Sie saufen ihn wie die Blöden. In den Staaten und in England. Doch warum gerade jetzt? Die Antwort: Marketing. Ein Gag? Sicher nicht. Es läuft wie immer: Zuerst engagiert man ein paar Stars aus der Film,- Fernseh,- und Popszene, etwa Kayne West oder Charlie Sheen, drückt ihnen in vor Kameras und Mikrophonen ein Glas Muskateller in die Hand und lässt sie dann über den Geschmack dieses Weins schwärmen. Geritzt.
So zumindest hat es der gigantische Weinkonzern Gallo gemacht, der etwa zwei Millionen Flaschen (!!) seines "Barefoot-Moscato" absetzen muss. Moscato, der Muskateller, ist eine Aromasorte. Was liegt also näher, das Aroma des Muskatellers etwas zuzuspitzen und ihn für eine junge Generation aufzubereiten. Das geht nicht nur in Amerika.
Gallo alleine hat 10 verschiedene Muskateller im Angebot. Die meisten kommen aus neuen Anpflanzungen in Australien. Der Konzern hat also schon vor Jahren in die Sorte investiert. Und auch daran geglaubt, dass Muskateller die Bude rockt. Andere Konzerne wie Trinchero sind dem Trend gefolgt. Mit Erfolg: der Absatz dieser Industrieweine hat sich in den letzten zwölf Monaten fast verdoppelt.
Die Aromahefe lässt grüßen
Der Captain hat letztes Jahr einen australischen Gallo-Muskateller getrunken. An der Bar eines Hotels in London. Wenn man den Wein im Glas riecht, wird einem klar, warum er boomen muss: Aroma pur. Der Gallo Moscato ist ähnlich eindrücklich, wie neuseeländische Sauvignons; die Nase ist ähnlich sortenrein geschliffen, man kann die Aromahefe buchstäblich greifen.
Doch dahinter befindet sich nur ein schales Wässerchen mit politisch korrekten, niederen Alkoholwerten um die 11%. Das gefällt auch den Alarmisten bei Behörde und Staat. Und den selbsternannten Gesundheitswächtern. So wird der Muskatellerboom auch bei vielen Stellen wohlwollend aufgenommen. Und weil vor allem junge Leute zu diesem Saft greifen, gilt er als Angriff auf die verhasste Alkopop-Industrie.
In unseren Breitengraden ist kein Muskatellerboom auszunehmen, kann auch gar nicht, denn die Anbaufläche des Muskateller hat sich eher reduziert als verbreitert. Und als Massengetränk ist uns der Muskateller nur als Moscato d'Asti bekannt, der von einigen renommierten piemonteser Herstellern auch als qualitativ hochwertiger und stets vergnüglicher Dessertwein gekeltert wird. Der Captain liebt den süßen Spritzer.
Viele Muskateller sind in Vergessenheit geraten. Auch dort, wo sie traditionell noch immer heimisch sind, etwa der Südsteiermark. Dort wird der Muskateller vor allem als leichter Trinkwein ausgebaut und schnell abgefüllt. Und er ist kein unbedingter Renner. Man will die Sorte eher aus dem Programm haben, wie einst den Grünen Silvaner.
Das Nischendasein in der Wachau
Dabei stand der Muskateller früher zahlreich auch in berühmten Anbaugebieten. Etwa in der österreichischen Wachau, bekannt für mitunter sensationelle Veltliner und ein paar der besten Rieslinge des Landes. Für jene mussten in den letzten zehn Jahren viele Muskateller-Rebstöcke weichen. Und viele sehr bekannte Muskateller, wie etwa der Muskateller-Smaragd von F.X. Pichler, verschwanden aus dem Angebot der Vinotheken. Das ist schade, denn diese Weine hatten ein Nischendasein durchaus verdient.
Der Captain hat zwei Muskateller aus der Wachau aufgetan, die man keine Sekunde lang mit den gemachten Wässerchen der amerikanischen Weinindustrie vergleichen kann: authentische Regionalweine, die leider in der Gefahr stehen, ebenfalls ihre Existenzberechtigung zu verlieren. Denn sie sind Stubenhocker - mit altem Weingeschmack konnotiert - und werden nur mehr von Liebhabern gekauft. Alles andere als hip.
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Die Wachau bei Nacht. Sie strahlt. (Fotos: Knoll, Österreich-Werbung, Shiftilt) 





Es gibt auch guten Muskateller aus D., sogar aus 2010, das zumindest für Aromarebsorten meiner Meinung nach nicht so schlecht war. Meine Empfehlung: Weingut Meiser, Muskateller 2010, Rheinhessen, ca. 8,50 € im Fachhandel.