06.01.12 PRODUKTE 8 Einem Freund senden

Kracks: Nachruf auf ein Glas

Ein kurzes Klack, und schon sind oft zweistellige Beträge futsch (© jkocovski/Fotolia)Ein kurzes Klack, und schon sind oft zweistellige Beträge futsch (© jkocovski/Fotolia)

Es ist ein am Schiff inzwischen gewohntes Bild. Der Captain steht wieder an der Spüle. Manchmal auch Maat Golenia oder der Erste Offizier. Das hat einen Grund, der Geschirrspüler des Schiffs ist eine dreißig Jahre alte Miele mit gelber Tür. Gelbe Tür, oder gelbe Klappe deswegen, weil der Spüler aus einer anderen Einbauküche herausgeklaut worden ist, aus der Einbauküche eines Wiener Architekten. Vermutlich ist der Spüler also schon fast vierzig Jahre alt.

Der Captain hat den alten Miele gut in der Kombüse untergebracht, er leuchtet in verblassender Pop-Farbe zwischen den gebraucht erstandenen stahlgrauen Bulthaup-Teilen. Eine zusammengewürfelte Luxus-Küche. Nur: Der Spüler fällt immer öfter aus. Kein Wunder bei dem Alter. Da lecken die Dichtungen. Und der Captain brüllt dem Spüler "Leck-Mich-doch-auch" zu. Nützt aber nix.

Und bis der Miele-Mann kommt und den Spüler repariert, muss spülen, wer gerade da ist. Meistens ist es aber der Captain selber, denn er tappt als letzter in die Falle. Und da greift er sich noch die zehn Gläser, die da jeden Tag herumstehen und wäscht sie mit der Hand. Der Captain kann das ganz gut, denn bevor er eine fotografische Laufbahn ergriff, kellnerte er einst ein paar Monate in einem Wiener Luxushotel. Und da lernt man auch, wie man Gläser richtig poliert.

Ein leises Kracks

Und so auch heute früh. Es ist knapp nach Mitternacht und der Captain poliert das achte Glas. Als es bricht. Der Stiel. In der Mitte. "Kracks". Ganz kurz. "Kracks" Und ab. "Scheiße", flucht der Captain und kontrolliert den Holzboden der Kombüse nach Splitter. Er übersieht sicher welche, weil er ja jeden Monat in einen neuen Splitter tritt, wenn er barfuß von seiner Kapitänskajüte durch die Kombüse ins Bad schleicht.

Keine Splitter, der Captain legt das Glas zu Seite. Erst den Fuß mit den Resten des Stiels drauf. Dann den Kelch. Und jetzt schaut er sich das Glas noch einmal an, ein letzter Blick zurück. Und er sieht, dass es das letzte von sechs Chardonnay-Gläsern seiner ersten Riedel-Kollektion war. Ein Glas der Sommeliers-Serie. Aus dem Jahr 1989. Das Glas war so scheißteuer, wie all die alten Rodenstock-Gläser von Riedel, die der Captain schon vor Jahren kaputtgemacht hat.

Das Glas ist dünn geworden

Der alte Kelch hat schon einige Längsstreifen vom Polieren. Und das Glas ist dünn geworden. Der Captain mag so alte Gläser mit Patina, die neuen Gläser an Bord haben längst nicht so viel abgekriegt, wie dieses alte Sommeliers von Riedel. Damals, als der Captain dieses Glas gekauft hat, damals gab es praktisch nur Riedel-Gläser. Alle anderen waren Schrott.

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Kommentare 8

Kommentare

Thomas Zimmermann (via Facebook)

wem sagst du das?
und wenn's die gläser dann auch nicht mehr zu kaufen gibt.... ach, ich darf gar nicht dran denken.

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Roterbodenschatz ...gut ;)

..eine runde Mitleid mit dem armen Captain .... kenne das Problem, haben schon bei 3 Spieglau Willlsberger Burgundergläser beim abtrocknen den Stiel in der Hand gehabt :(

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Pierbattista Tognini Zalto

Für mich das beste Glas auf dem Markt. Hauchdünn, elastisch, ohne Bleizusatz und sehr wiederstandsfähig. Da kommen Riedel und Co. nicht mehr mit. Es ist ein deutlicher Mehrwert und Genuss aus einem Zalto Glas zu trinken.

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Söldner

Klingt wie bezahlte Werbung der Text

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Jens Geisel (via Facebook)

Die Gläser der Reihe Sommelier erkennt man an der Pseudo-Handschrift-Marke im Fuß, richtig? Ziemlich robust und auch universell verwendbar finde ich die Chianti-Version. Ich habe auch einige Burgunder-Gläser der Reihe. Die zerspringen schon beim schärferen Anschauen.

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Susanne Scholz (via Facebook)

kenn ich. ich heule um meine zwei carl rotter Gläser. R.I.P.

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5Terre mitfühlend

halleluja, den ärger verstehe ich ... bange jedes mal um sechs stück aus der (billigeren) vinum-serie aus den frühen 90igern ... und fürchte diesen elenden "kracks"
salut

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HT

Muss Herrn Toggnini recht geben! Zalto Gläser sind auch für mich die Krönung! Hauchdünn und trotzdem relativ stabil! Ein echtes Vergnügen aus diesen Gläsern zu trinken... aber relativ teuer!! Eine Alternative sind die Gläser der Serie Pure von Schott! Wunderschön und funktionell und das beste sie sind sehr stabil und können bedenkenlos in der Maschine gespült werden! Ich habe meine bereits seit zwei Jahren und es kommen keinerlei Spuren von Glaskorrosion auf! Eine echte Empfehlung im unteren Preissektor! Wenns da mal zum worst case kommt ist der Jammer nicht ganz so groß bei einem Glaspreis von ca. 7,00 Euro :-)

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