Mallys Koje ist schon lang geräumt. Inzwischen wirkt sie fast einsam. Erste Spinnenweben. Wie eine alte Kaserne im Osten Deutschlands. Verlassen, vergessen, fast zugewuchert. Der Schiffsjunge übernimmt die Endreinigung. Und findet verkritzelte Aufzeichnungen von Ex-Maat Mally. Wir stellen sie online. Warum auch nicht? Denn sie sind noch immer aktuell.
Wenn Winzer Winzer empfehlen.
Bekanntlich gibt es für mich nichts Spannenderes als ehrlichen und wahrhaftigen - damit meine ich natürlichen, puristischen - Wein zu entdecken. Mittel zum Erfolg in dieser für mich spannendsten Disziplin der Weinschreiberei: Kosten, kosten, kosten. Und wenn man glaubt, es kommt nichts mehr, hilft nichts anderes, als in das saure Weinglas zu beißen und noch mal zu kosten.
Oft habe ich den Eindruck, dass es Winzer gibt, die gar nicht entdeckt werden wollen. Geniale Leute, die man sich verdienen muss. Um solche Leute zu finden, bediene ich mich eines einfachen Tricks. Ich frage Winzer, deren Weine meinem Qualitätssinn entsprechen, nach ihren Lieblingswinzern.
Holt sich einen kühnen Tipp
So hier geschehen: Vor mir stand Peter Jakob Kühn bei der Premiere der "Grossen Gewächse" in Berlin. Ich schätze seine Weine. Sein Riesling Mittelheim Sankt Nikolaus ist für mich der mit Abstand beste deutsche Riesling aus 2010 - gemeinsam mit dem Schlossberg von Balthasar Ress. Ich schweife ab, denn ich wollte ja nur einen Tipp von Kühn und er riet mir: „Probier Sven Leiners Weine!".
Also kontaktierte ich Sven Leiner vom Weingut Jürgen Leiner - natürlich ungelegen während der Lese. Da darf man sich nicht wundern, wenn die Antwort erst drei Wochen später erfolgt. Aber sie kam. Und mit ihr ein ganzer Haufen Flaschen.
Leiners Weingut findet man in Ilbesheim in der Pfalz. Dort keltert der intellektuell anmutende Sven Leiner eine ziemlich große Palette an erstklassigen Weinen. In Zeiten, in denen viele deutsche Rebstöcke mit Hormonen wie Gibberelline degeneriert werden, ist es vernünftig zu betonen, dass Leiners Weine biologisch sind. Da ist das bedenkliche Zeug verboten.
Was macht Tempranillo in der Pfalz?
In seinem Sortiment finden sich grandiose Chardonnays, Grau- und Weißburgunder, feste Rieslinge und tiefgründige Spätburgunder. Abgerundet wird es durch einen Tempranillo. Ja, richtig gelesen. Ein spanischer Tempranillo - und das in der Pfalz! Allerdings schmeckt diese Tatsache schmeckt weniger freaky, als sie sich liest.
Ich erlaube mir, bei der Größe des Sortiments meine Favoriten herauszupicken. Beginnen wir also mit zwei Weißweinen die wahrscheinlich alle Crewmitglieder (vielleicht auch wegen des Lebenswandels) überleben werden:
Über Burgunder wird an Bord viel zu selten berichtet. Darum starte ich hier mit dem Grauburgunder „Katzebosch" 2009. Katzebosch ist der Mundartname der Lage Heißbühel. Sie ist die heißeste Lage von Ilbesheim - hätte man auch irgendwie vom Namen her erahnen können. Der Boden besteht aus Löss und Lehm und die Reben darauf sind bis zu 30 Jahre alt.
Weiter auf Seite 2...







Sven Leiner erklärend in seinen Weingärten. (Foto:WG Leiner) 






Eigentlich ein guter und wie so oft lesenswerter Artikel beim Captain. Gerade Sven Leiner hat es zu Recht verdient, mal ausführlicher gewürdigt zu werden. Er macht engagierte, großartige Arbeit und sehr gute Weine!
Die zwei Sätze und den nichtssagenden Wiki-Link bezüglich "Gibberelline" finde ich aber unterirdisch. Da wird dem lesenden Weininteressierten bewußt etwas Schlechtes/ Unheimliches im Weinbau suggeriert. Ich finde, ein solches fachliches Thema kann nicht in zwei Sätzen mal so eben abgehandelt werden. Schon gar nicht in dieser Art und in einem Artikel für Endverbraucher.
Wenn man weinbaulich ernsthaft über die grundsätzliche Anwendung/Verzicht von GIBB3 bzw. insbesondere Regalis als bessere Alternative diskutiert, kommt man auch sehr bald zu einer intensiven Diskussion über Nachhaltigkeit im (ökologischen) Weinbau. Aber das wird den "normalen" Leser wahrscheinlich weniger interessieren.