Der Rheingau. Das beste Thema um mich in Rage zu bringen. Was passiert hier? Nix! Und zwar seit Jahren. Während andere Regionen es geschafft haben, ihren schlechten Ruf abzuschütteln, herrscht im Rheingau Grabesruh. Man musste ja kein neues Profil schaffen oder ein altes aufpolieren. Rheingau-Riesling lief und läuft die Wiesbadener und Frankfurter Kehlen herunter wie eh und je. Und das ausgeprägte Selbstbewusstsein der Einheimischen trägt sein Übriges dazu bei.
Einzelne Winzer setzen Maßstäbe, das ist wahr: Peter Jakob Kühn beispielsweise, der seinen Betrieb komplett umkrempelte und seitdem schlankerhand einige der zu Recht meist diskutierten trockenen deutschen Rieslinge keltert. Aber ein Kühn macht noch keinen Sommer. Die großen Güter, allen voran die Höfe des alten Adels machen munter ihren Einheitsbrei. Gefälliger Standard. Nicht mehr.
Ist trocken jetzt wirklich trocken?
Umso überraschender, dass eines der bekanntesten Güter der Region, das lange Zeit bei mir unter oben genannter Kategorie lief, gerade in einem Teufelsjahrgang wie 2010 strahlende und ganz eigene trockene Rieslinge erzeugt hat. Und zwar wirklich trocken. So trocken, dass sie unter dem auf halbsüß getrimmten „Ersten Gewächsen" anderer Güter negativ auffielen und sie nicht als „Erste Gewächse" zugelassen wurden. Das darf man getrost als Auszeichnung verstehen, sagt es doch mehr über den gegenwärtigen Zustand der Verkostungskommission aus, als über die Qualität der Weine.
Ress‘ Rieslinge sind mit einer Mordssäure ausgestattet und machen ordentlich Druck am Gaumen. Trotzdem sind die Rieslinge aus Hattenheim und Rüdesheim keine fetten Ottos, sondern fabelhaft schlanke, elegante Rieslinge. Christian Ress hat einiges investiert, um dem Trend der Beliebigkeit entgegenzusteuern und der Vergessenheit anheimzufallen. Das wird nämlich all jenen Weingütern blühen, die nicht ebenso konsequent nach einem neuen Weg suchen. Echt trocken (mit einigen Ausnahmen), echt Rheingau und echt Ress - so könnte das Konzept lauten.
Man schmeckt bei den 10ern deutlich heraus, dass diese Weine Gegenentwürfe zum aktuellen Trend darstellen. Seit Jahren werden die als trocken etikettierten Weine, im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten, konsequent am obersten Rand der Restzuckerskala eingestellt. In dicken Jahren wie 2005, 2007 oder 2009 lautet das Argument dann gerne, dass damit ein höherer Alkohol vermieden werden soll.
Wo trocken draufsteht soll auch trocken rein
Der Hinweis macht Sinn, trifft aber nicht des Pudels Kern. Die meisten Weintrinker haben es halt gerne etwas süßer, wollen aber auf Teufel komm raus, dass auf dem Etikett „trocken" steht. Sonst gibt es Mecker von der peer group. Dort lernt man: nur „trocken" ist partytauglich, nur „trocken" kann rocken. Trocken schmecken soll er aber nicht. Und da der Geschmack keine Regeln kennt, soll dies keine Streitschrift werden, denn jeder soll trinken, was schmeckt. Nur dann soll bitte in der Flasche auch das drin sein, was auf dem Etikett steht. Trocken!
Und damit zurück in den Rheingau. Die Wurzeln des Weingut Ress liegen in einer Weinhandlung. Im 19. Jahrhundert lebte der Rheingau von den großen Händlern und Kommissionären, die alle Kleinmengen der ortsansässigen Winzer kauften und unter einem Handelsnamen in den Verkehr brachten. Den Wein aus den eigenen Trauben verkaufte Balthasar Ress unter dem Namen „Von Unserm", was Rheingauer und Hessen besser verstehen, als der Rest der Republik.
2010 füllte man bei Ress zwei Versionen dieses trockenen Rieslings, der seit 1870 als Marke geführt wird und aus den Weinbergen von Hattenheim stammt. Die normale Version schmeckt bonedry und zeigt etwas Rheingauer Schmelz. Ein „Kneippwein", der deftiges Essen stöpselt und Platz für Nachschub schafft.
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Christian Ress, heute mal auf Sylt. (Foto: B.Ress) 





Jaa, Berg Schlossberg, http://www.weinlagen-info.de/#lage_id=1107
Engelmannsberg: http://www.weinlagen-info.de/?for=Chambolle#lage_id=1066
Die Ausnahmen unter den Adelsgüter sollte man auch benennen: Johannisberg und Schönborn. Von den andeen erwarte ich Anstrengungen.