Um Weine wirklich zu verstehen, müsste man eigentlich an ihren Herkunftsort fahren. Besonders wenn es sich um Regionen handelt, deren klimatische Bedingungen und kulturellen Besonderheiten so grundverschieden von den hiesigen sind , wie in Israel. Das Land gehört geografisch zum östlichen Mittelmeerraum und wird durch ein heißes, trockenes Klima geprägt.
Zwar hat Weinbau in Israel eine sehr lange Tradition, doch das Getränk diente in erster Linie rituellen Zwecken, für welche die Qualität der ausgeschenkten Tropfen ziemlich egal war. Produziert wurden in erster Linie eher plumpe Süßweine in den fruchtbaren Ebenen Shomron und Samsons. Doch seit den 1980er-Jahren herrscht Aufbruchstimmung. Kühlere Höhenlagen wurden erschlossen, besonders im oberen Galiläa. Eine neue, international orientierte und ausgebildete Winzergeneration trat auf den Plan.
Israel setzt auch beim Wein auf High-Tech
Vom klassischen Terroir-Gedanken muss man sich bei der Beschäftigung mit „modernen" israelischen Weinen allerdings weitgehend verabschieden. Die Branche setzt in erster Linie auf High-Tech - von der Bewässerung bis zu Abfüllung. Auch bei den Rebsorten hat man globale Trends im Fokus: Cabernet Sauvignon, Merlot, Shiraz und Chardonnay dominieren den Anbau. Einige dieser Weine wurden von den üblichen Verdächtigen hoch bewertet, geschmacksglobalisierte konzentrierte Fruchtbomben haben halt seit vielen Jahren Konjunktur.
Doch es gibt durchaus noch andere Weine aus dem heiligen Land und vor allem solche, die eine gewisse Landesspezifik aufweisen. Wie zum Beispiel der Barkan Classic 2010, der zu jeweils 50 Prozent aus Merlot und der 1970 in Israel gezüchteten roten Rebsorte Argaman besteht.
Der erste Geruchseindruck löst nun wahrlich keine Begeisterung aus. Der Flasche entströmt eine torfige Duftwolke, die fast schon Kork-Alarm auslöst. Also erst Mal stehen lassen bzw. dekantieren. Einige Minuten später dann fast das genaue Gegenteil: Man riecht so gut wie gar nichts mehr.
Geduld, Geduld. Der kommt noch...
Komischer Wein. Also noch länger stehen lassen und dann ohne weitere Geruchsprobe ins Glas. Nach Merlot schmeckt das dann zunächst überhaupt nicht. Vielmehr sind ein dunkles Fruchtkompott, Nüsse, ein wenig Pfeffer und etwas ungestüme Gerbstoffe wahrnehmbar. Doch so ganz allmählich erhebt sich da eine klare schwarze Merlot-Kirsche aus der zunächst etwas diffusen Mischung. Schluck für Schluck gewinnt der Wein an Kontur. Vor allem durch die herzhaft-nussige Komponente überwindet der Barkan Classic seine anfängliche Rauheit und präsentiert einen Eindruck von den Möglichkeiten des Argaman, den man außerhalb Israels wohl kaum finden kann.







Weinmachen wird in Israel hauptsächlich von strenggläubigen Juden erledigt, heißt es. (Foto: Louis Capeloto) 





Da habe ich echt mal was dazugelernt, mit diesem Artikel. Ahoi!