Auch wenn ich sehr oft Bordeaux verkoste, war ich nie ein großer Fan der Weine die dort entstehen. Damit möchte ich nicht sagen, dass mir das konservative Ideal der Weine des Départements Gironde nicht gefällt. Ganz im Gegensatz zu den bisher als Fassproben verkosteten Marmeladen des Jahres 2010, schmecken die alten Burschen bis zu den frühen 90er Jahren ganz vorzüglich und lassen sich besonders schön trinken.
Ein grandioses Beispiel für einen hocheleganten und komplexen Saufbordeaux ist für mich der 90er Chateau Pape Clément. Er trinkt sich im Moment ganz wunderbar. Parker degradierte ihn kürzlich auf 91 Punkte. In dieser Punkteklasse würde ich allerdings meine Hunderter vergeben. Ich habe ein anderes Ideal von einem großen Wein und in meinem Ranking haben Finesse, Trinkfluss und Authentizität ganz klar Vorrang.
Inzwischen brauche ich die Weine dieses Chateaus gar nicht mehr. Sie sind mir zu schokoladig, röstig und zu wenig straff. Michel Rolland produziert - von keltern kann keine Rede sein - den Wein inzwischen. Manchmal, wenn ich einen moderneren Pape Clément aus seiner Hand vorgesetzt bekomme, schließe ich meine Augen und stelle mir vor, wie Rolland einen Trichter in seinen Mund gesteckt und seine Dickweinkreationen eingeflößt bekommt. Eine echte Folter! Ich denke, danach könnte er sich besser in mich hineinversetzen. Hoffentlich würde Rolland sich sich hüten, solchen Sirup zu machen.
Ach ja, eigentlich wollte ich ja erzählen, warum ich gar kein so großer Bordeauxfan bin:
Nun, ich wurde eben anders erzogen. Mir war Charakter immer wichtiger als Eleganz. Ich mag es urtümlich, rau und rustikal. Meine Lieblingsweine kommen von der nördlichen Rhone. Meine Favorites werden aus Syrah gekeltert. Ich spreche von Weinen aus Cornas, Hermitage oder Cote Rotie. Allerdings gibt es inzwischen auch einige Weine der Provence, die mir hervorragend gefallen. Vor allem preislich geben sie eine gute alternative zur gar nicht so weit entfernten Rhône ab.
Mein wichtigstes Kriterium für einen grandiosen Rotwein aus der Provence ist, dass der Grenacheanteil gering ist. Am liebsten wäre mir, man würde diese Sorte ausrotten. Nein, oder lieber nicht, denn der Grenache ist für den fruchtigen Duft vieler Roséweine der Provence verantwortlich. Für diese rosaroten Gaumenfreuden ist die Region inzwischen international bekannt und bei Rotwein geht es steil nach oben.
Dabei waren manche Regionen in der Provence schon einmal das Maß aller Dinge, zumindest in Frankreich. Immerhin. René I. von Anjou führte irgendwann zwischen dem 16. Januar 1409 und dem 10 Juli 1480 - in diesem Zeitraum spazierte er auf Gottes Erde umher - den Wein der Coteaux d´Aix-en-Provence am französischen Hof ein. Zu dieser Zeit avancierten die Weine aus „Aix" zu absoluten Kultgetränken die sich nur noch die Reichen und Schönen der Zeit leisten konnten. In „Aix" wird auf 3500 Hektar Weinbau betrieben. Einige Hügelketten durchziehen die Region. In deren Senken wächst der Wein.
Am 24. Dezember 1985 erhielt das Gebiet „Coteaux d´Aix-en-Provence" den Status einer AOC. An diesem Tag feiert man nebenbei nicht nur Weihnachten, sondern auch den Geburtstag von Michel Rolland. Seitdem ich mir dieser Tatsache bewusst bin, weigere ich mich Weihnachten zu feiern.
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Ein Paradies in gelb? (Foto:Ch.Paradis) 





warum bin ich plötzlich nur noch Maat? Bestraft der Captain Leute, die in seiner Abwesenheit das Schiff auf Kurs halten?
Das kann doch nur ein Fehler sein oder?