07.12.11 UNTER-10-EURO 28 Einem Freund senden

Deutschland: Design oder Nichtsein.

Flaschen, Wein und gutes Design. (Foto: Tesch)Flaschen, Wein und gutes Design. (Foto: Tesch)

Eigentlich eine schöne Welt. Es hat sich bis in die letzte geografische Ecke herumgesprochen, dass der deutsche Wein immer besser wird. Während die Weißweine schon immer eine Hausnummer waren, liegen inzwischen auch die Rotweine mehr als nur in Rufweite. Sogar bei den Weinverschlüssen - ich reibe mir immer noch die Augen - finden wir außer Kork immer mehr Alternativen.

Alles wunderbar also? Mitnichten! Auf einem Gebiet der deutschen Weinlandschaft ist der Fortschritt unter einer Schicht Mehltau gegraben: Bei den Weinetiketten nämlich. Da schaut man noch immer in die Röhre. Besonders bei Weingütern, die nicht das Glück haben, sich auf die Arbeit ihrer Vorfahren und damit auf eine gewisse Tradition verlassen zu können. Das können Amerikaner, Australier und auch Österreicher deutlich besser; sie sind unkonventioneller.

Gutes Produktdesign hat es schwer

Warum nicht die Deutschen? Zum einen: sie brauchen es nicht. Die Stammkunden kaufen bei ihrem Winzer seit Jahren, seit Generationen vielleicht. Dabei ist es egal, ob das Weinetikett etwas her macht. Daher muss sich der Winzer auch nicht bemühen. Es genügt, wenn sich der örtliche Copyshop mal ein paar Gedanken gemacht hat und der Winzer die Labels nun am heimischen PC ausdrucken kann. Technischer Fortschritt bedeutet halt nicht immer echten Fortschritt.

Gutes Produktdesign hat in der bürgerlichen Mitte Deutschlands generell einen schweren Stand. Im Gegensatz zu Skandinavien oder Großbritannien fehlt die Schulung von Kindesbeinen an. Deutsches Design ist vor allem Ingenieurdesign. Alles muss ordentlich funktionieren. Wer genug Geld übrig hat, soll sich dann auch Schikimiki-Kram wie Design leisten können. Vorher bitte nicht.

Bei der Gestaltung bleibt man brav

In der deutschen Weinwelt kursiert die Angst vor dem gestalterischen Risiko. Schließlich gibt es in der wissenden Weinwelt den Begriff des Etikettentrinkers. Zombies, die ihr vinologisches Halbwissen dafür anwenden „große Namen" zu kaufen oder sich von prahlerischen Etiketten blenden lassen. Das meinen zumindest erleuchtete Fachleute. Wenn man nicht zu den schmerzbefreiten Weinbaubetrieben gehört, die Dinge wie "Tony-Marshall-Weine" anbieten, geht man in der Gestaltung oft auf Nummer sicher.

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Kommentare 28

Kommentare

Marcus Arige (via Facebook)

ich freue mich auf diese neue serie.

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Jürgen Maurer (via Facebook)

zum Glück einige es ist nicht ganz so trostlos wie in dem Artikel beschrieben

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Maat Golenia nörgelt

@Maurer, schauen Sie doch mal die 5 Jahre zurück, wie im Artikel beschreiben. Da sah es noch fieser auf deutschen Flaschen aus. Modernes Design auf Flaschen haben die Nachbarn in Ö schon deutlich länger begriffen. Ebenso wie schick gemachte Webseiten.

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Jürgen Maurer (via Facebook)

ja das stimmt teilweise, ich mache seit 1996 Werbung und Etiketten für Weingüter und freue mich eigentlich, dass sichj schon einiges getan hat, wenn es auch gerade im LEH leider noch sehr finster aussieht

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Maat Bugnowski (via Facebook)

@Jürgen Maurer Stimmt schon, es hat sich einiges getan. Aber nicht nur im LEH, sondern in der Breite sieht es oft noch sehr böse aus.

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charlie

Alten Schunkelkitsch mit neuerem Unpluggedkitsch ersetzt.
Gutes Produktdesign mag einen schweren Stand haben, aber vor Gegenständen denen man 100 m gegen den Wind anschaut, dass sie gesigned wurden, kann man sich kaum mehr retten. In Privatwohnungen und Schaufenstern.

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Olaf Lentsch

charlie, ihre antwort ist sehr deutsch und bezeichnend dafür, warum immer noch die mehrheit der winzer in D keinen sinn für design haben, frei nach dem motto: design? kenn isch nitt, kostet nur und brauch isch nitt.

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charlie

die Haltung bei Winzern gibt's. Aber es ist die zweitschlechteste. Die schlechteste lautet: Diesein, müssemer machen, der Schorsch hot au so'n Edigett. Und schwupps kommt sowas raus:
http://www.weingut-kroeber.de/wp-content/uploads/2011/04/Erlebnis-Wein80...
oder auch so:
http://werk2.org/webblog/wp-content/uploads/2010/02/Dreamweaver.jpg

Alledings gefallen mir viele neu designte deutsche Weinetiketten sehr gut (Zallwander, Leiner, Schloss Schönborn, Lauer, Adam, von Winning)

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Susanne Werth-Rosarius (via Facebook)

weswegen ich eine Theorie habe, genauer gesagt, meine Etikettentheorie (JSDEDBDW - je scheusslicher das Etikett, desto besser der Wein - Lafite ist in der Beziehung auch nicht gerade der Knaller *gg)

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Dirk Würtz (via Facebook)

Aha... der Weinpunk ist zurück... Sehr schön!

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Maat Bugnowski (via Facebook)

Ja, mich wird man nicht so leicht los...

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Juppi teilweise zustimmend

ohja. hab letztens noch ne flasche des oben nicht genannten weingutes aus sachsen getrunken, wobei mir comic sans ebenfalls aufgefallen ist. wo dort doch sonst alles nur so von kunst und design strotzt.

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Gottfried

Schlussendlich kommt es auf den Inhalt an. Und wenn der stimmt bzw. gut ist - bei Tesch trifft das aus meiner Sicht auf jeden Fall zu - ist das Design doch nur noch ein Beiwerk.

Aber zugegeben : die Tesch-Weine schmecken nicht nur gut, sie sehen auch sehr gut aus.

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Gottfried

...die Flaschen meine ich natürlich mit 'sehr gut aussehen'...

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Dirk Würtz ...mmh

Warum erscheint denn hier mein Kommentar, den ich auf Bugnowskis Profil auf Facebook gepostet habe??? Wenn ich den auf dem CC Profil gepostet hätte, würde ich es ja noch verstehen... aber beim Bug. privat... strange

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Der Captain

Offenbar ein "special agreement". Willst Du rausgenommen werden?

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Dirk Würtz

@Captain
Ne, ist mir wurscht. Ich habe mich nur gewundert.

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Gast *hust*

Also: ich finde die Weine von Tesch äußerlich schick und schmuck. Die schmecken auch so. Lecker, ich trinke sie gerne, alle!

Aber. Die Webseite ... geht es mieser?

Es dauert bis sich irgendwas aufgebaut hat. Schicke Farben gibt es auch mit dabei (erinnert mich ein bisschen an Löwenstein: The Sound of Salate oder so, ach nee, Slaste *ggg*), aber keine vernünftigen Infos über Preis und andere "Eckdaten". Das muss man sich dann mühsam suchen, klick hier, klick da, klick weg weil kein Bock mehr ... man braucht für die Seite Zeit um an Infos zu kommen. Schade das ich keine 10 Minuten auf der Seite bleiben will. Wenn ich etwas suche soll es zügig gehen. Da klicke ich dann wieder weg, dahin wo es schneller und informativer geht. An der Stelle scheint das Produktdesign vorbei am Kunden und der Handhabung gegangen zu sein. RedDot hin oder her.

Manchmal ist etwas, wenn es funzt und miese aussieht doch besser. Das gilt zumindest für mich.

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Master at Arms

Ich muss dem Gast hier mal ausnahmsweise zustimmen. Mir fallen auch kaum Güter ein, die eine gestalterische Linie ganzheitlich durchziehen. Ich finde auch, dass die Flaschen und Etiketten oft noch ganz nett aussehen. Die Webseiten sind aber dann entweder inexistent oder passen nicht zur Gestaltung des Etiketts.
Ein positives Beispiel ist von Othegraven. Negative Beispiele könnte ich hier im Dutzend nennen, spare ich mir aber.
Weingüter, die zudem noch versuchen eine wirklich informative und aktuelle Seite zu liefern gibt es ganz wenige.

Trotzdem gibt es IMHO bei der Etikettgestaltung ein paar gelungene Ausreißer wie von Winning, Schloss Schönborn oder Breuer

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Maat Golenia trinkt Käffchen...

Auch nicht zu vergessen, mein Liebling aus der Pfalz: Odinstal. Auch die Gestaltung der Flaschen und der Website möchte ich dort als sehr gelungen bezeichnen.

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Jörg Wendel

Zieht euch mal die Heitlinger Etiketten rein, die finde ich modern und äußerst gelungen in einem...auch sehr unverwechselbar und kreativ!
http://weingut-heitlinger.de

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Maat Golenia *grmblfjx*

Verflucht, Sie sind mir mit Heitlinger zuvor gekommen! Schöne Etiketten, deutlich gewagter als die von Tesch. Mir gefällts sehr, aber ich höre da schon wieder die 65-Plusser-Kundschaft im Laden rumzicken...

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Jörg Wendel

frag mich nur wo der Adler auf der Kapsel hin soll, hab vorhin die Meldung gelesen dass die im VDP aufgenommen worden sind!

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Blattgold

Schön. Da sind sich ja alle einig, dass die Etiketten moderner werden müssen. Nur gibt es Weinläden, da steht der Tesch neben dem Heitlinger, dem Stahl und dem Schneider. Alles schön designt - puristisch, klar und ...totlangweilig. Genauso wie die ganzen Bars in Berlin um die Jahrtausendwende mit ihren cremeweißen Sofas, die durchdesignten Hotellobbys und die Flachbildfernseher.

Ich stimme ja überein, dass ganz viele Weinetiketten geschmacklos sind und wahlweise nach Kinderbibel oder Batikkrawatte aussehen. Nur muss doch das neue Design nicht immer nur puristisch und klar sein. Es gibt doch auch geschmackvolle Alternativen.

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William S. Burrouws

Von klassischer Zeitlosigkeit finde ich die Müller-Catoir Etiketten. Sehr gelungen auch die Ausstattung des Gutsweins: Grüne Literflasche mit gotischen Lettern auf schwarzem Band und in rot der Name des Weinguts. Das wirkt ein klein wenig martialisch.

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charlie

Klassisch vielleicht, aber zeitlos? das ist 17. Jh., Schrift, Farben, Aufteilung

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Gast *hust, hust*

Ich finde die Einbettung der Tradition in die Etiketten und die Webseiten sehr, sehr wichtig. Wenn es, wie durch gestylte Sofasbars, die gerade alle wieder absterben, gemacht wird, macht es keinen Sinn. Ich trinke ja schließlich auch Traditionen und nicht nur Popkultur, also Popdition oder auch Tradikultur (<--- beide Begriffe habe ich mir rechtlich schützen lassen, also Vorsicht mit klau von geistigem Eigentum)

Beides verbinden nur wenige.

Gelungen finde ich z.B. auch das Etikett von Martin Schömann. Tradition durch Abbildung der Sonnenuhr, moderne durch klare Linienführung.

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DURST

Gelogen.
Muss natürlich heißen: Copyright Andreas Durst - unter dem Foto vom Tesch.
Ich weiß, Ihr könnt nichts dafür - er verteilt das Foto dennoch fleißig weiter unter seinem Namen.
Tesch gehört das Bild schlicht nicht.
Er hat dafür keine Lizenz.
Überzieht Kollegen mit Klagen und verlangt Lizenz für das Wort unplugged.
Ich mache mit Leuten wie ihm schlicht keine Geschäfte mehr.
Ist mir einfach zu doof.

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