17.07.12 WEINE 7 Einem Freund senden

Barolo & Barbera. Können die altern?

Dunkel, gut. Aber hält das auch?Dunkel, gut. Aber hält das auch?

Ich muss zugeben, ich mag keine italienischen Weine. Damit bin ich ziemlich alleine am Schiff und ganz so drastisch sollte ich es vielleicht auch nicht formulieren. Sagen wir so: Viele Weine Italiens, auch und gerade die aus renommierten Regionen, halte ich für Eintänzer, Schleimer, seelenlose Ranschmeißer ohne Intellekt und Interesse. Ziemlich sicher ist das eine einseitige Position, die sich leicht widerlegen ließe, zumal ich den Aufschrei des Captain ahne, der in Italien Wein keltert.

Weil ich meine Meinung gerne mal überprüfe, probiere ich heute einen Wein, den ich stets als auf und ab erlebt habe, einen Barolo. Er verkörpert für mich all das, was mich zum Italien-Skeptiker macht. Einige wenige Baroli sind perfekt, genial, groß. Und atemberaubend teuer. Die Mehrzahl dagegen ist banal, unfokussiert und anbiedernd. Und ebenso atemberaubend teuer. Weine mit Plan. Aber ohne Ambition. Von der finanziellen mal abgesehen. Und ich weiß, der Captain denkt da ähnlich.

Erschwerend kommt hinzu, dass nicht alles gut altert, was Barolo heißt. Auch wenn der Captain seine nonkonformistischen Dogmen nicht bestätigt haben will (Stichwort: Imagepflege) - hier hat er Recht. Das ist besonders tragisch, weil die Nebbiolo-Traube - aus der in ihrer prestigeträchtigsten Form der Barolo gekeltert wird - keine ausgeprägten Kann-man-immer-trinken-Eigenschaften aufweist. Zu jung getrunkener Barolo macht etwa so viel Spaß wie Porschefahren mit angezogener Handbremse. Was also tun mit dem Renommiersaft aus dem Piemont? Einen möglichst frühen Trinkzeitpunkt wählen (7-12 Jahre) und hoffen, dass der Wein dann schon genießbar, aber noch nicht umgekippt ist.

Barolo aus ´86. Lebt der noch?

Während ich über dieses Dilemma nachdenke, wählen meine Beine wie von selbst den Weg die Treppe hinunter, immer tiefer in den Weinkeller. Nicht meinen eigenen, wohlgemerkt, denn der ist urlaubsbedingt kilometerweit entfernt, sondern in den viel schöneren Keller eines freundlichen Gönners, aus dessen Bestand ich ungefragt alte Flaschen plündern darf. Resteverwertung De Luxe, sozusagen. Was fast schon zu gut klingt, um wahr zu sein, entpuppt sich schnell als die Antwort auf all jene Barolo-Fragen, die mir gerade im Kopf umgehen. Warum nicht einfach ausprobieren, wie lang so ein Trinkfenster offen bleibt?

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Kommentare 7

Kommentare

Werner Elflein

1. Jeder Wein kann altern. Nur nicht reifen.
2. Was den durchnässten Korken angeht: Mit einem Schraubverschluss stünde der Wein heute besser da.

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Moineau

Fünfundzwanzig Jahre alter Schraubverschluss?!? Ich weiß ja nicht...

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Satanius der Biervampyr besser als gestern

Wo findet man solche Freunde mit libertinären Einstellungen bezüglich des Konsums aus ihrem Weinkeller?

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A. Hofer

Für Nebbiolo-Fans empfehle ich als Alternative für das - in meinen Augen - völlig überteuerte Piemont das Valtellina in der Lombardei. Bei Negri oder Fay bekommt man schon für unter 20 € richtig guten Stoff.

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Gast

psssst, ned weitersagen...sonst wird er teuer...

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tormaresca 0,5 Promille ca.

Ok, ich kann keinen roten österreichischen Wein leiden. Masochist, der ich bin, schleiche ich mich in meinen eigenen Weinkeller unter die Erd und kram in den grauslichen 2000ern herum. So, was haben wir da? Aha, ein Phantom aus dem Mittelburgenland, das mit dem schwarzen Gruseletikett. Noch dazu eine Magnum in Rieslingflaschenform, geht es noch schlimmer?!
Ich reiß zuerst die Bandarole herunter und schau vorsichtig: naja, der Korken ist eh noch halbwegs ok. Aufgmacht und eingschenkt ist schnell. Ka Orangenhaut, ka Cellulitis, ka Altersfettsucht, und die Farb is a noch in Ordnung. Ein Schluckerl riskiert. Marmelade, wie immer. Nur halt von der Oma gmacht, und nicht von der jüngeren Schwester.
Fazit: Vorurteil bestätigt. Bsoffn ned gwesen. Ende der Nachtübung. Fertig.

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Der Captain (auswärts)

Ich kenne den auch. Und finde ihn in Ihrer Beschreibung nicht wieder..

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