Eigentlich eine schöne Welt. Es hat sich bis in die letzte geografische Ecke herumgesprochen, dass der deutsche Wein immer besser wird. Während die Weißweine schon immer eine Hausnummer waren, liegen inzwischen auch die Rotweine mehr als nur in Rufweite. Sogar bei den Weinverschlüssen - ich reibe mir immer noch die Augen - finden wir außer Kork immer mehr Alternativen.
Alles wunderbar also? Mitnichten! Auf einem Gebiet der deutschen Weinlandschaft ist der Fortschritt unter einer Schicht Mehltau gegraben: Bei den Weinetiketten nämlich. Da schaut man noch immer in die Röhre. Besonders bei Weingütern, die nicht das Glück haben, sich auf die Arbeit ihrer Vorfahren und damit auf eine gewisse Tradition verlassen zu können. Das können Amerikaner, Australier und auch Österreicher deutlich besser; sie sind unkonventioneller.
Gutes Produktdesign hat es schwer
Warum nicht die Deutschen? Zum einen: sie brauchen es nicht. Die Stammkunden kaufen bei ihrem Winzer seit Jahren, seit Generationen vielleicht. Dabei ist es egal, ob das Weinetikett etwas her macht. Daher muss sich der Winzer auch nicht bemühen. Es genügt, wenn sich der örtliche Copyshop mal ein paar Gedanken gemacht hat und der Winzer die Labels nun am heimischen PC ausdrucken kann. Technischer Fortschritt bedeutet halt nicht immer echten Fortschritt.
Gutes Produktdesign hat in der bürgerlichen Mitte Deutschlands generell einen schweren Stand. Im Gegensatz zu Skandinavien oder Großbritannien fehlt die Schulung von Kindesbeinen an. Deutsches Design ist vor allem Ingenieurdesign. Alles muss ordentlich funktionieren. Wer genug Geld übrig hat, soll sich dann auch Schikimiki-Kram wie Design leisten können. Vorher bitte nicht.
Bei der Gestaltung bleibt man brav
In der deutschen Weinwelt kursiert die Angst vor dem gestalterischen Risiko. Schließlich gibt es in der wissenden Weinwelt den Begriff des Etikettentrinkers. Zombies, die ihr vinologisches Halbwissen dafür anwenden „große Namen" zu kaufen oder sich von prahlerischen Etiketten blenden lassen. Das meinen zumindest erleuchtete Fachleute. Wenn man nicht zu den schmerzbefreiten Weinbaubetrieben gehört, die Dinge wie "Tony-Marshall-Weine" anbieten, geht man in der Gestaltung oft auf Nummer sicher.
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Flaschen, Wein und gutes Design. (Foto: Tesch) 





ich freue mich auf diese neue serie.