt auf der Hand. 

Erster: Richtiges Lesen hilft enorm, Captain, du wirst alt: Der Artikel gestern ging über Edi Keber, nicht über Edi Kante. Du bist doch Ösi. Die Kante geben: Das kennt man bei euch Schluchtenscheißer ja gar nicht.

Captain: Halt die Fresse, Piefke. Und hol die Garnelen raus, habe ich gestern extra beim KaDeWe erstanden. Um teures Geld, so nebenbei. 

Erster: Charlottenburg! Das liegt dir. Parvenüs wie du.

Captain: Aus jetzt. Hol auch gleich den Wein aus dem Kühlschrank. 

Erster: Bitte. Hier ist er. Wachenheimer Gerümpel von Dottore Bürklin-Wolf. Noch ca. 22 Prozent Flascheninhalt.

Captain: Das muss für eine qualifizierte Aussage reichen. 

Erster: Ich lese inzwischen mal als unserer gestrigen Verkostungsnotiz vor. Also: Am Anfang verschlossen, ja sogar leicht ordinär. Im Mund etwas plump, dumpf und über alle Maße langweilig ... 

Captain: Das wird ja manchen 2009ern vorgeworfen. Ich halte das Jahr hingegen für groß.

Erster: Ja, ich weiß, weil du aus Konsumentensicht denkst und so viel Breite wie möglich haben willst. Ich hingegen bevorzuge die Spitze. 

Captain: Dann zieh zum Eschenauer nach Trier.

Erster: Keinen Bock drauf. Mit dem bin ich sicher immer wieder einer Meinung. Wie langweilig. 

Captain: So, weiter jetzt mit den Aufzeichnungen.

Erster: Also, nach anfänglicher völliger Verschlossenheit, wie sie selten vorkommt, wird der Wein dekantiert. 

Captain: Ehrlich? Haben wir das gemacht?

Erster: Na klar! 

Captain: Kann mich nicht erinnern. Bitte weiter ... 

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Kommentare 5

Kommentare

Gast

Sehr nett geschrieben aber Bürklin Wolf läßt seit zwei Jahren Spitzenqualität vermissen. Die Weine 2009 sind durchgegend schwierig und brauchen Zeit sich zu entfalten. 2006 und 2007 war das besser.

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Weinschlumpf

Widerspruch!
Gerade in den letzten Jahren hat die Qualität bei Bürklin-Wolf spürbar zugenommen. Gut 1999, 2001 und 2002 waren grandios, 03 bis 06 unterdurchschnittlich (gerade 2006), 2007 gut, aber einige Weine (Gaisböhl, Kalkofen) sind etwas breit geraten. 2008 die beste Kollektion des letzten Jahrzehnts, 2009 wieder sehr gut! Aber auch hier vereinzelt die Überreife. 2010 wieder grandios! Kirchenstück, Pechstein, Böhlig und Gerümpel haben Tiefe, Spiel und Potential.
Die in den kühleren Jahrgängen lebendige Säure verleiht dem eher bachantischen Stil des Hauses meist ein schönes Spiel.

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Charlie

es heisst ürbrigens Wachenheimer Gerümpel und ist bei Bürklin-Wolf ein P.C. also zweitbeste Kategorie.
http://www.weinlagen-info.de/#lage_id=1857

Der Wein war von der hervoragenden Kollektion der zugänglichste.

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Gast

Der erste Gast hat für meinen Geschmack recht - Bürklin Wolf bietet ein stark schwankendes und unzuverlässiges PLV. "Bacchantisch" als Adjektiv stimmt; die Weine kombinieren hohe Reife mit stets grenzwertigem RZ-Gehalt. Der von mir darauf angesprochene Kellermeister wich einer Antwort aus. Warum wird der Gefälligkeit gehuldigt, die nach einem Glas sättigt? Nach diversen Versuchen ist mein Interesse an diesem Weingut erlahmt - die 3 ehedem vermeintlich grossen "B"-s der Mittelhardt dümpeln nur noch vor sich hin. Mosbacher geht auch auch Nummer Sicher, von Winning bietet interessantes Holz für viel Geld. Acham-Magin zeigt manchen Lichtblick, Emil Zimmermann (trotz G. Deeters) ist mir zu alkoholisch.
Meine Güte, was soll ich von der Mittelhardt noch trinken?

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charlie

Vielleicht in den Jahren kritischer/mäkliger/wählerischer geworden? Die Mittelhaart kann sicher noch besser, aber hin und wieder gibt es immer noch große Weine. Es gibt nur keine sichere Bank (ausser Mosbacher richtig).
Die Frage an den Kellermeister hätten Sie Sich auch sparen können.

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