27.12.11 WEINE 4 Einem Freund senden

Nebbiolo: La dolce Brummer

Nino Negri auch auf Korken. (Foto: N.Negri)Nino Negri auch auf Korken. (Foto: N.Negri)

Der Gutscheintsunami hat unter der Baumarkttanne keinen verheerenden Schaden hinterlassen. Die in mehrfacher Hinsicht belastenden kulinarischen Klassiker von zweifelhaftem Ruf sind fast vollständig verdaut. Der Festtagshorror rollt mit Onkel Waldemar und seiner penetranten Fernet Branca-Fahne zurück nach Castrop-Rauxel. Einmal tief durchatmen.

Weihnachten ist vorüber, Silvester noch nicht so ganz auf dem Schirm. Es ist momentan aber auch nicht einfach, alles passgenau einzuordnen. Bundespräsidiale Schockstarre von tragikomischen Ausmaßen, und nun springt ihm messianisch der Ex-Pop-Minister Gabriel zur Seite. Alles klappt zusammen, implodiert, explodiert und wird wieder gut. Höchste Zeit, über wichtige Dinge wie Wein zu reden.

Erst die Dröhnung - dann der Anspruch

Also, weg mit den schaurigen Erinnerungen der vergangenen Tage und auf zu neuen Ufern. Weg von "Last Christmas", hin zu "Jesus to a child". Ein guter Song im Geiste Tom Jobims. Aber das nur nebenher. Die allgemeine Lage verlangt nach einem ihr gemäßen Wein, der die Sinne zuerst richtig fordert und danach kultiviert runterdimmt. Exzess mit intellektuellem Abgang. Erst Bunga Bunga, später Fellini. Und das in einem Glas!

Nino Negri 2007 Sfursat mit 15,5 % vol.. Da wird es heiß in Hütte. Also dröhnen wird er schon, doch ist da noch mehr?

Amaronestyle und Alpenglühen

Wo sind wir? In Italien, mal wieder. In der Lombardei, dem nördlichsten, mengenmäßig relevanten Anbaugebiet der Rebsorte Nebbiolo. Eine edle, aber sensible Rebsorte. Sie reagiert ähnlich empfindlich wie Pinot Noir auf Lagenunterschiede und entsprechende Mikroklimata. Die lokale Bezeichnung für diesen Al Pacino unter den Rebsorten lautet Chiavennasca. So hat es Jamie Olivers Sommelierkollege Matt Skinner einmal auf den Punkt gebracht und ich bin völlig bei ihm.

Seit dem frühen 19. Jahrhundert gibt es gesicherte Belege für die Kultivierung von Nebbiolo in dieser Region. Trotz der prekären Lage auf dem 46. Breitengrad ist die Reife hier zumeist gesichert. Der Fluss Adda hat ein Tal geformt auf seinem Weg von Osten nach Westen, bevor er sich in der Comer See ergießt.

Die felsigen Böden speichern die Tageshitze und geben sie nachts ab, der Sonneneinfall ist ideal. So kann der Standortnachteil gegenüber den wärmeren Barolo- oder Barbaresco-Lagen zumindest etwas abgeschwächt werden. Dennoch sind kratzigere Gerbstoffe und schwindsüchtige Körper im Vergleich mit den Nachbarn aus Südwesten leider keine Seltenheit.

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Kommentare 4

Kommentare

Gast

Na bumm, Fünfzehn Kanonen. Schon lange nicht gehabt. Wie hoch ist die Säure?

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5Terre

Kardinal Brummer

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Goldkante

lieber herr dutta, geht dieser nebbiolo in richtung amarone oder ist er eher wie ein barolo? ich verstehe ihre geschmacksbeschreibung nicht so recht. ist er zu fett?

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Maat Dutta besser spät als nie...

@Gast:

Analysedaten: Alkohol 15,77 %; Gesamtsäure 6,03 g/l; pH 3,68; Restzucker 3,71 g/l; Extrakt 33,0 g/l.

@Goldkante: nein, für mich nicht zu fett. Im Ausbaustil dem Amarone vergleichbar, aber die Rebsortentypizität bleibt für mich erkennbar.

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