24.08.12 MEINUNG 5 Einem Freund senden

Was bitte heißt "burgundisch"?

Im Nebel der Begriffe: "burgundisch"...Im Nebel der Begriffe: "burgundisch"...

In den letzten Tagen wird sich hier am Schiff und anderswo viel über Burgunder verschiedensten Zuschnitts gestritten. Dabei geht es nicht nur um Rebsorten aus der Burgunderfamilie, also Weiß-, Grau-, Früh- oder Spätburgunder, sondern natürlich auch um Weine aus dem Burgund. Und Weine aus dem Burgund sind „burgundisch" - soweit kann man sich an Bord meist einigen.

Schwierig wird es aber dann, wenn dasselbe Adjektiv für Weine außerhalb des Burgunds verwendet wird. Da ist der Krawall bereits vorprogrammiert. Worum geht es eigentlich, wenn irgendein Verkoster, Blogger oder Winzer einen Wein als „burgundisch" umschreibt? Wie bei so vielen Begriffen der Weinsprache stelle ich auch hier fest, dass über die Begriffsextension alles andere als Einigkeit herrscht.

Jeder weiß alles besser!

Die allerwenigsten Leser, Kommentierer und Kollegen hindert dies freilich daran, ihre eigene Lesart des Begriffs der gesamten Debatte überzustülpen und sich dann zu teils haarsträubenden Urteilen über die Sinnhaftigkeit seiner Verwendung aufzuschwingen.

Ein kleines bisschen verhält es sich dabei wie mit der elenden Verschlussdebatte: viele Menschen reden darüber, aber die wenigsten miteinander - eine gemeinsame Diskussionsgrundlage gibt es auch hier in den seltensten Fällen. Versuchen wir also zunächst einmal zu sichten, worauf man sich überhaupt beziehen kann, wenn man von „burgundischem" Wein spricht.

Da wäre zunächst die Rebsorte. Für viele kann „burgundisch" nur sein, was aus Pinot Noir oder Chardonnay besteht. Konsequenterweise müsste dann aber auch jeder Chardonnay aus dem Friaul oder dem Burgenland als „burgundisch" gelten.

Traubensorte, Boden, Holz - wat denn nu?

Andere hingegen wollen ausschließlich den Boden als Kriterium für „burgundische" Weine gelten lassen. Ihnen zu folgen, hieße Weine von muschelkalkdominierten Böden zu präferieren und alles andere abzulehnen. Auch wenn in Burgund alles andere als homogene Bodenverhältnisse herrschen.

Eine dritte Gruppe macht Art und Menge des Holzeinsatzes oder die verwendeten Fässer verantwortlich für die Burgundertypizität. Ihrer Meinung nach kann man also aus jeder beliebigen Rebsorte von jedem beliebigen Boden „burgundische" Weine keltern, wenn man nur bei Ausbau im Fass alles richtig macht.

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Kommentare 5

Kommentare

Master at Arms simplifiziert

Für mich war das eigentlich immer klar:

"burgundisch" war ein Wein, der eher über die Struktur faszieniert. Ein Wein mit einer betonten und denoch kunstvollen Säure. Ein Wein, der durch maßvollen Holzfassausbau fasziniert. Weine, die sich trauen nicht mit Überreife sondern mit Eleganz zu prunken.

Eher Charlotte Gainsbourg als Monica Bellucci.

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Boris Maskow (via facebook)

ich bin vertreter der letzten lesart; burgundisch ist fuer mich ein wein aus burgunderrebsorten , vorzueglich pinot noir und chardonnay, der erotik, divenhaftigkeit, reifevermoegen, facettenreichtum und bei aller unterschiedlichkeit der individuellen auspraegung einen hohen wiedererkennungswert hat. schwer zu greifen, schwer zu belegen, aber es gibt nichtburgundische weine und bei meinem trinkschwerpunkt champagner, bei denen sich das praedikat burgundisch eben einfach aufdraengt.

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braunewell

hallo captain, interessant wäre wirklich das thema säure und überreife hier einzubinden. viele deutsche winzer die gute pinots machen wollen verschreiben sich immer mehr der frische und eleganz, für uns ist das der stilprägende faktor in burgund. das kann auch jeder erschmecken, etwas mehr tannin, etwas mehr feine säure, richtig viel elegante, heimische frucht. (aufzählung erhebt keinen absoluten anspruch)

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charlie

Ähnlich wie Master of Arms meine ich, "burgundisch" ist ein Wein dessen Kraft in der Mitte liegt, in der Textur, im Mundgefühl. Dieses als Kontrast zu dem "deutschen" Konzept des "Spiels".

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charlie

Wie auch immer man das mit dem "burgundisch" meint, mir scheint, es ist immer als Gegensatz zu etwas anderem verwendet, so, als würde man "burgundisch" zu einem Wein der nicht aus dem Burgund kommt sagen um ihn von den dem zu Unterscheiden, was man bei dem Wein erwarten würde. Etwa so: diesen Barolo nenne ich burgundisch, weil er weniger hart, weniger derb, eleganter ist als man einen Barolo erwarten würde. Oder wie oben auf den Riesling bezogen.

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