29.11.11 WEINE 7 Einem Freund senden

Pfalz: Leinen los für Leiner!

Sven Leiner erklärend in seinen Weingärten. Foto: WeingutSven Leiner erklärend in seinen Weingärten. Foto: Weingut

Der Schiffsjunge macht in Mallys Kajüte Ordnung, solange der Maat auf Urlaub weilt. Und findet verkritzelte Aufzeichnungen. Wir stellen sie online. Warum auch nicht?

Wenn Winzer Winzer empfehlen.

Bekanntlich gibt es für mich nichts Spannenderes als ehrlichen und wahrhaftigen - damit meine ich natürlichen, puristischen - Wein zu entdecken. Mittel zum Erfolg in dieser für mich spannendsten Disziplin der Weinschreiberei: Kosten, kosten, kosten. Und wenn man glaubt, es kommt nichts mehr, hilft nichts anderes, als in das saure Weinglas zu beißen und noch mal zu kosten.

Oft habe ich den Eindruck, dass es Winzer gibt, die gar nicht entdeckt werden wollen. Geniale Leute, die man sich verdienen muss. Um solche Leute zu finden, bediene ich mich eines einfachen Tricks. Ich frage Winzer, deren Weine meinem Qualitätssinn entsprechen, nach ihren Lieblingswinzern.

Holt sich einen kühnen Tipp.

So hier geschehen: Vor mir stand Peter Jakob Kühn bei der Premiere der "Grossen Gewächse" in Berlin. Ich schätze seine Weine. Sein Riesling Mittelheim Sankt Nikolaus ist für mich der mit Abstand beste deutsche Riesling aus 2010 - gemeinsam mit dem Schlossberg von Balthasar Ress. Ich schweife ab, denn ich wollte ja nur einen Tipp von Kühn und er riet mir: „Probier Sven Leiners Weine!".

Also kontaktierte ich Sven Leiner vom Weingut Jürgen Leiner - natürlich ungelegen während der Lese. Da darf man sich nicht wundern, wenn die Antwort erst drei Wochen später erfolgt. Aber sie kam. Und mit ihr ein ganzer Haufen Flaschen.

Leiners Weingut findet man in Ilbesheim in der Pfalz. Dort keltert der intellektuell anmutende Sven Leiner eine ziemlich große Palette an erstklassigen Weinen. In Zeiten, in denen viele deutsche Rebstöcke mit Hormonen wie Gibberelline degeneriert werden, ist es vernünftig zu betonen, dass Leiners Weine biologisch sind. Da ist das bedenkliche Zeug verboten.

Was macht Tempranillo in der Pfalz?

In seinem Sortiment finden sich grandiose Chardonnays, Grau- und Weißburgunder, feste Rieslinge und tiefgründige Spätburgunder. Abgerundet wird es durch einen Tempranillo. Ja, richtig gelesen. Ein spanischer Tempranillo - und das in der Pfalz! Allerdings schmeckt diese Tatsache schmeckt weniger freaky, als sie sich liest.

Ich erlaube mir, bei der Größe des Sortiments meine Favoriten herauszupicken. Beginnen wir also mit zwei Weißweinen die wahrscheinlich alle Crewmitglieder (vielleicht auch wegen des Lebenswandels) überleben werden:

Über Burgunder wird an Bord viel zu selten berichtet. Darum starte ich hier mit dem Grauburgunder „Katzebosch" 2009. Katzebosch ist der Mundartname der Lage Heißbühel. Sie ist die heißeste Lage von Ilbesheim - hätte man auch irgendwie vom Namen her erahnen können. Der Boden besteht aus Löss und Lehm und die Reben darauf sind bis zu 30 Jahre alt.

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Kommentare 7

Kommentare

Ampelia

Eigentlich ein guter und wie so oft lesenswerter Artikel beim Captain. Gerade Sven Leiner hat es zu Recht verdient, mal ausführlicher gewürdigt zu werden. Er macht engagierte, großartige Arbeit und sehr gute Weine!

Die zwei Sätze und den nichtssagenden Wiki-Link bezüglich "Gibberelline" finde ich aber unterirdisch. Da wird dem lesenden Weininteressierten bewußt etwas Schlechtes/ Unheimliches im Weinbau suggeriert. Ich finde, ein solches fachliches Thema kann nicht in zwei Sätzen mal so eben abgehandelt werden. Schon gar nicht in dieser Art und in einem Artikel für Endverbraucher.
Wenn man weinbaulich ernsthaft über die grundsätzliche Anwendung/Verzicht von GIBB3 bzw. insbesondere Regalis als bessere Alternative diskutiert, kommt man auch sehr bald zu einer intensiven Diskussion über Nachhaltigkeit im (ökologischen) Weinbau. Aber das wird den "normalen" Leser wahrscheinlich weniger interessieren.

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Gast

Es ist ärgerlich, daß die auf Krawall gebürsteten Artikel offenbar mehr Aufmerksamkeit erregen, als dieser feine Nischenwinzer. Über solche Winzer möchte ich mehr lesen. Das soll nicht heißen, daß ich auf Rundumschläge a la Müller-Thurgau verzichten möchte, aber da waren zuletzt ein bisschen viel Provkationen unterwegs. Etwas leiser treten wäre anzuraten.

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Nordmann

Welcher Mehrwert für die Pfalz hat den Tempranillo? Oder welchen Sinn macht der Lagrein für Südbaden, wo ein Winzer ihn anbaut? Auf diese Spinnereien einezelner Winzer kann ich nicht sonderlich, besonders dann nicht, wenn mir das als die Zukunft verkauft wird.

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HT

Finde ich reichlich engstirnig einfach eine Traubensorte oder deren Anbau in bestimmten Gebieten grundsätzlich als unnütz zu verdammen! Ich habe vor nicht allzu langer Zeit einen Nebbiolo aus einem Versuchsanbau in der Pfalz getrunken und was soll ich sagen... das Zeug war deutlich besser als so mancher Barolo aus dem Piemont, wo er ja "eigentlich" hingehört?! Also lassen wir doch die Winzer weiter "spinnen"! Wir als Konsumenten können doch lediglich davon profitieren! Was nicht schmeckt braucht man nicht kaufen und damit verschwindet es eh von selbst vom Markt! Ich jedenfalls bin immer froh einen Wein zu finden, der abseits der "anständigen", angepassten,normalen Weine liegt, die so sind wie sie zu sein haben... Ausserdem will ich Mally zurück, weil der immer wieder solche Weine findet und präsentiert!

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Maat Golenia erklärend

"Ausserdem will ich Mally zurück, weil der immer wieder solche Weine findet und präsentiert!"

Glauben Sie mir, wir bemühen uns. Aber Dickköpfigkeit scheint eine speziell österreichische Eigenschaft zu sein. Eine fast unknackbare Nuss.

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helmut dippold

seine weine sind in der tat super super gut.
nur auf dem weingut bestellte weine abzuholen war sehr schwierig, anscheinend fühlt er sich schon zu gut und etwas zu abgehoben, schade drum.
was nützen fantastische weine, wenn er sie nicht an einen privaten endkunden bringen will.

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weinsegler ...aufgehellt

Ich finde es gut, dass Winzer wie Sven Leiner hier präsentiert werden und man auch Weine abseits des "massenkonditionierten" Geschmacks vorstellt. Und was die österreichische Sturheit angeht: Wer einmal Roland Velichs oder Uwe Schiefers Interpretationen von "Blaufränkisch" erlebt habt, der wird diese Sturheit zu seinem neuen Leitmotiv erheben. So er noch nicht komplett vom Indutriegeplörre abgefüllt ist.

Im Übrigen sehe ich das mit dem Tempranillo so wie HT. Neugier auf neue Weine ist eine Vorraussetzung um sich weiter zu "entwicklen". Und wie gesagt, wenn es mir nicht schmeckt muss ich es nicht trinken. Es aber von vornherein mit schlichter Verachtung abzutun zeigt nicht gerade von objektivem Zugang zum Wein. Geschweige denn von jeglicher Offenheit gegenüber Neuem.

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