21.02.12 WEINE 26 Einem Freund senden

Neue und andere Muskateller

Die Wachau bei Nacht. Sie strahlt. (Fotos: Knoll, Österreich-Werbung, Shiftilt)Die Wachau bei Nacht. Sie strahlt. (Fotos: Knoll, Österreich-Werbung, Shiftilt)

Sie saufen ihn wie die Blöden. In den Staaten und in England. Doch warum gerade jetzt? Die Antwort: Marketing. Ein Gag? Sicher nicht. Es läuft wie immer: Zuerst engagiert man ein paar Stars aus der Film,- Fernseh,- und Popszene, etwa Kayne West oder Charlie Sheen, drückt ihnen in vor Kameras und Mikrophonen ein Glas Muskateller in die Hand und lässt sie dann über den Geschmack dieses Weins schwärmen. Geritzt.

So zumindest hat es der gigantische Weinkonzern Gallo gemacht, der etwa zwei Millionen Flaschen (!!) seines "Barefoot-Moscato" absetzen muss. Moscato, der Muskateller, ist eine Aromasorte. Was liegt also näher, das Aroma des Muskatellers etwas zuzuspitzen und ihn für eine junge Generation aufzubereiten. Das geht nicht nur in Amerika.

Gallo alleine hat 10 verschiedene Muskateller im Angebot. Die meisten kommen aus neuen Anpflanzungen in Australien. Der Konzern hat also schon vor Jahren in die Sorte investiert. Und auch daran geglaubt, dass Muskateller die Bude rockt. Andere Konzerne wie Trinchero sind dem Trend gefolgt. Mit Erfolg: der Absatz dieser Industrieweine hat sich in den letzten zwölf Monaten fast verdoppelt.

Die Aromahefe lässt grüßen

Der Captain hat letztes Jahr einen australischen Gallo-Muskateller getrunken. An der Bar eines Hotels in London. Wenn man den Wein im Glas riecht, wird einem klar, warum er boomen muss: Aroma pur. Der Gallo Moscato ist ähnlich eindrücklich, wie neuseeländische Sauvignons; die Nase ist ähnlich sortenrein geschliffen, man kann die Aromahefe buchstäblich greifen.

Doch dahinter befindet sich nur ein schales Wässerchen mit politisch korrekten, niederen Alkoholwerten um die 11%. Das gefällt auch den Alarmisten bei Behörde und Staat. Und den selbsternannten Gesundheitswächtern. So wird der Muskatellerboom auch bei vielen Stellen wohlwollend aufgenommen. Und weil vor allem junge Leute zu diesem Saft greifen, gilt er als Angriff auf die verhasste Alkopop-Industrie.

In unseren Breitengraden ist kein Muskatellerboom auszunehmen, kann auch gar nicht, denn die Anbaufläche des Muskateller hat sich eher reduziert als verbreitert. Und als Massengetränk ist uns der Muskateller nur als Moscato d'Asti bekannt, der von einigen renommierten piemonteser Herstellern auch als qualitativ hochwertiger und stets vergnüglicher Dessertwein gekeltert wird. Der Captain liebt den süßen Spritzer.

Viele Muskateller sind in Vergessenheit geraten. Auch dort, wo sie traditionell noch immer heimisch sind, etwa der Südsteiermark. Dort wird der Muskateller vor allem als leichter Trinkwein ausgebaut und schnell abgefüllt. Und er ist kein unbedingter Renner. Man will die Sorte eher aus dem Programm haben, wie einst den Grünen Silvaner.

Das Nischendasein in der Wachau

Dabei stand der Muskateller früher zahlreich auch in berühmten Anbaugebieten. Etwa in der österreichischen Wachau, bekannt für mitunter sensationelle Veltliner und ein paar der besten Rieslinge des Landes. Für jene mussten in den letzten zehn Jahren viele Muskateller-Rebstöcke weichen. Und viele sehr bekannte Muskateller, wie etwa der Muskateller-Smaragd von F.X. Pichler, verschwanden aus dem Angebot der Vinotheken. Das ist schade, denn diese Weine hatten ein Nischendasein durchaus verdient.

Der Captain hat zwei Muskateller aus der Wachau aufgetan, die man keine Sekunde lang mit den gemachten Wässerchen der amerikanischen Weinindustrie vergleichen kann: authentische Regionalweine, die leider in der Gefahr stehen, ebenfalls ihre Existenzberechtigung zu verlieren. Denn sie sind Stubenhocker - mit altem Weingeschmack konnotiert - und werden nur mehr von Liebhabern gekauft. Alles andere als hip.

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Kommentare 26

Kommentare

A. Hofer

Es gibt auch guten Muskateller aus D., sogar aus 2010, das zumindest für Aromarebsorten meiner Meinung nach nicht so schlecht war. Meine Empfehlung: Weingut Meiser, Muskateller 2010, Rheinhessen, ca. 8,50 € im Fachhandel.

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Andreas Durst (via facebook)

Hab Muskateller überhaupt erst in Sachsen und Saale-Unstrut mögen gelernt. Trocken. #Oma.

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Markus Leiter (via facebook)

Muskateller spaltet die Gemüter. Wie schrieb ex-Maat Mally letztes Jahr: "Jedem, der gerne diese Art Weine trinkt, empfehle ich, die Muskatellertrauben gleich vom Rebstock zu essen. Für dieses frischfruchtige Erlebnis muss man keinen Wein keltern. Das kann man billiger haben." (http://www.captaincork.com/Weine/Weisswein/Muster-bester-Gelber-Muskatel...)

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Vinothek Castel Salegg (via facebook)

kommt doch mal zu uns nach Kaltern , wir verarbeiten den Rosenmuskateller zu einem wunderbaren roten Dessertwein .........

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knalli ...schmunzelt wieder einmal.

Naja, Muskateller auf dem Rückzug? Wo hast denn das her? In Berlin vielleicht. In Wien DER Renner der letzten Jahre als Aperitif. Längst wieder aus dem Junker heraus und in eigene Flaschen gefüllt. Anbaufläche ist in den letzten Jahren sogar gestiegen, von Steiermark bis Weinviertel. Gerade die Youngsters trinken das gern, genauso wie auch wieder Sämling, weil es ein guter Einstiegswein ist - nach süsslichen Mischgetränken.

Aber mit dem FX-Muskateller hast recht, schad drum.

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knalli

Achja - Korrektor-Modus ein: Die Dürnsteiner schreiben sich mit Umlaut, nicht französisch, also Domäne nicht Domaine. Korrektor-Modus aus.

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Michael Wanhoff (via facebook)

Ist bestellt. Und ab Mai gibt's den Knily Gelber Muskateller 2011 bei Jaunegg. Auch mal eine Reise wert :-)

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Bernhard Fiedler

Vielleicht sollte man sich für solche Aussagen weniger auf subjektives Empfinden und mehr auf Recherche verlassen:

"In unseren Breitengraden ist kein Muskatellerboom auszunehmen, kann auch gar nicht, denn die Anbaufläche des Muskateller hat sich eher reduziert als verbreitert."

Muskatellerfläche in Deutschland gemäß

http://de.wikipedia.org/wiki/Weinbau_in_Deutschland#Rebsorten:

2001: 94 ha - 2008: 174 ha (+85%)

Muskatellerfläche in Österreich gemäß

http://www.statistik-austria.at/web_de/statistiken/land_und_forstwirtsch... (Weingartengrunderhebung 2009)

1999: 143 ha - 2009: 492 ha (+244%)

Da die meisten Weinbauern, die heutzutage Weingärten auspflanzen dies nicht unbedingt im großen Stil gegen den Markttrend tun, ist nicht unbedingt davon auszugehen, dass der Muskateller "nicht unbedingt ein Renner ist und man die Sorte eher aus dem Programm haben will".

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Der Captain (auswärts)

Ich habe mit mehreren Winzern und auch Verbänden gesprochen, die mir versicherten, dass beim Muskateller seit einiger Zeit wieder Stagnation herrsche. Ein sehr bekannter steirischer Winzer denkt daran, seinen Muskateller zu roden, da andere Weine mehr finanziellen Ertrag bringen. Generell ist die Sorte nach einem kleinen Boom in der Stagnation gefangen. So zumindest meine Einschätzung. Im richtigen Qualitätsweinbereich sehe ich den Muskateller nicht vordringen, wir wissen doch alle, wo ein Großteil dieser Trauben landet. Nackte Zahlen alleine erzählen wenig. Aber sie sind - zugegeben - ein Haltegriff für jene, die keine Hintergrundgespräche führen wollen.

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Bernhard Fiedler Und das elegante Ablenken

Und das elegante Ablenken durch das Eröffnen neuer "Baustellen", von denen in der ebenso klaren wie falschen Originalaussage im Artikel nicht die geringste Rede ist ("richtigen Qualitätsweinbereich") ist offensichtlich die Methode derer, die um der pointierten Formulierung willen gerne mal die Realität ausblenden.

BTW: Schon mal Hintergrundgespräche mit Rebveredlern über die Nachfrage nach Muskateller- und Muskat-Reben geführt?

Und auch schon mal die Aussagen von einzelnen Winzern bezüglich internationaler Rebsorten mit der Rebflächenentwicklung von Cabernet und vor allem Merlot verglichen? Um z.B. deren Aussagekraft für die ganze Branche einschätzen zu können?

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Der Captain (auswärts)

Absatz 1: Wir schreiben das Jahr 2012. Statistiken von 2008 besitzen geringe Gültigkeit. Soweit zu den neuen Baustellen. Der Rest ist das, was mein Herausgeber bei profil immer eine "subjektive Wahrnehmung" nennt, für die es aber Belege geben muss. Gilt für Sie, gilt für mich

Absatz 2: Ja. Etwa vor einem halben Jahr.

Absatz 3: Nein. Und? Ist das das Eröffnen eine neuen Baustelle?

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Wolf

Komisch.
Zuest Federspiel predigen und dann Smaragd trinken...

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Helmut O. Knall (via Facebook)

einer der besten war jahrelang der vom fx. bis ern ausgrissen hat, "weil die lag dafür schad is - und er war ja eigentlich eh nur für die rudolfine, die kriegt jetzt den vom tement manfred..."

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Florian Holzer (via Facebook)

du willst ja doch den steinfeder-preis! steirischer muskateller kein renner? noja. probier mal die vom heissenberger/hirschmugl oder diesen ur-muskateller mit maischestandzeit vom gross, steinbach vom tement auch sehr schön, find ich.

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Der Captain (von auswärts)

Dass sie schön und gut sind ist keine Frage. Aber sie sind nicht die großen Renner, trotz eines kleinen Comebacks.

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Markus Hammer

Gelber Muskateller ist ein wirklich schöner Wein, der auch im Alter was hermachen kann (letztes Jahr einen 2000'er getrunken und flach gelegen). Bin aber kein Fan mehr von Maischestandzeiten egal bei welchen Weinen, unnötiges Kühlen dann wieder aufwärmen für die Gärung, eine eigentlich künstliche Taninauslaugung die man ja nicht haben will und mit viel Chemie wieder kellertechnisch entfernen muss. Warum kompliziert wenns auch einfach geht?

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Werner Elflein

Grandiose Muskateller gab es früher unter Hans Günter Schwarz bei Müller-Catoir, gelungene Exemplare sind aber selten geworden. Zu oft geraten die Weine zu einem Moscato-d'Asti-ähnlichen Getränk, bei dem man lediglich die Kohlensäure etwas zurückgenommen hat. Die Sorte kann mehr und hat, wenn man's richtig macht, auch Reifepotenzial. So waren von Müller-Catoir aus der Schwarz-Ära vor rund dreieinhalb Jahren

1993er Haardter Bürgergarten
Gelber Muskateller Kabinett trocken
A. P. Nr. 5174079 18 94

und

2001er Haardter Bürgergarten
Muskateller Kabinett trocken
A. P. Nr. 5174079 8 02

noch bestens in Schuss. Der

1993er Haardter Bürgergarten
Gelber Muskateller Eiswein
A. P. Nr. 5174079 2 94

ist einfach nur ein Gedicht. Punkte? 87/90/97.

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SinZin

kann in deutschland nur den muskateller von ökonomierat rebholz empfehlen!!! und komisch, ich arbeite seit 20 jahren mit wein und konnte gerade in den letzten jahren einen extremen anstieg im verkauf feststellen, vor allem wenn man genug anbieten kann weil man genug vorbestellt hat bei den jeweiligen winzern. gelber muskateller ist schneller ausverkauft als jede andere rebsorte. von rückgang ist auch heuer nix zu spüren. aber wenns geschrieben steht im internet wirds schon stimmen.

ja, um den fx ist es schade, aber veständlich in den augen des winzers der eben die guten lagen hat und aus veltliner oder riesling mehr erwirtschaften kann.

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charlie

Rebholz nicht vergessen. Der 2009 ist in jeder Hinsicht gut

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knalli ...kudert

Das mit dem "als erster Wein ausverkauft" haben mir jetzt einige Winzer und Weinhändler auch bestätigt. Weinflächen wachsen - zumindest in Österreich - nach wie vor bei der Sorte, umveredelt darauf wird auch nach wie vor.
Haltbarkeit, Reife: Ich durfte mehrmals beim Melcher auf Schloss Gamlitz mit dem "Alten Fritz", wie er liebevol bespitznamt wird, also dem Vater, Muskateller aus den 1960ern und 1970ern trinken, die waren ganz wunderbar, halten also ganz tadellos -und zwar sowohl restsüsse als auch trocken durchgegorene Exemplare.

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Der Captain (auswärts)

So, dann Klartext: Ich habe mit drei steirischen Winzern gesprochen, die du alle sicher gut kennst. Und alle drei sagen, dass der Muskateller kein Bringer ist, dass man mit dem Muskateller wenig Geld verdient und dass man sich überlegen muss, die Sorte runterzufahren, weil der Sauvignon mehr Kohle macht. Und ich rede nicht von Nischenwinzern. Klar..

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pivu vielleicht aufklärend

Ich würd's mal so sagen: in der Vergangenheit, und da gerade in der Steiermark, hat man sehr gut mit Muskateller verdient, das war und ist der SchickiMicki-Apero in vielen Edelkneipen. Freilich nicht ganz billig, auch ab Hof. Und das hat man auch in NÖ erkannt, ähnliche Qualitäten für weniger Geld angeboten. Fazit: in der Steiermark nicht mehr der große Renner (wozu auch, man hat ja weiterhin Sauvignon), gesamthaft aber keinesfalls rückläufig. Erst unlängst hab' ich in Wien im Sinohouse einen wunderbaren Muskateller aus Dross getrunken.

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knalli ...stimmt zu.

ok. so, wie pivu schreibt, machts sinn. die - inzwischen ziemlich hochpreisigen steirer - wollen noch mehr verdienen und kriegen mehr Kohle für den SB. gut. sollen sie, wenn es bezahlt wird. In der Zwischenzeit machen die Niederösterreicher damit weniger, aber gutes Geld. Mehr als für Rivaner etc. also lösen sie die Steirer beim Apero ab...

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Der Captain (auswärts)

Ich muss schon wieder einwenden: Bitte mit Sommeliers reden (nicht jene in Szenekneipen): Die Nachfrage nach Muskateller, vor allem hochwertigem Muskateller ist rückläufig. Diese Art Wein igelt sich in der Nische ein..

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Werner Elflein

... und diese Nische ist die des anspruchlosen Pausenclowns. Wer (auch als Winzer) behauptet, die Sorte hätte nur begrenztes Potenzial, hat von ihr keinerlei Ahnung. Wahrscheinlich haben diese Herren aus der Sankt-Eiermark noch nie einen echten Spitzenwein aus der Sorte im Glas gehabt. Aber woher soll der auch kommen, wenn er nur als Randprodukt angesehen und in Weinberg und Keller von vorne herein auch so behandelt wird?

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weitner

Herr Elflein, Sie haben sachlich vermutlich Recht - aber Geschmacksdifferenzierungsvermögen und Erfahrung zählen halt wenig, wenn es darum geht, den Wein umsatzmaximierend zu verkaufen. Da macht es dann die Masse, nicht der Liebhaber. Aller Orten ist das so - mehr als Kummer bleibt nicht.

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