Der Maat ist noch im Rheingau unterwegs, um junge Weingüter zu finden, die dem Rheingaumotor ein bisschen Adrenalin in die Modernitätsvenen spritzen, damit die alten Rheingaukrusten wieder rocken können.
Was die Übernachtung angeht, ist der Maat hingegen wieder im alten Rheingau angekommen: Oestrich-Winkel, Zweck-Bau aus den 60ern, ein wortkarger und brummiger Pensionsbesitzer. Die Zimmer ganz o. k., die Preise dafür nicht, die Glotze funktionierte, der Balkon war zu benutzen. Im Internet sah das vorher ansprechender aus.
Frühstück. Checkout. Zahlen. Bitte. Danke. Auf Wiedersehen (doch besser nicht). Der bieder-brave Miet-Skoda wartet wieder geduldig vor der Wegwerf-Pension. Jetzt geht es, nach der Ankermühle vom Vortag, vollgepumpt mit Kaffee-Koffein zu Winzer Nummer zwei. Der soll seinen bescheidenen Sitz einige Kilometer weiter in Geisenheim haben und heißt Stefan Bieber.
Was hat Zahnpasta mit Wein zu tun? Nix!
Spontan weckt der Name Bieber ganz unlogische Assoziationen: Als Kind der 80er muss ich unweigerlich an den albernen Dentagard-Biber denken, der mir in der Werbung ermahnend etwas vom "Extrakt mit den grünen Streifen" vorlispelte. Nur warum ausgerechnet jetzt?!
Stefan Biebers kleines, junges Mini-Weingut mit gerade mal einem Hektar, benennt sich selbst "Biebers Weinkultur". Bieber ist beileibe kein rumpeliger Anfänger, denn er gehört seit 2002 zum Kellermeister-Team von Weingut Robert Weil in Kiedrich.
Auch Weil ist nicht irgendein rumpeliges Weingut aus der Pampa. Unbestritten ist es eines der Top-Weingüter Deutschlands, sei es vom Renommee, sei es von den edelsüßen Säften, die regelmäßig in diversen Guides haushoch absahnen. Robert Weil hat sich dadurch einen starken Namen in den letzten 20 Jahren aufgebaut, auch abseits der Weinfreaks. Er ist so eine Art Markus Schneider für konservative Etikettentrinker.
Stefan Bieber ist laut Eigenauskunft der direkte Nachfolger von "Just call Dirki" Würtz, der Robert Weil im Jahre 2002 freundschaftlich verlassen hat. Bieber rückte nach und arbeitet bis heute dort. Daraus schließe ich, dass er weiß, wie guter Stoff zu machen ist. Die Spannung steigt.
Empfang bei Stefan Bieber Zuhause. Der mit kräftiger Synchronstimme sprechende Enddreißiger bezeichnet seine Feierabendweine schlichtweg als Hobby. Gerade mal 8500 Flaschen brachte er im Jahr 2011 hervor, im Vergleich zu den klassischen Haupterwerbswinzern ist das freilich ein Fliegenschiss, aber ein richtig Guter, wie mich Probeflaschen vorab überzeugen konnten.
Der Gerbstofftouch
Um es vorwegzunehmen: Seine Basisweine haben einen gewissen Gerbstofftouch. Ein echtes Trademark. Bieber erreicht dies, indem er bei den Rieslingen Teile in reinen Trub vergären lässt, was kellertechnisch einer Maischevergärung ähnlich kommt. Bei seinen Weißen werden dadurch mehr Gerbstoffe als gewöhnlich extrahiert. Sie erhalten dadurch einen interessanten Schliff mit Grip: Trinkigkeit kombiniert mit Biss.
Stefan Biebers "Riesling 1" aus 2011 zeigt, wie es gemeint ist. Der ist trocken ausgebaut, zeigt klassisches Steinobst, dazu grünlichen Tabak, der ihm eine eigene Würznote gibt. Ebenso schmecke ich Rauch. Und seine kühle Stilistik lässt mich an weißen Marmor erinnern, der abgeleckt wird. Dazu duften frisch geschnittene weiße Champignons. Wer sagt, dass Basisweine immer eine verdammt gute Visitenkarte eines Weinmachers sein sollten, liegt hier richtig. Bieber macht mich jetzt heiß.
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Fünf Weine hat er. Und die zeigt er auch. 



@Maat Golenia, wenn Sie schon mal im Rheingau unterwegs sind, das hier wäre auch noch ein Tipp: http://www.daskleinerieslinggut.de/
Christoph Schütt und Andreas Frosch machen seit der Ernte 2011 zusammen Wein. Die Rieslinge heißen BASIS, MAGDA, NIVEAU und CHARISMA und sind durchaus eine Entdeckung wert.
Schöner Gruß von Bernd Klingenbrunn und Armin Busch (K&M GUtsweine in Frankfurt)