Viele gute Winzer unserer Zeit sind Quereinsteiger. Oder zumindest Menschen, deren Wurzeln zwar etwas mehr und manchmal auch weniger mit dem Weinbau zu tun hatten. Erlernt haben sie alle den Beruf jedoch nicht.
Bei mir in Österreich sind das Leute wie Roland Velich oder Uwe Schiefer, um nur ein paar von ihnen zu nennen. Sie sind Leute, die irgendwann einmal einfach das dringende Bedürfnis verspürten, guten Wein zu machen.
Heute jedoch blicken wir nach Deutschland. Das Weingut Altenkirch im Rheingau ist ein Weingut solcher Quereinsteiger. Es wurde 1826 vom Hotelier Friedrich Altenkirch gegründet. Als der deutsche Kaiser im Hotel des Neowinzers einkehrte und sich von den Eigenbauweinen angetan zeigte, geschah der Durchbruch. Altenkirch wurde Hoflieferant und war plötzlich in aller Munde.
Knapp 100 Jahre später übernahm der Jurist Franz Breuer das Weingut. Ein Mann, dem es der Riesling angetan hat. Deswegen konzentrierte er sich auch sehr stark auf die edelste aller weißen Rebsorten. Inzwischen ist das Weingut im Besitz von Andreas von Rosen und Franziska Breuer-Hardwiger, der Tochter Breuers. Beide sind Branchenneulinge. Sie wechselte aus der Industrie in den Weinbau, von Rosen hat seine Wurzeln in der Finanzbranche. Breuer-Hardwiger sieht den Vorteil eines Quereinsteigers darin, dass solche Leute keine Dogmen im Kopf haben und die Erfahrung ohne gedankliche Vorbelastung einbringen können. Leuchtet ein.
Alles dem Zufall überlassen will man sich dann aber doch nicht leisten, deswegen engagierte man in Form von Jasper Bruysten einen Önologen, der in den nächsten Jahren noch stärker auf das großartige Terroir von Lorch eingehen möchte. Den aktuellen Jahrgang 2010, den die japanische Geisenheimabsolventin Tomoko Kuryiama vinifizierte, bringt bzw. brachte Nachfolger Bruysten schon auf die Flasche. In ihn werden große Erwartungen gesetzt. Man darf gespannt sein, was noch kommt.
Ich kann mir nichts mühsameres vorstellen, als ein Leben als Riesling in den Lorcher Steillagen. Die unbändige Kraft der Weine hier begreift man nicht nur durch das Erkosten. Sie wird deutlich, wenn man die harten Schieferböden sieht, durch die sich die Wurzeln der Rebstöcke bohren.
Durch den Hunsrück im Westen und den Taunus im Osten wird viel Regen von Lorch abgehalten. Es ist ein trockener Ort mit weit weniger Niederschlag als in anderen Regionen. Deswegen sinkt auch der Botrytisdruck, was konkret einfach weniger Fäulnis bedeutet. Tagsüber heizen sich Tal und Schieferböden auf und halten die Wärme. Riesling reift hier besonders gut aus.







Späte Ernte, die Sonne hängt schon tief... 





Die Beschreibung zu dem Steinberg überrascht mich. Hört sich nach einem sehr kraftvollen Wein an. Könnte am sehr reifenJahrgang liegen.
Ich habe die Lorcher gewächse aus anderen Jahrgängen eher als schlank in Erinnerung.
Leider sind die Altenkirch-Weine bislang an mir vorbeigewandert. Sollte mal was probieren.