16.01.12 WEINE 3 Einem Freund senden

Mosel: Jenseits der Spätlese

Ach herrje, wie steil!  (Foto: Karl Erbes)Ach herrje, wie steil! (Foto: Karl Erbes)

Ürzig im Winter - freudlos. Es gibt bessere Zeiten, um an die Mosel zu fahren. Winter ist Hochwasserzeit und in Ürzig steht die braune Brühe besonders schnell in den Kellern und Häusern an der Uferstraße. So auch in diesem Jahr. Aber es gibt gute Gründe, Umwege und lange Fahrten in Kauf zu nehmen. Am Abend findet die traditionelle Altweinprobe statt, die von Stefan Erbes und Christian Hermann organisiert wird. Und dieser Anlass bietet die Gelegenheit, auch die ganz jungen 2011er aus dem Tank zu probieren sowie die 2010er mit einem knappen Jahr Flaschenreife zu kosten.

In Rudi und Christian Hermanns (Weingut Dr. Hermann) Keller in Erden, einer nüchternen Halle, einem Zweckbau, blubbern die trockenen 2011er Weine noch sachte im Holzfass vor sich hin. Das Gros der restsüßen- und edelsüßen Rieslinge liegt nunmehr auf der Hefe und wartet auf das Frühjahr. An Most mangelte es 2011 nicht, wenn man vom Hagel verschont blieb und so herrscht beste Laune, noch bevor die erste Probe ins Glas fließt.

Rekordverdächtige Oechslewerte ergeben verblüffende Kabinette

Endlich wieder Menge. Überfluss an bestem Wein, das tut nach Jahren wie 2009 und 2010 gut. Und auch wenn Fassproben selten mehr als das Lesen im Kaffeesatz sind, nicht zuletzt auch, weil der süße Saft zügig in den Kopf steigt, diese 11er schmecken schon fein und ausgewogen. Dem frühen Herbst und dem hervorragenden Gärverhalten der Moste sei Dank!

Erinnert man sich an die rekordverdächtigen Oechslewerte, die 2011 möglich waren, ohne dass man groß selektionieren musste, verblüffen die beiden Kabinettweine aus dem Würzgarten und Treppchen mit ihrer saftigen Art und der feinen Säure. Klassische Kabinette, animierend und eher auf der mineralischen als der Fruchtseite.

Die Spätlese ‚Herzlay‘ aus dem Treppchen stellt dann aber unmissverständlich klar, dass 2011 ein reifes, ein sehr reifes Jahr war: Hier schmeckt man reifen runden Apfel und zarte Aprikose, die Säure wiederum aber ist enorm ausgewogen. Eine kleine Menge, knapp 200 Liter nur, Erdener Prälat Auslese Goldkapsel weist den Weg in Richtung 2005 oder 2009: perfekte Botrytis, reife Säure und viel Schmelz. Ein Wein für die nächsten dreißig Jahre.

Wurzelechte Reben als wichtiger Faktor

Christian Hermann macht immer wieder auf zwei Parameter aufmerksam, deren Bedeutung auch sein Kollege Stefan Erbes betont: wurzelechte Reben und Selektion. Wobei 2011 Selektion eher bedeutete, die kerngesunden, reifen Träubchen auszulesen. Beerenauslese und Trockenbeerenauslese gab es en masse und in bester Qualität quasi vom Stock weg.

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Kommentare 3

Kommentare

Master at Arms

Ach Felix, kaum hab ich wieder ein paar Euro durch massives Nichtkaufen von Wein angesammelt, kommst du mit so einem Artikel. Bei der 10er TBA könnt ich schon schwach werden.

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charlie
charlie

Übrigens: bin froh, wieder mal was von Eschenauer zu lesen. Wird jetzt die Badische Bergstraße endlich würdig gewürdigt?

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