Es ist ein am Schiff inzwischen gewohntes Bild. Der Captain steht wieder an der Spüle. Manchmal auch Maat Golenia oder der Erste Offizier. Das hat einen Grund, der Geschirrspüler des Schiffs ist eine dreißig Jahre alte Miele mit gelber Tür. Gelbe Tür, oder gelbe Klappe deswegen, weil der Spüler aus einer anderen Einbauküche herausgeklaut worden ist, aus der Einbauküche eines Wiener Architekten. Vermutlich ist der Spüler also schon fast vierzig Jahre alt.
Der Captain hat den alten Miele gut in der Kombüse untergebracht, er leuchtet in verblassender Pop-Farbe zwischen den gebraucht erstandenen stahlgrauen Bulthaup-Teilen. Eine zusammengewürfelte Luxus-Küche. Nur: Der Spüler fällt immer öfter aus. Kein Wunder bei dem Alter. Da lecken die Dichtungen. Und der Captain brüllt dem Spüler "Leck-Mich-doch-auch" zu. Nützt aber nix.
Und bis der Miele-Mann kommt und den Spüler repariert, muss spülen, wer gerade da ist. Meistens ist es aber der Captain selber, denn er tappt als letzter in die Falle. Und da greift er sich noch die zehn Gläser, die da jeden Tag herumstehen und wäscht sie mit der Hand. Der Captain kann das ganz gut, denn bevor er eine fotografische Laufbahn ergriff, kellnerte er einst ein paar Monate in einem Wiener Luxushotel. Und da lernt man auch, wie man Gläser richtig poliert.
Ein leises Kracks
Und so auch heute früh. Es ist knapp nach Mitternacht und der Captain poliert das achte Glas. Als es bricht. Der Stiel. In der Mitte. "Kracks". Ganz kurz. "Kracks" Und ab. "Scheiße", flucht der Captain und kontrolliert den Holzboden der Kombüse nach Splitter. Er übersieht sicher welche, weil er ja jeden Monat in einen neuen Splitter tritt, wenn er barfuß von seiner Kapitänskajüte durch die Kombüse ins Bad schleicht.
Keine Splitter, der Captain legt das Glas zu Seite. Erst den Fuß mit den Resten des Stiels drauf. Dann den Kelch. Und jetzt schaut er sich das Glas noch einmal an, ein letzter Blick zurück. Und er sieht, dass es das letzte von sechs Chardonnay-Gläsern seiner ersten Riedel-Kollektion war. Ein Glas der Sommeliers-Serie. Aus dem Jahr 1989. Das Glas war so scheißteuer, wie all die alten Rodenstock-Gläser von Riedel, die der Captain schon vor Jahren kaputtgemacht hat.
Das Glas ist dünn geworden
Der alte Kelch hat schon einige Längsstreifen vom Polieren. Und das Glas ist dünn geworden. Der Captain mag so alte Gläser mit Patina, die neuen Gläser an Bord haben längst nicht so viel abgekriegt, wie dieses alte Sommeliers von Riedel. Damals, als der Captain dieses Glas gekauft hat, damals gab es praktisch nur Riedel-Gläser. Alle anderen waren Schrott.
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Ein kurzes Klack, und schon sind oft zweistellige Beträge futsch (© jkocovski/Fotolia) 





wem sagst du das?
und wenn's die gläser dann auch nicht mehr zu kaufen gibt.... ach, ich darf gar nicht dran denken.