Der Erste ist aus dem Urlaub zurück. Braungebrannt und ohne ein Souvenir mitzubringen. Wenigstens Zigarren hätte er mitnehmen können, denkt der Captain, dem der gestrige Kater immer noch ins Gesicht geschrieben steht, wie Moses die Schiefertafeln der Offenbarung. Nun muss der Captain kurz nachdenken, ob dieser Vergleich überhaupt zulässig ist. Egal: er ist nicht dazu berufen, religiöse Details zu verinnerlichen.
"Nicht einmal Zigarren", blökt er den Ersten an, der seine Koffer abstellt, "wo die doch in Spanien immer noch billiger sind." Der Erste rollt die Augen. Kaum angekommen gehen diese Alte-Ehepaar-Szenen wieder los. Und das, obwohl der Captain sein unstetes Privatleben neuerdings gut im Griff hat. Endlich ist eine Frau an Bord, die mit Captains bizarrer Lebenswut umgehen kann. Auch mit seiner Melancholie, die oft in dämliche Larmoyanz umschlägt. Und mit seinen Wutanfällen. Dass diese Frau den Captain jetzt im Griff hat, macht das Leben des Ersten einfacher. Dachte er.
Doch der Alte hört gleich zu raunzen auf, denn er labt sich seit dem frühen Tag an einem Riesling. Der Erste traut seinen Augen nicht, ist es doch ungeschriebenes Gesetz an Bord, dass man in der Kombüse erst gegen Mittag mit dem Trinken anfängt. Und was muss der Erste sehen (und mit ihm auch Maat Golenia)? Der Captain trinkt bereits das dritte Glas einer Flasche. So viel verrät der Füllstand.
Sittenverfall und Discogesicht
Scheißegal, entgegnet der Alte, dessen Gesicht aussieht, als hätte es Techno getanzt. Einzig die noble Bräune (der Tag am See) und der weiße Bart bewahren das Wrack vor der Figur des lächerlichen Mannes. Der Erste greift in sein Jackett und holt sich eine Packung Ducados raus. Elend stinkende Zigaretten, die er aus Ibiza mitgenommen hat. Wenn schon, denkt er, denn schon. Wenn die Sitten verfallen, darf in der Kombüse auch geraucht werden.
Morgen in Wiesbaden bei der Große-Gewächs-Verkostung? Keiner antwortet. Der Captain muss wieder runter nach Wien, die Kamera in die Hand nehmen und Geld verdienen. Maat Golenia hat Kinderdienst. Und der Erste hält es mit Öffentlichkeit wie die Bundesbank mit den Euro-Bonds. Never ever.
Der Einsager macht den Einsacker
Doch Captains Einsager Markus Vahlefeld ist vor Ort. Und wird erzählen, wie das schmeckt, was er trinkt. Vahlefeld hat nicht nur Freunde. Das freut den Captain, denn da geht oft die Post ab. Der Captain hat es ja nicht so mit Friede, Freude und Eierkuchen.
Heute hat er es aber mit seiner Ruhe, denn sein Freitag und sein Samstag waren anstrengend. Der Captain saß an einem österreichischen See und hat jede Menge guter Weine getrunken. Bis die Kreditkarte des Schiffs wieder ein dickes Minus anzeigte. Heute dann die obligate Schwäche nach solchen Gelagen. Fünfzigplus, denkt der Erste. Keine Wunder, dass er schlapp macht.
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Bei Schubert liegen Schätze im Keller... 



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