Der späte Herbst ist süß. Überall Lebkuchen und ähnliches teils überbordend mit Zucker bestäubtes Gebäck. Überall Punschstände und Glüheweinorgien. Die Vorweihnachtszeit ist eine einzige Attacke auf die Geschmacksnerven. Und dennoch: Wenn es kalt ist und früh dunkel wird, dann freut sich der Mensch über eine Dosis Zucker. Und die Weinläden verkaufen mehr Süßwein als je zuvor im Jahr.
Der deutsche Qualitätsweinkonsument tut sich mit süßen Weinen oft schwer. Immer noch stehen sie für Aufzuckerung und Weinverfälschung, der Glykol-Skandal von 1985 (ein Frostschutzmittel zur Konservierung, das in süßen österreichischen und deutschen Weinen zu finden war) hat eine ganze Weintrinkergeneration vom Süßwein weggebracht. Und diese findet schwer zu drastischen Aromen und Restzucker zurück.
Der Süßwein hats schwer beim deutschen Konsumenten
Das ist schade, denn viele Süßweinwinzer haben in den letzten Jahren gelernt, ihr Terroir mit einer filigranen Eleganz zu verbinden, also nicht alleine auf Frucht und Zucker zu setzen. Und das teils ohne Einsatz aromatisierender Fässer.
Das ist bei der generellen Ausrichtung dieser Weinstilistik nicht so einfach. Hier drei Beispiele für einzigartige und hochwertige Süßweine, darunter auch der berühmteste Süßwein der Welt, den man aus einem bestimmten Jahrgang (ohne bestimmten Grund) erstaunlich günstig haben kann.
István Szepsy, Tokaji, Cuveé Botond 2006
István Szepsy war der erste private Winzer, der die weltberühmte Weinregion Tokaj nach dem Fall des Kommunismus wieder in die Schlagzeilen brachte. Seine Auslesen und Essenzen sind Legende und heute die teuersten Weine Ungarns. Szepsy konnte regionale Tradition, bislang vernachlässigte technische Moderne und eine eigene Handschrift zu einem individuellen önologischen Gesamtkunstwerk verbinden, das er vor einigen Jahren an seinen Sohn István jr. vermacht hat. Dieser verwaltet nun ein inzwischen recht großes Weingut und experimentiert auch mit trockenen Weinen.
Die Cuvée Botond zählt zu Szepsys Einsteige-Tokajern. Soll heißen: Man erhält für verhältnismäßig wenig Geld eine Ahnung, wie Szepsys unbezahlbare Essenzen schmecken. Der Botond wird aus Hárslevelű (Lindenblättriger), Furmint und Gelber Muskateller gekeltert und es gibt gerade mal 8000 Flaschen, die Szepsy nach fünf Jahren Lagerzeit auf den Markt gebracht hat. Der Botond riecht nach Aprikosen, Rosninen und nasser Erde, im Mund explodiert eine Fruchtbombe, die am Gaumen von leichter Bitterkeit und einem Geschmack nach frischen Champignons begleitet wird. Die hier wohl zur genüge vorhandene Edelfäule Botrytis sorgt für einen kraftvollen Körper, der Ausbau im gebrauchten Holzfass für eine stabilisierende Eleganz.
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Das Dorf Sauternes. Heimat der besten Süßweine der Welt. (Foto:Wikipedia) 





Süßwein lecker! Aber ein Cuba Libre unter Palmen ist auch nicht schlecht.